Aarau
Die «Hebamme» des Kulturkantons jubiliert

1811 wurde die Kulturgesellschaft Aarau und die Aargauische Gemeinnützige Gesellschaft gegründet. Sie feierten am Wochenende Geburtstag – eine 200-jährige Erfolgsgeschichte.

Hermann Rauber
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Festredner und Jubilare unter sich (von links): Martin Fiedler, Annemarie Huber-Hotz, Lilian Renner und Hans-Ulrich Glarner. André Albrecht

Festredner und Jubilare unter sich (von links): Martin Fiedler, Annemarie Huber-Hotz, Lilian Renner und Hans-Ulrich Glarner. André Albrecht

«Die Kulturgesellschaft hat ihre Aufgabe als Hebamme des Kulturkantons Aargau hervorragend wahrgenommen», fasste Hans-Ulrich Glarner eine 200-jährige Erfolgsgeschichte zusammen, deren Spuren noch immer sichtbar sind.

Der Leiter der Abteilung Kultur im Departement BKS zitierte den Reiseschriftsteller Hermann Alexander Berlepsch, der den Begriff «Kultur-Kanton» bereits 1866 gebrauchte, ein Gütezeichen, das jenen Männern zu verdanken ist, die 1811 die Gesellschaft für vaterländische Kultur gründeten.

Auf diesen Wurzeln fussen sowohl die Kulturgesellschaft des Bezirks Aarau als auch die Aargauische Gemeinnützige Gesellschaft, die im Rahmen einer würdigen Feier im Grossratssaal gemeinsam ihren 200. Geburtstag zelebrierten.

Die historischen «Kulturmänner», so Hans-Ulrich Glarner in seiner Festansprache, seien «Vordenker und Impulsgeber» gewesen, sie stellten die Mittel zur Verfügung, liessen aber bei der Umsetzung von Ideen oft anderen den Vorrang.

Dieser Geist sei in das pionierhafte aargauische Kulturgesetz von 1968 eingeflossen. Allerdings müsse dieser «Acker» immer wieder von neuem bestellt werden.

Symbolisch für das einstige Siegel der Gesellschaft mit fünf Ähren bezeichnete Glarner die künftigen Tätigkeitsfelder, gehe es doch darum, die Kulturvermittlung im Aargau zu fördern, die Aufarbeitung der Zeitgeschichte des Kantons ab 1945 zu unterstützen, das immaterielle Kulturerbe zu pflegen, die Auseinandersetzung mit dem Bauernstand auf geistig-künstlerischer Ebene anzuregen und die eigenen Wurzeln zu pflegen.

Den Bogen von der Gründung 1811 zur heutigen Zeit schlug Annemarie Huber-Hotz, einstige Bundeskanzlerin und ehemalige Präsidentin der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft. Die Finanzkrise von 2008 habe die hässliche Fratze von Gier und Eigennutz deutlich vor Augen geführt. Die «Gegenstrategie» enthalte das «gemeinnützige und freiwillige Engagement» in der Gesellschaft.

Vernissage war anschliessend

Die Währung, mit der Freiwilligenarbeit bezahlt werde, bestehe aus dem Ausloten der eigenen Persönlichkeit, aus dem Kompetenz- und Erkenntnisgewinn, aus dem lebendigen Austausch mit anderen und der Teilhabe an etwas Sinnstiftendem.

Mit den Worten «Das sind echte Werte, das sind die Boni, die wir brauchen», stiess Huber-Hotz bei den beiden jubilierenden Gesellschaften auf offene Ohren, und zwar nicht nur im laufenden europäischen Jahr der Freiwilligkeit.

Moderiert wurde der Festakt durch die beiden Präsidien (Lilian Renner und Martin Fiedler), für Grussadressen sorgten Regierungsrat Alex Hürzeler, der den «Dank aller Aargauerinnen und Aargauer» überbrachte, und Stadtammann Marcel Guignard, der die Kulturgesellschaft als «sozialen Seismografen» bezeichnete.

Musikalisch umrahmt wurde der Anlass von Nathalie Zweifel und Band. Anschliessend fanden die Vernissage des Jubiläumsbuches aus der Feder von Heiner Halder und die Premiere des Stationentheaters «WohlTäter» in der Aarauer Altstadt statt, die Jubiläumsgaben der «Geburtstagskinder» an die Öffentlichkeit.

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