Entfelden

Die Herzen der beiden Entfelden schlagen nicht gleich

Im «Gleichschwumm» – so könnte das Wappen nach einer Fusion der beiden Entfelden, wie sie Oberentfelden vorzöge, aussehen.

Im «Gleichschwumm» – so könnte das Wappen nach einer Fusion der beiden Entfelden, wie sie Oberentfelden vorzöge, aussehen.

Die Befragung zum Zukunftsraum Aarau brachte unterschiedliche Vorlieben an den Tag: Oberentfelden zieht, wenn schon, eine Fusion nur mit Unterentfelden vor. Dort aber liebäugelt man mit einer «ménage à trois», bei der auch die Stadt Aarau dabei ist.

Nun liegen die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung zum Zukunftsraum Aarau in beiden Entfelden vor. Sie fielen von Gemeinde zu Gemeinde recht unterschiedlich aus – schon punkto Rücklauf der Fragebogen: In Oberentfelden beteiligten sich ungefähr 1400 Personen an der Befragung. Das sind rund 30 Prozent der Stimmberechtigten. In Unterentfelden nahmen fast 1300 Personen Stellung – stolze 51 Prozent der Stimmberechtigten. Die beiden Gemeinden hatten der Bevölkerung exakt die gleichen Fragen gestellt: Wie wichtig ist ein Fusionsprojekt mit möglichst vielen Gemeinden? Wie wäre ein Zusammengehen mit dem andern Entfelden – mit oder ohne Aarau? Wie wichtig ist der Ausbau der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit nach Bedarf?

Wenn schon fusionieren, dann am liebsten nur mit Unterentfelden. Das ist die Meinung in Oberentfelden. 67,6 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Personen bezeichneten einen Zusammenschluss der beiden Entfelden als wichtig (31,3 Prozent) oder sehr wichtig (36,3 Prozent). Immer noch eine Mehrheit der Umfrageteilnehmer, nämlich 51,4 Prozent, hält ein Fusionsprojekt zu dritt mit Aarau für wichtig bis sehr wichtig. Hingegen vertreten diese Meinung nur 30,4 Prozent in Bezug auf ein Fusionsprojekt mit möglichst vielen Gemeinden des «Zukunftsraums Aarau».

Mit Abstand am wichtigsten wurde allerdings der Ausbau der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit nach Bedarf beurteilt: Nur gerade 17,1 Prozent der Befragten fanden, diese sei nicht, beziehungsweise überhaupt nicht wichtig. Dasselbe Bild, noch etwas deutlicher, zeigt sich in Unterentfelden: Hier sind es bloss 14,2 Prozent, die der interkommunalen Zusammenarbeit von Fall zu Fall keine oder zumindest keine grosse Bedeutung beimessen.

Unterentfelden: lieber zu dritt

In Unterentfelden schlagen die Herzen aber nicht in erster Linie für eine Heirat mit Oberentfelden. Lieber würde man sich hier gleichzeitig mit Oberentfelden und Aarau ins Bett legen. Für eine solche «ménage à trois» sprachen sich in der Befragung 64,8 Prozent aus. Allein 38,2 Prozent kreuzten bei dieser Variante die Antwort «sehr wichtig» an. Aber eine knappe Mehrheit von 50,5 Prozent bewertete auch eine Fusion nur mit Oberentfelden als wichtig bis sehr wichtig. Eine Fusion mit möglichst vielen Gemeinden findet derzeit auch in Unterentfelden nur wenig Zustimmung. Nur 29,8 Prozent bezeichneten ein solches Szenario als wichtig oder gar sehr wichtig.

Bestätigung für Gemeinderat

Schon letzten Herbst hatte der Gemeinderat von Unterentfelden verlauten lassen, dass er sich eine Fusion mit Aarau und Oberentfelden vorstellen könne. Eine Fusion allein mit Oberentfelden hingegen, so der Gemeinderat, würde aus seiner Sicht nicht dem Regionalgedanken entsprechen. Im grossen Ganzen, sagt Gemeindeammann Heinz Lüscher, habe die Bevölkerung bei der Befragung nun die Haltung des Gemeinderats bestätigt. Erwartet habe er das in diesem Ausmass aber nicht.

Dass sich über die Hälfte der Unterentfelder Stimmberechtigten zum Projekt vernehmen liess, wertet der Gemeinderat als Riesenerfolg. Schon bei der Zukunftsraum-Infoveranstaltung im Januar fiel der Aufmarsch rund doppelt so gross aus wie in Oberentfelden. In der von Anfang an offenen Kommunikation und dem Einbezug der Bevölkerung erkennt Heinz Lüscher einen der Gründe für das grosse Interesse im Dorf. Dass das Thema immer ein bisschen warm gehalten wurde, habe sich wohl positiv ausgewirkt. Das Ergebnis sei daher auch eine Verpflichtung, offen und im Kontakt zu bleiben mit der Bevölkerung.

Grünes Licht für nächste Phase

Im Grundsatz, erklärt Lüscher, habe der Gemeinderat bereits beschlossen, auch in der Ausführungsphase beim Projekt Zukunftsraum dabei zu bleiben. Definieren müsse er auf die nächste Projektsteuerungsrunde vom 6. April hin noch die Richtung, in die das Ganze aus Sicht der Gemeinde weitergehen solle: Welche Zusammenarbeitsvarianten sollen weiterverfolgt werden? Gleich ist die Situation in Oberentfelden. Auch hier will der Gemeinderat nun seine Haltung zum weiteren Vorgehen festlegen und beim nächsten Treffen der Projektsteuerung einbringen.

Ursprünglich war erwogen worden, dass Aarau und die beiden Entfelden die Befragungsergebnisse gemeinsam kommunizieren könnten. Heinz Lüscher erklärt, weshalb es nicht dazu kam: Dass die möglichen Fusionspartner und die Stadt Aarau auf Augenhöhe miteinander diskutierten, sei ein Anliegen von Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech. Dieser Aspekt sei letzten Endes ein gewichtiges Argument gegen eine gemeinsame Mitteilung – quasi unter Federführung der Stadt – gewesen. Der Unterentfelder Gemeinderat habe in der Folge entschieden: Wenn nicht zu dritt, dann auch nicht zu zweit. Sprich: kein gemeinsames Communiqué der beiden Entfelden. Aus Oberentfelden ist leises Bedauern darüber zu vernehmen. Unterentfeldens Ammann betont jedoch: «Für die Zukunft des Projekts sind daraus keine Schlüsse zu ziehen.»

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