Aarau

Die Grünen distanzieren sich vom Vorzeige-Stadiongegner – obwohl er ihr erster Ersatzmann für den Einwohnerrat ist

«Absolut private Aktion»: Die Grünen über Albert Rüetschi (im Bild).

«Absolut private Aktion»: Die Grünen über Albert Rüetschi (im Bild).

Die grüne Fraktion im Aarauer Stadtparlament sorgt für einen einmaligen politischen Fall. Sie distanzieren sich deutlich von ihrem Parteimitglied Albert Rüetschi, der den Stadion-Neubau mit allen Mitteln verhindern will.

In Aarau begann die Einwohnerratssitzung am Dienstag mit einer Fraktionserklärung. Alleine schon das ist bemerkenswert. Und was in dieser Erklärung von Fraktionschefin Petra Ohnsorg gesagt wurde, ist absolut aussergewöhnlich. Denn die Grünen distanzierten sich von einem ihrer Mitglieder.

Vom Mann, der seit dem Sonntag, 24. November, für die meisten Stadion-Befürworter und auch für viele -Gegner ein absolut rotes Tuch ist. Albert Rüetschi (52) sagte unmittelbar nach dem doppelten Ja (jeweils 60 Prozent) in seiner Funktion als Präsident des Quartiervereins Torfeld Süd: «Wir gehen davon aus, dass wir das Projekt mit Sicherheit juristisch bodigen werden – und möglicherweise hört die Gegenseite ja schon vorher auf.» Rüetschi machte sich mit diesem Satz zum Vorzeige-Einsprecher.

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Und er hat damit offensichtlich auch bei den Grünen den Bogen überspannt. Bei der Partei, die in der Stadion-Frage tief gespalten ist. Sie hatte denn auch im Vorfeld der Abstimmung mit sehr deutlicher Mehrheit die Stimmfreigabe herausgegeben. Rüetschis Demokratieverständnis stösst bei seinen Parteikollegen auf Unverständnis.

Petra Ohnsorg erklärte – ohne den Namen Rüetschi zu nennen – an die Adresse der Aarauer Einwohnerräte: «Unsere Fraktion und der Vorstand der Grünen Aarau möchten euch hier und heute mitteilen, dass es sich dabei um eine absolut private Aktion dieses Mitglieds in seiner Rolle als Anwohner handelt.» Und: «Wir als Fraktion und Partei tragen dieses Vorgehen auf dem Rechtsweg in keiner Art und Weise mit!»

Rüetschi ist erster Ersatzmann auf der Liste Grünen. Er würde in den Einwohnerrat nachrutschen, sollte einer der fünf Grünen vor Ablauf der Legislatur (Ende 2021) zurücktreten.

Er hat bereits im Sommer dieses Jahres den Zorn seiner Parteifreunde auf sich gezogen, als er – immer in der Funktion als Präsident des Quartiervereins – mit Hilfe eines renommierten Zürcher Anwaltsbüros verlangte, die Stadträte Hilfiker, Thür und Siegenthaler (Task-Force Stadion) hätten bei der Behandlung von Einwendungen gegen den Gestaltungsplan Torfeld Süd und im nachgelagerten Baubewilligungsverfahren in den Ausstand zu treten, weil sie sich zu stark für das Stadion exponiert hätten. Der Stadtrat lehnte dieses Begehren ab. Rüetschi wurde fortan für die Fraktionssitzungen der Grünen zur unerwünschten Person erklärt. Und am Dienstagabend hat die Partei noch einen nachgelegt.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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