Aarau
Die historischen Meyerschen Stollen beschränken den Spielraum für Parkplätze

Beim künftigen Bahnhof Süd soll es im Maximum 250 Veloabstellplätze geben. Die Anzahl Auto-Parkplätze dagegen lässt sich erst im Baubewilligungsverfahren bestimmen.

Ueli Wild
Merken
Drucken
Teilen
Der alte WSB-Bahnhof (rosa Anstrich) muss weichen: Zwischen den SBB- und den WSB-Gleisen ist ein Pendant zum neuen SBB-Bahnhof (hinten links) geplant.PAscal meier

Der alte WSB-Bahnhof (rosa Anstrich) muss weichen: Zwischen den SBB- und den WSB-Gleisen ist ein Pendant zum neuen SBB-Bahnhof (hinten links) geplant.PAscal meier

Pascal Meier

Nächstes Jahr geht es dem alten WSB-Bahnhof wohl an den Kragen. Der Bereich zwischen den WSB-Gleisen und der Hinteren Bahnhofstrasse soll neu gestaltet werden. AAR bus+bahn will ein drittes 120 Meter langes Gleis realisieren und zwei bis zu 30 Meter hohe Neubauten aufstellen. Im Bereich der Personenunterführung sind Läden vorgesehen. Die Untergeschoss-Baulinien sind gemäss den Sondernutzungsvorschriften so festzulegen, dass eine spätere Führung der Hinteren Bahnhofstrasse unter den WSB-Gleisen möglich ist.

Das Projekt erfordert eine Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sowie einen Gestaltungsplan mit Sondernutzungsvorschriften. Letztes Jahr fand das öffentliche Mitwirkungsverfahren statt. Die neun Eingaben wurden inzwischen geprüft und die kantonale Vorprüfung ist abgeschlossen. Die Teilrevision der Nutzungsplanung und der Gestaltungsplan Bahnhof Süd liegen bis zum 19. September im städtischen Rathaus auf.

Reduktion der Autoparkplätze

Berücksichtigt wird nun unter anderem ein Antrag aus der Mitwirkung der SP Aarau, wonach die maximale Anzahl Autoparkplätze «massiv – mindestens um die Hälfte» zu reduzieren ist. Der Entwurf der Sondernutzungsvorschriften lässt «je nach Nutzung» maximal 125 Parkfelder im ersten und zweiten Untergeschoss zu. Ein drittes Untergeschoss fällt wegen der Meyerschen Stollen ausser Betracht. Da die genaue Anzahl Parkplätze von der Nutzung abhängig ist, kann sie erst im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens bestimmt werden.

Die Eingabe rennt offene Türen ein: Auch die in Ausarbeitung befindliche neue BNO der Stadt Aarau verpflichtet zu Reduktionen der Pflichtparkfelder. Diese Reduktionen würden in die Bestimmungen über die Spezialzone Bahnhof Süd integriert, heisst es im vom Stadtrat verabschiedeten Mitwirkungsbericht zum Bahnhof Süd.

Auch die Abteilung Raumentwicklung im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt meldete im abschliessenden Vorprüfungsbericht einen Vorbehalt zum Thema Parkplätze an: Die Vorlage sei «bezüglich der Reduktionsfaktoren für das Areal und der Bestimmung, dass das maximale Parkfelderangebot nicht überschritten werden darf, zu ergänzen». Dies im Sinne des Entwurfs der BNO-Totalrevision.

Für den Bahnbetrieb der WSB sind 20 Parkfelder erforderlich. 15 Parkplätze sind der Gemalto AG, der Eigentümerin der ehemaligen Trüb AG, zur Verfügung zu stellen – als Ersatz für die Parkplätze, die mit dem Gestaltungsplan neben dem Firmengebäude verloren gehen. In den beiden Untergeschossen lassen sich insgesamt 70 Parkplätze realisieren. Zieht man die 35 WSB- und Gemalto-Parkplätze ab, bleiben 35 Parkplätze für andere Nutzungen übrig. Gemäss dem vom Stadtrat verabschiedeten Planungsbericht ist das, gemessen an den gesetzlichen Erfordernissen, viel zu wenig. Es sei deshalb eine Ausdehnung der Parkgeschossfläche unter die Gleise erforderlich, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.

200 bis 250 Veloabstellplätze

Östlich und westlich der neuen Gebäude sind 200 Veloabstellplätze möglich, bei doppelstöckiger Anordnung 250. Eine grössere Anzahl öffentlicher Abstellplätze lässt sich gemäss Planungsbericht wegen der beschränkten Platzverhältnisse oberirdisch nicht verwirklichen. Das Begehren von SP und Pro Velo Region Aarau, mindestens 300 Zweiradabstellplätze mit der Option auf eine spätere Verdoppelung zu erstellen, wurde daher nicht berücksichtigt. Das Bedürfnis, heisst es im Mitwirkungsbericht, sei nicht ausgewiesen, gebe es doch 1000 besser gelegene Abstellplätze auf der Südseite des Bahnhofs.

Schutzklausel für Meyersche Stollen

Die Meyerschen Stollen sind nach Möglichkeit zu erhalten. Der Wasserfluss ist in jedem Fall zu erhalten. Unter dem Titel «Schutz und Erhalt Meyersche Stollen» gingen 6 Eingaben ein (Aarau Standortmarketing/Aarau info, Aarauer Bachverein, IG Meyersche Stollen, Aargauische Naturforschende Gesellschaft, Aargauer Heimatschutz, Forum Schlossplatz/Naturama).

«Die Meyerschen Stollen sind endlich unter Schutz zu stellen», forderte etwa die Aargauische Naturforschende Gesellschaft. Der Stadtrat hat den Antrag teilweise berücksichtigt. Er verweist auf die in den Sondernutzungsvorschriften enthaltene Schutzklausel und hält fest, die heute bekannten Teile der Meyerschen Stollen würden durch die im Gestaltungsplan Bahnhof Süd vorgesehenen Tiefbauten nicht beeinträchtigt. Und: Der Antrag, den Meyerschen Stollen auf der Nordseite der Gleise unter Schutz zu stellen, sei seit längerer Zeit beim Kanton hängig. Er sei aber nicht Gegenstand der Planungsinstrumente Bahnhof Süd.