Kopfhörer und Smartphone ausgeliehen aus der Gemeindebibliothek: Mehr braucht man nicht, um mehr als 400 Jahre Geschichte zu erleben. Zumindest im Fall des Huggler-Areals in Suhr.

«Dieser Ort hat so viel Geschichte», erklärt Pascal Nater die Entscheidung des Theater Marie, sich als Dorfschreiber mit dem Huggler-Areal auseinanderzusetzen. «Und es befindet sich im Umbruch.» Bald sollen hier zehn Mehrfamilienhäuser stehen. «Uns gefiel die Vorstellung, dass die Aufnahmen in ein paar Jahren noch existieren würden, die dazugehörigen Gebäude aber vielleicht nicht mehr.»

Das Theater hat mehr als 20 Stunden Tonaufnahmen über die Geschichte und Zukunft des Huggler-Areals gesammelt. In Form von Interviews mit Anwohnern, Gemeinderäten und Arbeitern. 40 Minuten haben sie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. «Wir haben versucht, an allen Ecken und Enden des Areals Geschichten zu sammeln», sagt Nater. Daher sind die Aufnahmen auch geografisch verankert. Sie hängen sozusagen an ihrem Entstehungsort in der Luft. Gefunden werden können die Geschichten nur mithilfe der programmierten Smartphones. Aber auch diese geben dem Benutzer keine Wegbeschreibung: Man muss sich auf sein Gehör verlassen.

«Natürlich sieht man die Jungen manchmal ‹Chrütli› rauchen», erzählt eine immer deutlicher werdende weibliche Stimme, während man mit Kopfhörern bestückt zwischen zwei Gebäuden durchgeht. «Aber bis jetzt wurde mir nur eine Chips-Tüte gestohlen. Und mein Fahrrad. Aber da war ich selber schuld.»

Nur ein paar Schritte weiter sitzen besagte Jugendliche am Mühlebach und hören Musik. Jemand lacht. War es die Stimme im Kopfhörer oder eines der jungen Mädchen am Bach? Eine Melodie überspielt die Stimme. Sie soll zum nächsten Punkt leiten. Ein Schritt nach rechts: Die Melodie wird leiser. Ein Schritt nach links: Sie wird lauter.

Dann erzählt Margeritha Zimmermann, wie sie mit ihrem Zirkus auf Tournee gewesen war. Die Tür zu ihrem Haus schwingt auf. Hinaus tritt ihr Ehemann. Ihr Haus würde nicht für die Überbauung abgerissen. «Das hier gehört uns.»

Die Beiträge der Hörschnitzeljagd geben Zuhörern einen Einblick in die Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des Huggler-Areals. Das Theater Marie hat durch sein Projekt als Dorfschreiber bewiesen: Geschichte lässt sich erleben.