Die Fledermaus ist zu Besuch in der Schanzmätteliturnhalle und wirbelt rauschhaft durch die gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Nun brandet der Applaus auf, Zugabe-Rufe schallen durch den hohen Raum. Die Freude über den gelungenen und aussergewöhnlichen Konzertabend ist den Musikern des Argovia-Philharmonic-Symphonie-Orchesters und dem Publikum, das sich in seinen Kanapees eingenistet hat, deutlich anzusehen.

Mit der Konzertreihe Klassik Easy will der Eventveranstalter Dario Hauri aus dem Fricktal eine neue und junge Zuhörerschaft für die klassische Musik begeistern. Eine ungezwungene Umgebung soll dabei den Kontakt zu den grossen und nimbushaften Komponisten so angenehm wie möglich gestalten. Für das dritte Konzert von vorgestern Abend in Aarau wurde dafür die Turnhalle der Bezirksschule mit Möbeln aus dem Zürcher Brockenhaus ausgestattet und mit Waldhausleuchten in verträumtes Dämmerlicht getaucht.

Opulente Tonkunst der Romantik

«Die klassische Musik soll nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden, sondern für alle zugänglich sein», sagt Hauri. Sein Vorhaben ist es, mit gewohnten, oft als elitär empfundenen Konzertgepflogenheiten zu brechen und eine direktere Kommunikation zwischen Orchester und Zuhörerschaft zu ermöglichen. Sein Konzept findet beim Aarauer Publikum Anklang. Sie werden, sagen zwei Konzertbesucher, die Konzertreihe gerne weiter empfehlen und bei nächster Gelegenheit Freunde mitbringen.

Unter der Leitung von Douglas Bostock eröffnete das Argovia Philharmonic den musikalischen Abend mit Beethovens Egmont-Ouvertüre. Äusserst stimmungsvoll interpretierten die profilierten Musikerinnen und Musiker die Komposition zu Goethes Trauerspiel. Vom düster-feierlichen Auftakt über die drängende Dramatik bis zum triumphalen Schluss wird der Zuhörer in den Bann der brausenden Klänge gezogen.

Für einen besonderen Reiz bei den Klassik Easy Konzerten sorgen die Moderationen zwischen den einzelnen Vorträgen. Im Dialog mit Andreas Hauri gab Dirigent Bostock den Kompositionen eine entstehungsgeschichtliche Kontur. So konnten die Zuhörer beispielsweise erfahren, wie sehr Johannes Brahms den Vergleich mit seinem bewunderten Vorbild Beethoven gefürchtet hat, um dann zu hören, wie die Psychologie des Herzens in die opulente Tonkunst der deutschen Romantik Eingang gefunden hat.

Berechtigung für Klassik Easy

Das Aargauer Symphonie Orchester, welches das Konzert in Aarau mit Dario Hauris Eventfirma Zeitpol in Kooperation organisiert hat, brillierte im weiteren Verlauf des Abends mit der Passacaglia von Anton Webern, dem Tanzwalter Geschichten aus dem Wienerwald von Johann Strauss und setzte mit einem Auszug aus der Operette «Die Fledermaus» einen furiosen Schlusspunkt.

Für Konzertmeister Ulrich Poschner hat das Konzept Klassik Easy eine grosse Berechtigung. «Wir waren uns schnell einig, dass wir mitmachen wollen. Es herrscht eine tolle und gelöste Atmosphäre, was auch für uns Musiker sehr schön ist, zu erleben.»

Gerne würde Dario Hauri die Konzertreihe im Herbst weiterführen. Allerdings, so sagt er, sei es nicht einfach, Sponsoren zu finden. Es bleibt zu hoffen, dass potenzielle Geldgeber ihre Bedenken überdenken werden. Die klassische Musik hätte es verdient.