Auenstein
Die IG Gisliflue traut der Jura Cement noch nicht

Die Generalversammlung der IG Gisliflueh signalisiert Entschlossenheit: Die Abbaupläne in den bestehenden Steinbrüchen gehen ihr zu weit. Und die IG traut dem Friedensangebot der Jura Cement nicht.

Hubert Keller
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Hubert Keller

Zwölf Jahre lang hatten die Jura Cement Fabriken Wildegg (JCF) in vier Regionen bis hin zum Bözberg einen neuen Steinbruch gesucht. Am 24. April 2014 dann kam der Paukenschlag: Die JCF gaben bekannt, auf weitere Sondierungen zu verzichten und sogar auf den Eintrag im Aargauer Richtplan zu verzichten.

Wer nun ein zufriedenes Aufschnaufen bei der IG Gisliflue, die sich mit ganzer Kraft gegen ein neues Abbaugebiet an ihrem Hausberg eingesetzt hatte, erwartet hatte, sieht sich getäuscht: An der Generalversammlung des Vereins am Freitagabend in der Turnhalle Auenstein liess der Vorstand keine Zweifel aufkommen: Auch die Abbaupläne in den bestehenden Steinbrüchen Jakobsberg und Oberegg gehen der IG zu weit. Und, man traut dem Friedensangebot der Cementfabrik nicht.

Unüberwindbare Blockaden

Für die JCF war der Rückzug von der Gisliflue in Auenstein und dem Gebiet Grund in Schinznach-Dorf der einzige Weg, um überhaupt noch vorwärtszukommen. Der Widerstand hatte zu einer unüberwindbaren Blockade geführt. «Ob sich aber an den langfristigen Zielen der Zement Fabriken etwas geändert hat, wissen wir nicht», gaben IG-Präsident Heinz Alber und Vizepräsident Hans Peter Brugger zu bedenken. «Die Äusserungen, welche die JCF an der Medienorientierung und im Nachgang dazu gemacht haben, sind nicht wirklich konsistent.» Es sei nicht klar, wie die JCF die mit dem Gemeinderat ausgehandelte Lösung interpretieren.

6 Millionen Kubik sind zu viel

Um den mehrfach genannten Zeithorizont von 30 Abbau-Jahren zu erreichen, brauche es den ganzen beantragten Perimeter im Bereich der beiden bestehenden Steinbrüche Jakobsberg und Oberegg, gaben Alber und Brugger zu bedenken. Knapp 3 Millionen Kubikmeter sind bewilligt, weitere 6 Millionen wären nötig, um die Zementöfen ausreichend über die nächsten 25 bis 30 Jahren zu versorgen. Für die IG Gisliflue ist das keine akzeptable Option, auch der Gemeinderat Auenstein erachte die Erweiterung als zu gross und nicht mehrheitsfähig. «Die Steinbrüche würden zu nahe an das Dorf Auenstein und die beiden Dorfteile Au in Auenstein und Veltheim gerückt», argumentierte IG-Vizepräsident Brugger.

Die JCF haben der Abwehrfront mit ihrem Rückzug den Wind aus den Segeln genommen. Das weiss auch der Vorstand der IG Gisliflue. Doch man bleibt vorsichtig. «Wenn am Standort Wildegg in einigen Jahren noch wirtschaftlich produziert werden soll, wird die JCF in bekannter Manier wieder massiven Druck aufbauen», ist Hans Peter Brugger überzeugt. Wieder werde man mit der Bedeutung der Cementproduktion, mit den getätigten Investitionen, mit ökologischen Aspekten und mit Arbeitsplätzen argumentieren und der Bevölkerung Bringschuld suggerieren.

IG kann auf den Putz hauen

Es bleibt eine Differenz zwischen Gemeinderat und IG, auf die Gemeinderat Ernst Joho aufmerksam machte. Joho war vor seiner Wahl in die Gemeindebehörde selber im IG-Vorstand aktiv. «Der Verein kann mit seinen Forderungen auf den Putz hauen», sagte er. Der Gemeinderat müsse die gegensätzlichen Standpunkte und Bedürfnisse jedoch gleichermassen berücksichtigen. Der Gemeinderat sei sich aber bewusst, dass in Verhandlungen eine Lösung gesucht werden müsse, die in der Gemeinde eine Mehrheit findet. «Ohne Gemeinde geht nichts.»

Wie stark der Rückhalt der IG Gisliflue in der Bevölkerung ist, zeigt sich an der Zahl ihrer Mitglieder: Bei der Gründung waren es knapp hundert, jetzt sind es 420.