Donnerstagmorgen, Schiessplatz Gehren in Erlinsbach. Richtiges Füselwetter. Es ist kalt, ab und zu fallen Schneeflocken. Wer auf den Boden liegen muss, ist zumindest nass, in der Regel auch richtig dreckig. Abliegen müssen sie nahezu alle, die 220 Mitglieder der Durchdiener-RS 14-1. Angesagt ist die Zwischenprüfung «AGA Finale», ein erster grosser Test für die Rekruten, die vor sieben Wochen eingerückt sind. Sie gehören der zweitletzten Infanterie-RS an, die auf dem Waffenplatz Aarau stattfindet. Die letzte beginnt am 3. Juli. Dann wird die Aarauer Kaserne mit rund 550 Infanteristen (Durchdiener und Militärpolizei-Grenadiere) voll besetzt sein. Für ein paar wenige Wochen.

Weniger Soldaten in der Stadt

Am 20. September verabschiedet sich das Infanterie Durchdiener Kommando aus Aarau. In der Kaserne kehrt Ruhe ein – und die Soldaten verschwinden weitgehend aus dem Stadtbild (Ausgang). In Aarau verbleiben die Militärmusiker (im März rückten 75 in die RS ein). Und es kommt das Kommando der Ter Div 2 (rund 25 Personen unter der Führung von Divisionär Hans-Peter Walser). Ende Mai 2018 wird dann das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau verlegt. Das gibt pro Woche maximal 250 Übernachtungen (ohne Ausgang). Heute sind es in Zeiten der Vollbelegung der Infanteriekaserne über zehnmal mehr (um die 3000).

«Unheimlich wissbegierig»

Zurück ins Füselwetter, zurück in die «Gehren». Der RS-Kommandant, Oberst im Generalstab Felix Huber (48), inspiziert die Durchführung von «AGA Finale». Er ist zufrieden mit seinen Rekruten, lobt deren Einsatzbereitschaft: «Sie sind unheimlich wissbegierig.» Gut seien auch die Vorgesetzten: «Die Investitionen in die Kaderausbildung schlagen durch.» Huber weist auf Veränderungen hin: Das Schiessen innerhalb der Gesprächsdistanz ist eine wichtige Form der Schiessausbildung, der Weg bis zu dieser besonderen Form des Schiessens führt aber immer noch über den gezielten Einzelschuss im 300-Meter-Stand.

Die Infanterie-Durchdiener sind eine rund um die Uhr einsatzbereite Reserve für Notfälle und kommen neben dem Botschaftsschutz regelmässig an Veranstaltungen wie dem WEF zum Einsatz. Entsprechend grosses Gewicht wird in der Ausbildung auf Situationsdrill gelegt. Aber auch auf Dinge, wie beispielsweise Handschellen-Technik. Oberst Huber fragt beim «AGA Finale»-Rundgang immer wieder, wie viele Rekruten den Test bestanden haben. Sein Ziel: Möglichst viele sollen in den Genuss eines zusätzlichen Urlaubstages kommen (Leistungsabtreten am Freitagmorgen).

Die Durchdiener leisten ihren Militärdienst am Stück (300 Tage). Aktuell stammt ein Drittel der Rekruten aus dem Welschland und einer aus dem Tessin.

Oberst Huber schätzt die «Gehren»: «Dieser Schiessplatz ist für die Zwecke der Ausbildung sehr gut.» Und er lobt das Einvernehmen mit den Anrainern: «Sehr gut.» Trotz des Wegzugs der Infanterie-Durchdiener würden der Waffenplatz Aarau und der Schiessplatz Gehren weiterhin genutzt, künftig einfach vor allem durch WK-Truppen.

Das Durchdiener Kommando 14 wird sich am 20. September mit einer Zeremonie aus Aarau verabschieden. Felix Huber wird der letzte Infanterie-Schulkommandant in der Kantonshauptstadt gewesen sein. Er selber kennt die Kaserne von der Pike auf, hat in Aarau 1988 die RS absolviert, wurde 2015 zum Schulkommandanten. Huber hat in seiner Zeit vor der Armee eine Ausbildung zum Lehrer gemacht. Er ist Vater von drei Kindern und stammt aus einer Familie, in der das Militär schon immer eine wichtige Rolle spielte. Felix Huber ist der Sohn von Hans Jörg Huber (gest. 2008), der es neben seiner Politiker-Karriere (Regierungs- und Ständerat) in der Armee bis zum Brigadier brachte.

Rekrutierungszenter zügelt im Mai

Die Infanterie-Durchdiener zügeln Ende September nach Birmensdorf ZH. In Aarau beginnt dann die auf zwei Millionen Franken veranschlagte Sanierung und Umnutzung der Kaserne. In den letzten beiden Mai-Wochen des Jahres 2018 wird das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau zügeln. Mitte Juni wird der volle Rekrutierungsbetrieb aufgenommen. Es kommen dann zwei Mal wöchentlich je rund 120 Personen (aus acht Kantonen) für die zweitägige Rekrutierung. Sie haben abends keinen Ausgang. Im Zentrum Aarau wird es etwa gleich viele Jobs geben wie in Windisch (33 Vollzeitstellen).