«Ich habe das Strohdachhaus in Muhen vorgezogen, notfallmässig sozusagen», sagt Andreas Bergamini, Spezialist für das Decken von Strohdachhäusern mit Firmensitz in Lausen BL. Der Grund: Das Stroh auf dem First war weg, ja mehr noch, auch die Plastikfolie darunter – eine Sicherheit – hatte Löcher. Anna Moser, die das Museum mit ihrem Mann Hansruedi betreut: «Die Krähen haben alles herausgerupft und auch den Plastik aufgerissen.» Auch eine Geldfrage. Fotos von den Schäden hätten aber Beine gemacht: «Plötzlich reagierte die Denkmalpflege zackig.» Die Finanzierung der 170 000 Franken teilen sich Bund, Kantone und die Gemeinde. Muhen ist Eigentümerin des Strohdachmuseums an der Hardstrasse.

Schilf widerstandfähiger

Nachdem 2010 die Südseite erneuert wurde, sind jetzt die West- und die Nordseite dran. «Wenn die Schilfschicht nur noch 10 Zentimeter dick ist, muss man etwas unternehmen, denn das Wasser dringt sechs Zentimeter tief hinein», sagt Hansruedi Moser. Schilf hat Stroh ersetzt: widerstandsfähiger, höhere Verfügbarkeit. Die Hitze lässt das Schilf spröde werden; der Regen spült Teile weg. So erodiert ein Schilfdach. Ein Spezialistenteam aus den Niederlanden ist seit 14 Tagen an der Arbeit. Aus dem gleichen Land wurden mit zwei Lastenzügen auch 16 Tonnen Schilf nach Muhen gefahren. In nummerierten Bündeln, die per Aufzug aufs Dach gebracht und fachgerecht festgemacht werden.

Das bald 300-jährige Haus ist 1961 bis auf den Wohnteil abgebrannt – Brandstiftung. Nach dem Wiederaufbau wurde es zum Museum, und 1983 erwarb es die Einwohnergemeinde Muhen. Seit 1997 kümmern sich Anna und Hansruedi Moser um das Haus. Mit Leidenschaft, denn auch jetzt sind sie täglich vor Ort. Hansruedi, als pensionierter Dachdecker ein Mann vom Fach, ihn interessiert vor allem das Technische, und Anna macht das Znüni bereit für die Facharbeiter, die ins Schwitzen kommen, auch wenn Hochnebel herrscht.

Anna Moser vor dem Strohdachhaus.

Anna Moser vor dem Strohdachhaus.

Roggenstroh aus England

Anna und Hansruedi Moser haben im Vorfeld der Neubedachung auch geschwitzt. «Wir haben innen die Ausstellung mit Plastik abgedeckt», sagt Hansruedi Moser. Denn da fallen schon mal Halme und Spreu, wenn die Männer auf dem Dach arbeiten. Zumal die unterste Schicht, die sogenannte Schlupfschicht, noch aus altem Stroh und nicht Schilf besteht.

Der First ist der exponierteste Teil eines Strohdachs. Deshalb sollte er alle sechs Jahre erneuert werden. Nun sind es acht geworden. Da wird nicht Schilf verwendet, sondern Roggenstroh. Der Grund: Es lässt sich biegen. Hansruedi Moser: «Man legt es ins Wasser, um es geschmeidig werden zu lassen; dann dreht man es wie ein Schiffstau.» 600 Kilogramm Roggenstroh aus England werden für den First verwendet.

Mosers sind froh: Wetterglück. Nasses Schilf könne nicht verwendet werden, weiss Hansruedi Moser: «Es besteht die Gefahr, dass es von innen heraus fault.» 33 bis 36 Zentimeter dick ist die Schilfschicht auf dem Haus. Sie wird mit der Zeit dünner. Hansruedi Moser misst die Dicke der Südseite, die vor acht Jahren erneuert wurde: «Fast 30 Zentimeter.» Die letzten Neubedachungen hätten 27, 28 Jahre gehalten. Schilfdächer wollen auch gewartet sein. So «reparieren» die Fachleute auch die Südseite und «kämmen» die Ostseite des Daches, das insgesamt mehr als 800 Quadratmeter misst.