Kölliken/Aarau
Die IBAarau offeriert 12 Millionen Franken für die EWK Energie AG

Das Unternehmen möchte wachsen. Doch stimmt das Volk dem Verkauf zu?

Urs Helbling
Drucken
Teilen
Sagt das Gemeinden Volk Ja, sind sich Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau AG, und Gemeinderat Christoph Müller, Ressortleiter Volkswirtschaft und Finanzen, handelseinig: Das EW wechselt für 12 Millionen Franken seine Besitzerin. zvg

Sagt das Gemeinden Volk Ja, sind sich Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau AG, und Gemeinderat Christoph Müller, Ressortleiter Volkswirtschaft und Finanzen, handelseinig: Das EW wechselt für 12 Millionen Franken seine Besitzerin. zvg

«Das Angebot der IBA hat sämtliche Erwartungen des Gemeinderates übertroffen.» Und: «Wir bekommen einen äusserst attraktiven Nettoverkaufspreis von 12 Millionen Franken.» Und: «Es waren harte Vertragsverhandlungen. Wir haben dabei gute Konditionen herausgeholt.» Der zuständige Gemeinderat Christoph Müller (FDP) kam an der Orientierungsversammlung mehrfach ins Schwärmen. Die Kölliker sollen an der Gemeindeversammlung vom 24. November dem Verkauf ihrer EWK Energie AG an die IBAarau (künftig Eniwa) zustimmen. Am Dienstagabend war die Stimmung grundsätzlich positiv – auch wenn es einige skeptische Voten gab. Etwa: «Mich irritiert die betriebswirtschaftliche Rechnung der IBA, die für eine Dividende von nur 100'000 Franken 12 Millionen investieren will. Werden da nicht die Strompreise rasch steigen?»

22 Gemeinden

...versorgt die IBAarau mit Strom. Davon sind drei Gemeinden sogenannte Wiederverkäufer: Kölliken, Muhen und Oberentfelden. Wenn es gelänge, diese drei kommunalen Elektrizitätswerke zu übernehmen, würden der IBAarau im Suhrental nur noch die beiden Gemeinden Suhr und Schöftland fehlen. Ihnen kann sie zurzeit nicht einmal Strom liefern. Sie sind Partner des AEW.

«Strategische Investition»

Wie IBA-Chef Hans-Kaspar Scherrer betonte, möchte das Unternehmen wachsen: «Das Stromnetz in Kölliken wollen wir unbedingt bei uns haben. Wir wollen nicht, dass es an ein anderes Elektrizitätswerk geht.» Und: «Das ist für uns eine strategische Investition.» Von den vier Offerten ist das Angebot der IBA mehr als doppelt so hoch wie das tiefste. Scherrer gestand ein, dass die 12 Millionen Franken innerhalb der Vertragsdauer von 25 Jahren nicht direkt amortisierbar sind. Die IBAarau spekuliert darauf, dass es eine Verlängerung geben wird, und sie dank des EWK-Besitzes in Kölliken zusätzliche Geschäfte im Dienstleistungsbereich realisieren kann. Und schliesslich hofft sie auf ein Wachstum beim Stromabsatz – auch wenn in naher Zukunft der Grosskunde Sondermülldeponie (SMDK) wegfallen wird.

Seit 2009 eine AG

Wie wichtig der IBA der Kauf von Kölliken ist, zeigte die Anwesenheit ihres Verwaltungsrates Markus Goldenberger (FDP, Hirschthal) an der Orientierungsversammlung. Die IBA gehört zu 95 Prozent der Stadt Aarau.

Wie wichtig dem Gemeinderat das Geschäft ist, zeigt der farbige Prospekt der im Vorfeld der Gemeindeversammlung gedruckt worden ist. Und die Aussage von Christoph Müller: «Es ist schön, wenn 12 Millionen Franken in die Gemeindekasse kommen.» Geld, das in Sonderprojekte investiert werden soll.

Die Gemeinde muss ihr Elektrizitätswerk nicht verkaufen. «Es ist gesund», betonte Müller. 2009 hat der Souverän beschlossen, den damaligen Eigenwirtschaftsbetrieb EWK in die Aktiengesellschaft EWK Energie AG umzuwandeln. Sie gehört zu 100 Prozent der Gemeinde. Dieses Jahr konnte das Unternehmen erstmals eine Dividende von 100'000 Franken ausschütten. Zudem erhält die Gemeinde Konzessionsabgaben in der Grössenordnung von 200'000 Franken – und Steuern von jährlich 7000 bis 8000 Franken. Nach dem Verkauf werden die Dividenden weggefallen. Aber: «Es ist relativ einfach, mit 12 Millionen Franken eine höhere Rendite zu erzielen», sagte Müller.

Günstigerer Strom in Kölliken

Die EWK Energie AG hat kein eigenes Personal. Der Betrieb des Elektrizitätswerkes ist bereits jetzt Sache der IBA, die im Übrigen seit über 100 Jahren Kölliken mit Gas versorgt. Die EWK Energie AG wird künftig eine Tochtergesellschaft der IBAarau sein. Der Kölliker Strom wird weiterhin markant günstiger sein als der Aarauer. «Wir haben erreicht, dass die Preispolitik, die Tarife, gleich bleiben», so Müller. Nach 25 Jahren kann die Gemeinde ihr EW zurückkaufen. Bereits vorher wäre ein Ausstieg möglich, falls die Stadt Aarau ihre Mehrheit an der IBA verkaufen würde.

Stimmen die Kölliker am 24. November zu, wird der Geldsegen rasch fliessen. Die ersten 400'000 Franken wurden schon bei Vertragsunterzeichnung überwiesen.