Unter den Einsprechern sind mindestens zwei Geschäftsinhaber. Einer davon ist Patrick Huber («Münzen Huber»). Er stört sich erstens daran, dass die Vordere Vorstadt als Begegnungszone ausgestaltet werden soll (Tempo 20 statt 50). Andererseits wehrt sich Huber dagegen, dass Stadt- und Einwohnerrat die Pflästerung durch Asphalt ersetzen wollen.

Auch Markus von Däniken, Inhaber des gleichnamigen Modegeschäfts am Südende der Vorderen Vorstadt, fände Pflastersteine rein optisch ebenfalls schöner. Damit hat es sich aber mit seinem Verständnis für Hubers Einsprache. «Ich verstehe, dass die Stadt nicht das Geld hat, um die Mehrkosten für den Einbau von Pflastersteinen und später für deren Unterhalt zu zahlen», betont er. Denn durch die schweren Busse gebe es vor allem bei der Einmündung in den Aargauerplatz vermehrt Schäden am Strassenbelag. Ausserdem, so von Däniken, seien Fahrzeuge auf Pflasterstein-Untergrund lauter als auf Asphaltbelag, was vor allem für die Anwohner nachts ein Nachteil sei.

«Unvernünftige Fahrer»

Von Däniken ist gar nicht einverstanden mit Hubers Argumentation, die Vordere Vorstadt brauche keine Begegnungszone. Und er spricht sich explizit für die vorgesehene Umgestaltung – breiteres Trottoir, schmalere Fahrbahn – aus. Zusammen mit Doris Tarman (Papeterie Hagenbuch) und Vincenzo Bubba (Ristorante Capri) betont er: «Wir freuen uns, dass es mit der Totalsanierung der Vorderen Vorstadt endlich vorangeht.» Die drei Unternehmer haben sich schon im Jahr 2012 finanziell an einer Vorstudie zur Erneuerung der Strasse beteiligt. Von Däniken betont auch, dass sich «die inzwischen aufgelöste Ladenvereinigung Vordere Vorstadt grossmehrheitlich hinter das städtische Konzept mit einer Begegnungszone vom Aargauerplatz bis zum Landjägerhaus und in den Rain» gestellt habe. Die Vordere Vorstadt, so von Däniken, werde mit einer Begegnungszone deutlich attraktiver. Und sicherer. «Leider gibt es heute immer wieder unvernünftige Fahrer, die zu schnell vom Aargauerplatz her einbiegen, um schnell in Richtung Schachen zu gelangen», so der Modegeschäft-Inhaber. «Das kann ich täglich beobachten.»

Patrick Huber hatte gegenüber der AZ die Befürchtung geäussert, durch das Wegfallen der markierten Warenumschlag-Plätze an der Vorderen Vorstadt würden die Autos einfach irgendwo anhalten. Von Däniken ist der Ansicht, dass sich die Situation eher verbessern würde, wenn es in der Begegnungszone gar keine markierten Felder mehr gäbe, weil das Anhalten für einen kurzen Warenumschlag überall erlaubt sei. «Richtige Parkplätze sind nur wenige Gehminuten entfernt.»

Umsatz-Loch im Sommer

Für Vincenzo Bubba, den Chef des «Ristorante Capri», ist bei der Umgestaltung der Vorderen Vorstadt vor allem eines wichtig: Künftig sollen die Gastrobetriebe mehr Platz für Aussenbestuhlungen bekommen. Das «Lucky Monkey» hat bereits heute ein paar Stühle draussen stehen, nach der Umgestaltung dürften das «Capri» und das «Beluga» ebenfalls nachziehen und ihre Gäste draussen bewirten. «Für mich wäre das sehr wichtig», sagt Bubba. «Ich mache heute im Sommer – etwa von Mai bis September – rund 70 Prozent weniger Umsatz als im Winter. Wenn ich draussen Tische aufstellen könnte, könnte ich dieses Sommerloch besser auffangen.»

Von Däniken und Bubba hoffen, dass sich die Sanierung durch die Einsprachen nicht lange verzögert. Auch, weil das gesamte Sanierungspaket Hochwasserschutzmassnahmen beinhaltet. «Bei einem Jahrhundertgewitter, wie wir es 2017 in Zofingen erlebt haben, sind die im Erdgeschoss und im Untergeschoss liegenden Verkaufsflächen gefährdet», so von Däniken. «In der Vergangenheit wurde beispielsweise der ganze Keller der Papeterie Hagenbuch schon mehrmals unter Wasser gesetzt. Je länger sich das Rechtsverfahren hinzieht, desto länger besteht die Hochwassergefahr weiter.»

Doch die Einsprecher nehmen ihr gutes Recht wahr – diejenigen Ladenbesitzer, denen die Umsetzung des Sanierungsprojekts nicht rasch genug kommen kann, können nichts anderes tun als warten. In der Zwischenzeit, so bemerkt Markus von Däniken, könnten ja «die Hausbesitzer und Einsprecher an der Vorderen Vorstadt ihre teilweise in schlechtem Zustand befindlichen Fassaden und nicht energetisch sanierten Fenster auf Vordermann bringen».