Oberentfelden
Die hartnäckigen Künstler sind jetzt am Ziel

Jetzt ist die Alte Bürsti definitiv Eigentum der engagierten Genossenschaft. Zwei Jahre lang hat sie für die Erhaltung ihrer günstigen Arbeitsräume in den Räumen der ehemaligen Fabrik gekämpft.

Sabine kuster
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Gestrige Schlüsselübergabe in der Alten Bürsti Oberentfelden: Der Präsident des Vorstandes der Genossenschaft, Hannes Egli (links), und Gemeindeammann Ruedi Berger im Club Böröm Pöm Pöm. Emanuel Freudiger

Gestrige Schlüsselübergabe in der Alten Bürsti Oberentfelden: Der Präsident des Vorstandes der Genossenschaft, Hannes Egli (links), und Gemeindeammann Ruedi Berger im Club Böröm Pöm Pöm. Emanuel Freudiger

«Liebe Fabrikbesitzerinnen, liebe Fabrikbesitzer», so begrüsste Gemeindeammann Ruedi Berger gestern die Genossenschafter der Alten Bürsti. Reich sind die frischgebackenen «Fabrikbesitzer» zwar nicht im eigentlichen Sinne – aber doch reich an Erfahrung.

Im Herbst 2009 hatte der Gemeinderat eine Immobilienfirma beauftragt, Investoren für eine neue Arealüberbauung zu suchen. Im Sommer 2010 verabschiedetet die Gemeindeversammlung den Gestaltungsplan. Unter jenen, die sich zuerst wehrten, waren vor allem die vom lokalen Gewerbe unabhängigen Künstler. Erst im September 2010 hatten sie schliesslich Erfolg: Die Stimmberechtigten lehnten den Kredit für den Gestaltungsplan im Referendum doch noch ab.

In der Folge war der Gemeinderat zu Verhandlungen mit den Mietern bereit. Diese übernahmen nun ihre Fabrik per 1. Januar im Baurecht für 30 Jahre, das Land gehört weiter der Gemeinde.

Zwei Millionen Investitionen

Vieles ist inzwischen erreicht: Als Investor konnte die Alternative Bank Schweiz (ABS) in Olten gefunden werden. Die André Roth AG übernimmt die professionelle Bewirtschaftung der Liegenschaft.

Im letzten Jahr sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde immer besser geworden, sagt der Präsident der Genossenschaft Alte Bürsti, Hannes Egli. Man habe nach und nach alle Anforderungen der Gemeinde erfüllen können. So zeigt der detaillierte Investitionsplan heute, dass Investitionen in der Höhe von 2 Millionen nötig sein werden – zuvor war noch von 4 bis 5 Millionen die Rede gewesen. Das Geld wird hauptsächlich für die marode Infrastruktur verwendet werden müssen.

Genossenschaftspräsident Egli strahlte gestern, als er sagte: «Es ist ein grosser Erfolg und ich bin allen dankbar, die uns unterstützt haben.» Ein solches Projekt könnten nur viele gemeinsam realisieren.

Auch in Zukunft werden die Genossenschafter gut zusammenarbeiten müssen und sich über neue Ideen einig werden, damit die Alte Bürsti 30 Jahre lang erfolgreich sein kann, dies betonte Immobilienberater André Roth. Die im Oktober 2011 gegründete Genossenschaft hat inzwischen über 40 Mitglieder – die meisten der jetzigen Mieter sind dabei. Einige konnten sich jedoch die Bedingungen nicht leisten: Wer Genossenschafter werden will, muss die Hälfte einer Jahresmiete als Einlage deponieren. Ausserdem sind die extrem tiefen Mietzinse um 20 Prozent gestiegen und liegen nun im günstigen marktüblichen Rahmen.

Das nehmen nicht nur die Handwerker unter den Mietern in Kauf, sondern auch viele der Künstler: Denn es mangle im ganzen Kanton an passenden Ateliers, sagt Egli. Mit ihrer Initiative haben sie 80 Raumeinheiten für 50 bis 60 Mieter zumindest mittelfristig erhalten können.

Vielfältiger Gewerbemix

Das Spektrum der Mieter ist breit. Momentan arbeiten dort unter anderem Handwerker wie zwei Schlosser, ein Steinmetz, ein Schreiner und ein Plattenleger sowie Grafiker, Kunstmaler und eine Keramikerin. Aber auch der Jugendtreff, der Kulturverein BörömPömPöm, ein Secondhand-Kleiderladen und der anatolische Kulturverein haben in der Alten Bürsti eine Heimat gefunden.