Mit schweren Schuhen und professioneller Kamera oder mit hellen Turnschuhen und Smartphone: Die Frauen und Männer haben sich für die Exkursion des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Buchs sehr unterschiedlich ausgerüstet.

So vielfältig wie die Teilnehmer ist auch die Natur. «Ich habe Blumen in fünf Farben gesehen», berichtet ein kleines Mädchen und lächelt scheu.

Der Achenberg, erklärt Exkursionsleiter Martin Keiser, ist durch seine gute Lage Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. «Er ist von nationaler Bedeutung und steht unter Schutz.» Auch, weil hier Gämsen leben. Denn sie kommen normalerweise nur in höheren Gefilden vor.

Auf der Jagd nach Gämsen

«Im Jagdrevier begegnen mir manchmal zehn, zwanzig Gämse aufs Mal», sagt Hansruedi Hassler. «Zack, zack. Die ziehen schnell an einem vorbei.» Er unterstreicht seine Aussage mit kurzen Bewegungen seiner Hand.

Der Jäger ist auch Mitglied beim NVV. «Viele sagen, das passt nicht zusammen.» Er schätzt, dass auf dem Achenberg 70 Gämse leben. Genau diese möchten die Exkursionsteilnehmer sehen. «Ich bin nur wegen der Gämse gekommen», betont eine ältere Dame ihre Absicht. Doch bei diesem Thema lässt Keiser seine Schultern hängen. «Dass wir sie sehen, kann ich nicht versprechen.» Ob die Tiere nicht sowieso zu scheu sind? «Die, die wir sehen werden, nicht», erwidert Keiser.

Der Aufstieg beginnt. In gemächlichem Tempo steigt die Gruppe auf einem Feldweg den Hang hoch. Die Augen der Gäms- und Naturfreunde bleiben unbeirrt auf den Wald gerichtet. Dann fliegt ein schwarzer Vogel in einiger Entfernung vorbei. «Das ist eine Krähe», kommentiert Keiser unaufgeregt. «Ich denke, die kennen wir alle», abrupt hält er inne, zuckt zusammen, schnappt sich seinen Feldstecher. Ein kurzer Blick, dann runzelt er die Stirn. «Oder eine Dole.» Zu schnell ist der Vogel wieder weg.

Am Waldrand angekommen, lässt er nach Vogelstimmen lauschen. Unverkennbar singt eine Amsel ihr Lied. Auch die Stimme des Buchfinken übertönt das Rauschen der Blätter. Der Wald wirkt friedlich. Zu friedlich. «Und wo sind jetzt die Gämsen?»

Ein kleines Wunder

Die Gruppe kommt auf einer Wiese zu stehen. «Unglaublich. Unglaublich», wiederholt Walter Wyler, der ehemalige Präsident des NVVs, immer wieder. «Um das sehen zu dürfen, musste ich sehr alt werden. Unglaublich.» Sofort wird der sich etwas abseits Befindende von Neugierigen umringt. «Ohhh.» «Aah.» «Wow.» «So schön.» Fotoapparate und Smartphones werden gezückt.

So viel Aufmerksamkeit ist sich der Schwalbenschwanz wohl nicht gewohnt. Von den kühlen Temperaturen träge geworden, kümmert sich der Schmetterling aber nicht weiter um den Aufruhr und lässt sich geduldig fotografieren. Für die Teilnehmer der Exkursion sind die erfolglos gesuchten Gämse vergessen.