Aarau

Die Keba ist ein finanzieller Sanierungsfall — Gemeinden müssen in die Kasse greifen

Daniel Lüscher hilft der Keba als Verwaltungsrat.

Daniel Lüscher hilft der Keba als Verwaltungsrat.

Neben einer kurzfristigen Finanzspritze für die Kunsteisbahn Aarau braucht es höhere Gemeindebeiträge. Ex-Bankchef Daniel Lüscher dürfte neuer Präsident werden.

Immer dann, wenn man glaubt, das Ärgste sei jetzt dann überstanden, kommt es noch schlimmer: Im Fall der Kunsteisbahn Aarau (Keba) läuft seit einer gefühlten Ewigkeit das Baugesuch für die definitiven Betriebszeiten – ein erstinstanzlicher Entscheid durch den Gemeinderat Suhr wird frühestens nächstes Jahr fallen.

Die Anlage funktioniert zwar, hat aber immer noch Mängel. Ausstehend ist zudem die Bauabrechnung der auf 20,7 Millionen Franken budgetierten Totalsanierung. Die neue Anlage ist vor fast drei Jahren (November 2016) eingeweiht worden.

Und noch nicht beantwortet ist eine Anfrage, in der Einwohnerrat Max Suter (SVP) dem Stadtrat kritische Fragen zur finanziellen Lage der «Keba Region Aarau AG» stellt.

Frühestens im 2020/21 schwarzen Zahlen

Nachdem drei Jahre lang keine Transparenz über die wirtschaftliche Lage der Keba bestand, gibt es jetzt etwas Klarheit. Erstmals seit Gründung der Aktiengesellschaft im Herbst 2016 hat der Verwaltungsrat den Jahresbericht und die Jahresrechnung publiziert (auf www.keba.ch). Es gab im Betriebsjahr 2018/19 schon zum zweiten Mal in Folge rote Zahlen. Die finanzielle Lage der Aktiengesellschaft ist besorgniserregend.

Bei der Eröffnung der neuen Anlage hatte es geheissen, es sei das Ziel, die Betriebskosten (ohne Abschreibungen) aus den laufenden Einnahmen zu decken. Jetzt heisst es im Jahresbericht 2018/19: «Die Keba kann nicht kostendeckend betrieben werden.» Bereits 2017 sei festgestellt worden, dass vermutlich ein strukturelles Defizit bestehe. Dies habe sich in der Abrechnung 2018/19 bestätigt.

Der Verwaltungsrat hat ein Sanierungskonzept, ein 5-Jahres-Finanzplan, ausgearbeitet: «Wenn diese Massnahmen, insbesondere die Erhöhung der Gemeindebeiträge, umgesetzt werden, kann die Keba ab der Saison 2020/2021 kostendeckend betrieben werden», steht im Jahresbericht.

Das heisst: Auch im laufenden Betriebsjahr (2019/20) wird die Keba Verlust machen. Und die Gemeinden werden in die Kasse greifen müssen (Aarau hat 150 Aktien, Suhr 30, Buchs 20). Schlimmer noch: Es ist Nothilfe nötig. Die Rede ist von «kurzfristigen Massnahmen zur Sicherstellung der Liquidität».

Ehemaliger Hockeyspieler designierter Präsident

Es gibt auch eine gute Nachricht von der Keba: Der Verwaltungsrat ist wieder komplett. Nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Ralph Werder ist an der Generalversammlung vom 17. September der 58-jährige Daniel Lüscher (Herznach) neu in das Gremium gewählt worden.

Er dürfte an der Verwaltungsratssitzung vom 24. Oktober zum neuen Präsidenten ernannt werden – auch wenn das in einer Medienmitteilung nicht explizit gesagt wird (der Rat konstituiert sich selber). Zu Lüscher heisst es: «Als ehemaliger Eishockeyspieler ist er mit der Keba bestens vertraut.»

Daniel Lüscher war bis vor den Sommerferien Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg. Er wird dort nach einer Auszeit noch als Spezialbeauftragter mit einem 70-Prozent-Pensum arbeiten. Lüscher ist zudem Präsiden des Vereins Aarau Standortmarketing («aarau info»).

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Autor

Urs Helbling

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