Zeitlich genau lässt sich die Abfolge von Tavernen nicht einordnen. Als sich jedoch 1529 und 1531 die für die Kappelerkriege aufgebotenen eidgenössischen Truppen in der Berner Munizipalstadt aufhielten, standen ihnen für die Beherbergung neben den Gasthöfen zum Ochsen, zum Hecht und zum Wildenmann auch das «Schwert» zur Verfügung (heute Rathausgasse 8).

Um 1580 taucht in den Annalen zudem eine Tavernenwirtschaft «zum Schlüssel» auf, die nicht nur Brot und Wein, sondern ganze Mahlzeiten auftischen durfte. Während dem «Schlüssel» (heute Rathausgasse 6) nur eine relativ kurze Wirkungszeit blieb, konnte sich das «Schwert» bis weit ins 19. Jahrhundert halten. An frühere Zeiten erinnert heute nur noch eine schlichte Fassadenmalerei.

Ursprünge im 16. Jahrhundert

Die baulichen Ursprünge der Häuser an der Rathausgasse reichen in die erste Epoche des 16. Jahrhunderts zurück, als Aarau einen «Versteinerungsprozess» durchlief, Holz also durch Stein als Baustoff ersetzt wurde. Diese spätgotische Ausrichtung der Fassaden mit der Dachtraufe zur Gasse etablierte sich rasch, die Bauten fügten sich – lediglich getrennt durch eine Brandmauer und einen schmalen Eh-Graben – zu geschlossenen Fronten und näherten sich den heutigen Vorstellungen städtischer Räume an.

Sowohl an der Rathausgasse 6 (mit der gemalten Erinnerung an den «Schlüssel») als auch am Nachbarhaus Nr. 8 sind heute noch die beiden Giebel erhalten. Im Inventar der Kunstdenkmäler des Kantons Aargau werden am «Haus zum Schlüssel» besonders «die spätgotisch profilierten Doppelfenster mit ausgebrochenen Mittelstützen» hervorgehoben.

Als damalige Struktur gegeben war ein Ladengeschäft, eine Taverne oder eine Pinte im Parterre, eine Stube samt Küche im ersten Stock, die Schlafräume befanden sich in den beiden oberen Stockwerken. Natürlich erlebten beide Häuser an der Rathausgasse 6 und 8 im Laufe der langen Zeit mehrfache Um- und Ausbauten, wobei man in historischer Zeit mit der Bausubstanz nicht immer pfleglich umging. So hat das «Schwert» seine auffallend breite Fassade durch eine Zusammenlegung von zwei schmalen Bauten (wie sie noch auf dem Stadtprospekt von Hans Ulrich Fisch von 1612 zu sehen sind) erst im 18. Jahrhundert erhalten. Und die beiden unteren Geschosse und das gesamte Innere wurden ab 1946 mit der Einrichtung des Möbelhauses Strebel an diesem Ort komplett umgebaut.

«Schwert» hielt sich länger

In einer Aufzählung der Aarauer Tavernenwirtschaften am Ende der Bernerzeit 1798 ist der «Schlüssel» bereits verschwunden, das «Schwert» hingegen wird, neben dem «Ochsen» am Schlossplatz, dem «Storchen» an der Laurenzentorgasse, dem «Rössli» an der Metzgergasse, der «Krone» an der «Kronengasse» sowie dem «Wildenmann» und dem «Löwen» in der Vorstadt, erwähnt. Zu diesem Betrieb gehörte im ersten Stock ein grösserer Saal mit Holzverkleidung, der noch bis weit ins 19. Jahrhundert im gesellschaftlichen und kulturellen Leben eine Rolle spielte. Hier fanden einerseits Tanzvergnügungen statt, auf der anderen Seite gelangten auf der kleinen Bühne Theaterstücke und Konzerte zu Aufführung.

Aus einem Protokoll des Gemeinderates vom Mai 1821 geht hervor, dass ein Karl Spindler aus badisch Rheinfelden das Gesuch für «musikalisch-deklamatorische Unterhaltung im Gasthof zum Schwert» stellte, das bewilligt wurde. Später verlagerten sich solche Anlässe in die Tuchlaube an der Metzgergasse und in das 1831 eröffnete «Casino». Der letzte «Schwert»-Wirt, ein Metzger namens Siegrist, gab den Betrieb Ende 1875 auf.