Es war vor allem die FDP, die sich zusammen mit Mitstreitern aus anderen Parteien gegen das Neubauprojekt für die Aarebrücke gestellt hatte. Bei 3893 Ja und 3294 Nein betrug die Differenz 599 Stimmen. «Das Resultat ist nicht so deutlich, wie man es jetzt aufseiten der Befürworter hinstellen mag», sagt Rainer Lüscher.

«Niemand konnte sicher sein, dass die Abstimmung in seinem Sinn ausfällt.» Dies sagt der Grüne Markus Hutmacher, der das Projekt «Pont Neuf» unterstützte: «Ich war lange skeptisch, erst zum Schluss glaubte ich daran, dass es reichen könnte.» Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hätten verstanden, was diese Investition für die Stadt bedeutet.

Das sieht Rainer Lüscher naturgemäss etwas anders: «Uns ist es nicht gelungen, deutlich zu machen, dass es so oder so eine ‹neue Brücke› gibt, entweder mit oder ohne Beteiligung der Stadt.» Dies unterstreicht auch Markus Meier, Parteikollege von Rainer Lüscher, der den Ersatz der Brücke zwischen den beiden Widerlagern auf Kosten des Kantons vorgezogen hätte.

«Im Einwohnerrat war nur ein Fünftel gegen den ‹Pont Neuf›, in der Bevölkerung sind es mehr als zwei Fünftel. Wir haben zwar gut, aber zu wenig gut gearbeitet», kommentiert Müller die aus seiner Sicht knappe Differenz von 599 Stimmen.

Im Dezember wird der Grosse Rat über die Brücke beraten. Meier und Lüscher gehen nicht davon aus, dass im Grossen Rat das Neubauprojekt infrage gestellt wird, nachdem die Aarauer mit der Abstimmung signalisiert haben, dass sie den «Pont Neuf» wollen. Die FDP werde im Baubewilligungsverfahren nicht aktiv werden. «Es ist so, wie es ist», sagt Lüscher.

Markus Hutmacher hat sich im Einwohnerrat dezidiert für das Neubauprojekt ausgesprochen, sich aber im Abstimmungskampf herausgehalten. Die Einwohnerratsfraktion war für den «Pont Neuf», innerhalb der Partei war man sich aber nicht einig. Es gab Parteimitglieder, die sich gegen das «Luxusprojekt, dem viele Bäume geopfert werden», stellten und sich mit dem gegnerischen Komitee solidarisierten. «Es ist ein Eingriff in die Natur, doch Bäume müssten beim Sanierungsprojekt auch geopfert werden», sagt Hutmacher. Selbstverständlich werde die Stadt die Investitionen sorgfältig prüfen müssen, doch das Neubauprojekt «Pont Neuf» stelle eine nachhaltige, weitsichtige Lösung dar.

Ulrich Fischer (Grüne) hat sich in den Leserbriefspalten für den «Pont Neuf» eingesetzt. Die Vorgängerbrücken seien in Zeiten beschlossen und gebaut worden, die sehr viel schwieriger waren als die heutige. «Unsere Vorfahren bewiesen eine Weitsicht, die ich während der Abstimmungskampagne etwas vermisst habe.» Er habe die Gegen-Argumente aus der Mitte seiner Partei nicht ganz nachvollziehen können, sagt Fischer und ist froh über das Ja zum «Pont Neuf». Die Natur sei in Wohnquartieren stärker gefährdet als bei der Kettenbrücke, wo Ausgleichsmassnahmen getroffen werden könnten.