Auenstein
Die IG Gisliflue will die Jura Cement zum Ausstieg bewegen

Der Verein verschärft seine Position gegenüber den Jura Cement Fabriken. Er will nur 1 Million Kubik zusätzlichen Kies- und Mergelabbau akzeptieren. Das bedeutet, dass das Werk in Wildegg in rund 12 Jahren die Produktion einstellen müsste.

Hubert keller
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Sprengungen wie diese im Juli würde es im Steinbruch der Jura Cement längerfristig nicht mehr geben.

Sprengungen wie diese im Juli würde es im Steinbruch der Jura Cement längerfristig nicht mehr geben.

Alex Spichale

Die IG Gisliflue hatte sich mit Vehemenz dagegen zur Wehr gesetzt, dass die Jura Cement Fabriken (JCF) am Auensteiner Hausberg Kalk und Mergel abbauen. Mit Erfolg, im April haben die JCF nämlich bekannt gemacht, dass sie auf weitere Abklärungen und sogar auf den Eintrag als Vororientierung «Bäumer» im Aargauer Richtplan verzichten.

Die IG Gisliflue traute dem Frieden nicht ganz und sah sich deshalb genötigt, ihre Position neu zu definieren. Und diese ist, wie die Vereinsversammlung am Dienstag in der Turnhalle in Auenstein beschloss, noch schärfer, als es der Vorstand mit Heinz Alber und Hanspeter Brugger an der Spitze vorgeschlagen hatte.

Der Verein verlangt nämlich nicht nur, wie vom Vorstand vorgeschlagen, dass auf die Westerweiterung Oberegg verzichtet wird, sondern auch auf die Erweiterung Jakobsberg-Egg. Eine Erweiterung Richtung Veltheim und Auenstein, die 6 Millionen Kubik bringen würde, brauche zu viel Kulturland und führe den Steinbruch zu nahe an den Dorfrand von Auenstein bzw. Au-Veltheim.

Die IG Gisliflue will, wie von der Versammlung beschlossen, nur den Abbau von 1 Million Kubik zusätzlich akzeptieren. Und da die IG Gisliflue mit mittlerweile über 440 Mitgliedern, davon die Hälfte aus Auenstein, mächtig genug ist, ihren Standpunkt durchzusetzen, ist etwas anderes kaum mehrheitsfähig. Dies wiederum ist die Politik der Gemeinderäte von Auenstein, Veltheim und Schinznach, die in einer Absichtserklärung im April postuliert hatten, dass eine Lösung für das Werk Wildegg «in der Bevölkerung mehrheitsfähig» sein müsse.

Eine Absichtserklärung wie die erwähnte, die mit dem Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, Stephan Attiger, und den JCF ausgehandelt wurde ist, ist der IG zu wenig verbindlich. Der Vorstand wurde deshalb beauftragt abzuklären, wie ihre Forderungen juristisch hieb- und stichfest fixiert werden können.

«Gemeinderat den Rücken stärken»

Auch wenn der Gemeinderat eher zu einem Kompromiss neigte, geht IG-Präsident Heinz Alber davon aus, dass dieser längerfristig auf die Linie der IG einschwenken wird. «Unsere Aufgabe wird es sein, dem Gemeinderat den Rücken zu stärken», sagt Alber. Dieser war wie die IG schon immer gegen einen Abbau an der Gisliflue, zeigte sich aber verhandlungsbereit bei einer «massvollen Erweiterung» Jakobsberg-Egg Richtung Westen.

Setzt sich die IG durch, sind die JCF über kurz oder lang gezwungen, den Ausstieg vorzubereiten. Die JCF verfügen noch über Abbaureserven für etwa 8 bis 10 Jahre. Ihr Ziel war und ist es, 6 Millionen Kubik zusätzlich abbauen zu können, um insgesamt für 25 bis 30 Jahre Rohstoffreserven zu erhalten. Die von der IG tolerierte 1 Million reicht für zusätzliche 2 bis 3 Jahre.

«Die JCF können aus den im Werk Wildegg getätigten Investitionen kein Recht ableiten, immer noch mehr zu verlangen», sagte Hanspeter Brugger an der Versammlung. Und aus der bisherigen Partnerschaft der Gemeinden Veltheim und Auenstein mit den JCF lasse sich auch nicht die Pflicht begründen, weiterhin Rohstoff liefern zu müssen.

«Kalk und Mergel wachsen nicht nach, die Ressourcen sind nicht nachhaltig, also überwiegt der Verlust an Wohnqualität und Standortgunst irgendwann den finanziellen Nutzen der Gemeinden», sagte Brugger.

Produktion nach Cornaux verlegen

Der IG-Vorstand ist gemäss Brugger überzeugt, dass die Produktion von Wildegg nach Cornaux zwischen Neuenburger- und Bielersee verlegt werden könnte, wo die JCF einen weiteren Steinbruch betreiben. Dass die Aufgabe des Standorts Wildegg schmerzlich ist, etwa 100 Arbeitsplätze wären betroffen, ist der IG Gisliflue bewusst. «Im Vergleich mit anderen Umwälzungen in der Wirtschaft ist die Zahl der Betroffenen aber relativ klein», sagte Brugger.

Die Versammlung, an der knapp 60 Mitglieder teilgenommen und angeregt diskutiert haben, machte deutlich: Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die Auffassung, man dürfe der nächsten Generation nicht vorschreiben, wie sie die wirtschaftliche Situation der JCF zu beurteilen und was sie bezüglich der Gisliflue zu tun habe, lehnt die IG Gisliflue kategorisch ab.