Suhr
Die Geschichte vom Huggler Areal hört sich spannend an

Das Huggler-Areal verschwindet bald. Die Dorfschreiber haben die Vergangenheit aber noch mit Tonaufnahmen festgehalten. Die Besucher machten sich mit Kopfhörer und Smartphone auf die Schnitzeljagd.

Isabelle Schwab
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Ein Knabe hört den Geschichten gespannt zu.

Ein Knabe hört den Geschichten gespannt zu.

Isabelle Schwab

Kopfhörer und Smartphone ausgeliehen aus der Gemeindebibliothek: Mehr braucht man nicht, um mehr als 400 Jahre Geschichte zu erleben. Zumindest im Fall des Huggler-Areals in Suhr.

«Dieser Ort hat so viel Geschichte», erklärt Pascal Nater die Entscheidung des Theater Marie, sich als Dorfschreiber mit dem Huggler-Areal auseinanderzusetzen. «Und es befindet sich im Umbruch.» Bald sollen hier zehn Mehrfamilienhäuser stehen. «Uns gefiel die Vorstellung, dass die Aufnahmen in ein paar Jahren noch existieren würden, die dazugehörigen Gebäude aber vielleicht nicht mehr.»

Was diesen Hörer wohl zum Schmunzeln veranlasst
10 Bilder
vl - Linda Rothenbühler Michael Flückiger und Pascal Nater - die Hauptverantwortlichen für die Hörschnitzeljagd
Michael Flückiger erklärt wie die orientierung mithilfe der Musik funktioniert
Margaretha Zimmermann war Sprecherin und Hörerin zugleich - Hier vor der Trauerweide der schiefen Villa
Die Hörerin hört einer lustigen Episode zu
Geschichte und Unterhaltung - Einige Zuhörer konnten sich ein Lachen manchmal nicht verkneifen
Die Dorfschreiber im neuen Jahr - Urisina Mühlenthaler und Severin Obrist
Am Mühlebach konnte man vom ehemaligen Gemeinderat Jürg Hätig einiges über das Potenzial des Areals hören
Christian Schmid wohnte selbst einmal in der alten Mühle und schwelgt in Erinnerungen
Auch Gemeindeammann Beat Rüetschi konnte einiges über das Areal erzählen

Was diesen Hörer wohl zum Schmunzeln veranlasst

Isabelle Schwab

Das Theater hat mehr als 20 Stunden Tonaufnahmen über die Geschichte und Zukunft des Huggler-Areals gesammelt. In Form von Interviews mit Anwohnern, Gemeinderäten und Arbeitern. 40 Minuten haben sie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. «Wir haben versucht, an allen Ecken und Enden des Areals Geschichten zu sammeln», sagt Nater. Daher sind die Aufnahmen auch geografisch verankert. Sie hängen sozusagen an ihrem Entstehungsort in der Luft. Gefunden werden können die Geschichten nur mithilfe der programmierten Smartphones. Aber auch diese geben dem Benutzer keine Wegbeschreibung: Man muss sich auf sein Gehör verlassen.

«Natürlich sieht man die Jungen manchmal ‹Chrütli› rauchen», erzählt eine immer deutlicher werdende weibliche Stimme, während man mit Kopfhörern bestückt zwischen zwei Gebäuden durchgeht. «Aber bis jetzt wurde mir nur eine Chips-Tüte gestohlen. Und mein Fahrrad. Aber da war ich selber schuld.»

Nur ein paar Schritte weiter sitzen besagte Jugendliche am Mühlebach und hören Musik. Jemand lacht. War es die Stimme im Kopfhörer oder eines der jungen Mädchen am Bach? Eine Melodie überspielt die Stimme. Sie soll zum nächsten Punkt leiten. Ein Schritt nach rechts: Die Melodie wird leiser. Ein Schritt nach links: Sie wird lauter.

Dann erzählt Margeritha Zimmermann, wie sie mit ihrem Zirkus auf Tournee gewesen war. Die Tür zu ihrem Haus schwingt auf. Hinaus tritt ihr Ehemann. Ihr Haus würde nicht für die Überbauung abgerissen. «Das hier gehört uns.»

Die Beiträge der Hörschnitzeljagd geben Zuhörern einen Einblick in die Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des Huggler-Areals. Das Theater Marie hat durch sein Projekt als Dorfschreiber bewiesen: Geschichte lässt sich erleben.