Der Aarauer Stadtrat hat die Tarife für die Familien- und Schulergänzenden Tagesstrukturen Aarau (FuSTA) per Januar 2017 erhöht. Das wurde den Eltern in den letzten Tagen per Brief mitgeteilt. Die Anpassungen betreffen einerseits die maximalen Steuerabzüge, andererseits die maximalen Elternbeiträge.

Bisher konnten in der Stadt Aarau alle Familien beim steuerbaren Einkommen einen Abzug von 29 000 Franken vornehmen. Neu sind die Anzahl Familienmitglieder massgebend. Es gibt einen Basisabzug von 10 000 Franken, dazu einen Abzug pro Elternteil im selben Haushalt von 7000 Franken plus einen Abzug pro unterhaltspflichtigem Kind von 3000 Franken.

Das heisst: Zusammenlebende Eltern mit vielen Kindern gewinnen, Alleinerziehende mit 1 bis 2 Kindern verlieren. «In der aktuellen Tarifordnung haben die Alleinerziehenden stark profitiert», heisst es dazu vonseiten der Stadt. «Mit den neuen Abzügen wird die Familiengrösse stärker in die Berechnung der Tarife einbezogen.»

Heute zahlen Eltern je nach Einkommen maximal 100 Franken pro Betreuungstag. Der Stadtrat hebt diesen Betrag auf 110 Franken an. Was das für verschiedene Familienkonstellationen heisst, hat die Abteilung Soziale Dienste Aarau für die az anhand fiktiver Fälle berechnet.

Fall 1: Frau Meier, Herr Müller

Die Eltern sind nicht verheiratet, wohnen aber zusammen. Ihr gemeinsames steuerbares Einkommen beträgt 100 000 Franken. Sie haben ein Kind, das einen Tag pro Woche die Kinderkrippe besucht. Bisher konnten die Eltern dafür 29 000 Franken vom Einkommen abziehen, neu sind es nur noch 27 000 Franken. Der Elternbeitrag für die Krippenbetreuung steigt von 86 auf 88 Franken pro Woche. Das macht pro Jahr (52 Wochen) 104 Franken zusätzlich.

Fall 2: Frau Schmid

Frau Schmid ist alleinerziehende Mutter und hat ein steuerbares Einkommen von 50 000 Franken im Jahr. Konnte sie bisher 29 000 Franken
abziehen, sind es jetzt nur noch 23 000 Franken. Ihre zwei Kinder besuchen beide einen Tag pro Woche den Hort. Pro Kind zahlt Frau Schmid künftig Fr. 31.90 statt Fr. 27.35 pro Woche. Übers Jahr gerechnet macht das Mehrausgaben von insgesamt
Fr. 473.20.

Fall 3: Familie Berger

Herr und Frau Berger haben ein steuerbares Einkommen von 150 000 Franken. Sie haben drei Kinder, weshalb sie nun deutlich mehr Abzüge machen dürfen (33 000 statt 29 000 Franken). Während eines der Kinder keine Betreuung mehr braucht, geht eines in den Hort und eines in die Krippe. Der Krippen-Tarif für einen Tag schlägt von 90 auf 99 Franken auf, der Hort-Tarif von Fr. 58.50 auf 63 Franken. Insgesamt ergibt das jährliche Mehrkosten von 702 Franken.

Andere Gemeinden noch teurer

Wer angesichts der Mehrbelastung des Familienbudgets nun leer geschluckt hat, muss wissen: Andernorts kostet die Kinderbetreuung noch mehr. «Ein Benchmark für das Jahr 2017 zeigt, dass Aarauer Eltern – auch Alleinerziehende – mit der neuen Tarifordnung nach wie vor tiefere Beiträge entrichten als aargauische Vergleichsgemeinden», heisst es bei den Sozialen Diensten.

Zum Beispiel: Eine Alleinerziehende mit 80 000 Einkommen, die ihr Kind einen Tag pro Woche in die Krippe schickt, zahlt in Aarau 68 Franken. In Villmergen wären es 75 Franken, in Bergdietikon 82 Franken und in Baden, Ennetbaden sowie Wettingen 85 Franken.