Ein Durchgang reichte: Die 18 Kreisschulräte Aarau-Buchs wählten am Mittwochabend im ersten Anlauf die sieben Schulpfleger der neuen Kreisschule. Sie folgten dabei der Empfehlung der Wahlkommission.

Mit 17 Stimmen das beste Resultat machte Boris Meyer (51), Schulpfleger Kreisschule Buchs-Rohr, Maschinenzeichner MBA aus Buchs. Gewählt wurde weiter Daniel Fondado (45), bisheriger Präsident der Schulpflege Aarau. Der Elektroingenieur wohnt in der Telli. Aus dem Zelgli kommt Bernhard Grafe (42), Ökonom mit Lehrerdiplom. Gewählt wurden weiter Daniela Meier-Hächler (45), Unternehmerin und Vizepräsidentin der Kreisschulpflege Buchs Rohr, wohnhaft in Rohr; Franziska Zimmerli (41) aus der Telli, Bildungsexpertin und Schulpflegerin der Schule Aarau; sowie Marco Salvini (34), Projektleiter Stadtentwicklung und wohnhaft in der Innenstadt. Als zweite Buchser Vertreterin kommt noch Barbara Tommasini-Valli (48), Marketing-/Sales Assistant (48), hinzu.

Drei weitere Kandidierende, darunter zwei amtierende Mitglieder der Schulpflege Aarau, waren von der Wahlkommission nicht unterstützt worden. Sie erhielten vereinzelte Stimmen.

Es wartet viel Arbeit

Die Kreisschulpflege habe die Aufgabe, in den kommenden Monaten die Organisation der grössten Schule im Kantion Aargau aufzugleisen, sagte Kreisschulratspräsident Joel Blunier (EVP, Buchs). Ausserdem müsse sie dafür sorgen, dass die beiden gut funktionierenden alten Schulen – die Schule Aarau und die Kreisschule Buchs-Rohr – gut zusammengeführt werden und die Stärken verknüpft werden können. Bisher steht von der neuen Kreisschule erst das Gerüst in Form der Statuten. Ausserdem gibt es den Schlussbericht der Ausarbeitungsphase, wo für die verschiedenen Bereiche schon Szenarien vorskizziert sind. «Von der Kreisschulpflege wird erwartet, dass sie sich bei der Organisation der neuen Schule eng an den Schlussbericht hält.»

Anton Kleiber, Buchser Gemeinderat und Präsident der Wahlkommission, betonte, man habe versucht, die Bewertung der Kandidaten möglichst neutral anzugehen, etwa mit einheitlichen Fragebogen. Keine Rolle gespielt hätten Geschlecht, Alter, Partei oder Wohnort – man habe nur sicherstellen müssen, dass aus jeder Gemeinde mindestens zwei Leute dabei sind. Neben fachlichen müssten die Personen auch soziale Kompetenzen aufweisen, und: «Wir wollten bei den Kandidierenden ein gewisses Feuer spüren für die Kreisschule.» Kleiber betonte, die Kommission hätte gerne auch weitere Personen zur Wahl empfohlen, aber man sei zum Schluss gekommen, dass genau diese Sieben miteinander die ideale Kombination ergäben.

«Weder fair noch korrekt»

Ohne Nebengeräusche ging die Wahl allerdings nicht über die Bühne. Kreisschulrätin Nicole Burger (SVP, Aarau) monierte fehlende Transparenz und stellte einen Ordnungsantrag, um die Kandidaten vor der Wahl befragen zu können – am selben Abend oder an einer separaten Sitzung. Denn die Kreisschulräte sahen die Bewerber am Mittwoch das erste Mal, sofern sie sie nicht schon privat kannten. Allein die fünfköpfige, vom Kreisschulrat gewählte Wahlkommission hatte im Vorfeld die Möglichkeit gehabt, mit den Kandidierenden zu sprechen. Die Kreisschulräte erhielten Motivationsschreiben, Lebenslauf und ein stichwortartiges Protokoll der Befragungen. Ausserdem hielt der Rat am 15. November eine nicht-öffentliche «Info-Sitzung» ab, an der man der Wahlkommission Fragen zu den Kandidierenden stellen konnten. Per Mail waren die Kreisschulräte informiert worden, dass sie an der öffentlichen Sitzung vom Mittwoch der Kommission keine Fragen zu einzelnen Kandidaten mehr stellen dürfen. Auch Kreisschulratspräsident Joel Blunier betonte dies nochmals, unter dem Hinweis, dass man auch die im Saal anwesenden Kandidaten nicht in die Diskussion involvieren dürfe.

«Ich konnte mir so kein Bild von den Kandidaten machen und kann unter den gegebenen Umständen keine Wahl treffen», sagte Nicole Burger. Sie kritisierte erstens die «Geheim-Sitzung» vom 15. November: «Die Sitzungen des Kreisschulrats müssen gemäss Satzungen öffentlich sein, ohne Ausnahme.» Zweitens hätten sich die nicht-empfohlenen Kandidaten nicht zu diesem Umstand äussern dürfen, man habe ihnen also das rechtliche Gehör verwehrt. «Das ist weder fair noch juristisch korrekt.» Auch sei ihr Anliegen, Strafregisterauszüge zu verlangen, nicht aufgenommen worden, und man habe es versäumt, die parteilosen Kandidaten zu fragen, wo sie politisch stünden: «Da könnte ja auch ein Rechtsextremer dabei sein.»

Die Zeit drängte

Der Präsident der Wahlkommission fand dies «an den Haaren herbei gezogen», es gelte der Persönlichkeitsschutz für die Kandidierenden. Und da eine Person aufgrund einer Nicht-Empfehlung ihre Bewerbung zurückgezogen habe, ginge es jetzt sowieso nicht, dass man vom Modus abweiche und die verbliebenden Kandidaten noch öffentlich befrage.

Nicole Burgers Antrag auf Befragung der Kandidaten am Abend oder an einer zusätzlichen Sitzung wurde mit 17:1 respektive 16:1 mit je 1 Enthaltung abgelehnt. Mehrere Ratsmitglieder meldeten sich zu Wort und sagten, es sei vielleicht nicht alles optimal verlaufen und man könne es bei der nächsten Wahl in vier Jahren besser machen, aber da die Schulpfleger ihr Amt schon am 1. Dezember antreten müssten, sei es jetzt zu spät, um den Prozess zu ändern. Ausserdem habe der Kreisschulrat diese Aufgabe offiziell an die Wahlkommission delegiert. Philippe Kühni (GLP) bat darum, mindestens den Strafregisterauszug noch einzuverlangen.