Aarau
Die «Güselwehr» fordert mehr Rückendeckung von der Stadt

Andres Brändli und seine Leute machen weiter und befreien die Stadt Aarau in den Morgenstunden vom Abfall der Nachtschwärmer. Er fordert von der Stadt mehr Unterstützung, die Polizei soll Littering-Bussen verteilen.

Hubert Keller
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Ausgänger lassen in Aarau Bierflaschen und Pizzapackungen liegen.

Ausgänger lassen in Aarau Bierflaschen und Pizzapackungen liegen.

Keystone

Andres Brändli gibt so schnell nicht auf. Er macht weiter. Die vor einem Jahr aus einer spontanen Aktion heraus ins Leben gerufene «Güselwehr» macht im neuen Jahr weiter. Auch über die vergangenen Festtage war das verständlicherweise etwas reduzierte Team im Einsatz und las die Hinterlassenschaft der Nachtschwärmer zusammen.

«In Aarau wirft man den Abfall nicht auf den Boden, man hebt ihn auf», nahm sich Brändli vor, als er sich am Neujahrstag 2013 erstmals mit Kralle und Güselsack ausrüstete, um dem Unrat in der Altstadt zu wehren.

Er fand Nachahmer: 16 Personen folgten damals dem Aufruf und meldeten sich zum «Dienst». Die Güselwehr formierte sich. Jeweils vier bis sechs Personen sind seither Samstag für Samstag unterwegs. In der «Güselwehr» macht ein gutes Dutzend Leute mit.

Engagement ungebrochen

Andres Brändli wollte die Bürgerinitiative mindestens ein Jahr lang am Leben erhalten. Dass ihm das gelingen würde, wollten so recht auch seine Mitstreiter nicht glauben. Doch Brändli liess sich nicht lumpen.

Sein Engagement ist ungebrochen. «Ich bin sowieso ein Frühaufsteher. Wenn ich dann am Samstag meine Güseltour hinter mir habe, habe ich auch etwas für meine Fitness getan.» Doch nicht nur das, es sei auch sehr befriedigend, mit dem Gefühl ins Wochenende zu starten, etwas zum Wohl der Bevölkerung beigetragen zu haben.

«Ja, die Güselwehr macht weiter», sagt Brändli, knüpft daran aber eine Bedingung: «Wir erwarten von den Behörden mehr Unterstützung in unseren Bemühungen für eine saubere Stadt.»

Konkret heisst das: Zwischen ein und drei Uhr früh muss die Polizei mehr Präsenz markieren und dem Littering-Gesetz Nachdruck verschaffen, also auch Bussen aussprechen. Brändli fügt an: «Es geht ja nicht nur um den Güsel, sondern auch um den Lärm.»

Entgegen anderweitigen Erklärungen aus dem Stadtrat sind Brändli und sein Mitinitiator Marcel Suter (Präsident Zentrum) überzeugt: «Das Littering-Gesetz wird nicht konsequent genug angewendet.»

In der Arena-Sendung des Schweizer Fernsehens im Mai letzten Jahres hatte Stadtrat Lukas Pfisterer gesagt, die Stadt Aarau sei sauber, weil das Litteringgesetz greife. 2012 habe die Stadtpolizei 160 Bussen verteilt und bis zur besagten Sendung im Mai 2013 wären es 100 Sanktionen mit Kostenfolge gewesen. Suter und Brändli überzeugt dies nicht.

Am 14. Januar wollen sich Andres Brändli und Marcel Suter mit Vertretern des Werkhofs, der Stadtpolizei, der Gastronomie und des Detailhandels treffen, um die Anliegen der «Güselwehr» zu besprechen.

Laut Suter kann es dabei darum gehen, so etwas wie eine Public Private Partnership auf die Beine zu stellen, eine Vereinbarung zwischen der Stadt und privatrechtlichen Organisationen, zu denen nicht nur die «Güselwehr» gehören würde.

Suter betont in diesem Zusammenhang: «Littering ist nicht ein Problem, das nur das Partyvolk betrifft, es ein gesamtgesellschaftliches Übel.»

Hotspots sind dieselben

Seit der Schliessung der Clubs in der Liegenschaft «Kettenbrücke», wo die Arbeiten für ein neues Hotel mit Restaurant begonnen haben, ist das Littering-Problem in der unteren Stadt merklich geringer geworden, konstatiert Brändli.

Im Übrigen sind aber die Hot-Spots dieselben geblieben: das Starbucks im Kasinopark, das Pub Penny Farthing an der Bahnhofstrasse, der Veloparkplatz im Behmen, der Färberplatz und die Zinne bei der Stadtkirche.

«Bevor die Beizen und Bars schliessen, decken sich deren Gäste mit Getränken ein, lassen die Gläser mitlaufen und setzen die Party an einem der bekannten Standorte fort», beobachtet Andres Brändli.