Aarau
Die Friedenslinde hat wieder eine Gedenktafel

Was hat es mit der Friedenslinde im Binzenhof auf sich? Das Stadtforstamt hat eine neue Erinnerungstafel angebracht. Bei der Anbringung kams fast zu Handgreiflichkeiten.

Ueli Wild
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Kinder aus dem Gönhardschulhaus helfen mit beim Setzen der Stele mit der Erinnerungstafel – beobachtet (von links) von Stadtpräsidentin Jolanda Urech, Stadtoberförster Christoph Fischer und Remi Bürgi, Geschäftsleiter der Schule Aarau.Uelii Wild

Kinder aus dem Gönhardschulhaus helfen mit beim Setzen der Stele mit der Erinnerungstafel – beobachtet (von links) von Stadtpräsidentin Jolanda Urech, Stadtoberförster Christoph Fischer und Remi Bürgi, Geschäftsleiter der Schule Aarau.Uelii Wild

Ueli Wild

Bei der Friedenslinde im Luegisland erinnert jetzt wieder eine Tafel daran, dass die Linde am 5. Oktober 1945 gepflanzt wurde. «Von der Aarauer Schuljugend», steht auf der schlichten Plakette, «im Gedenken an das Ende des 2. Weltkrieges 1939–1945.» Damit kam das Stadtforstamt einem Wunsch von Rolf Häusler nach, der wiederholt moniert hatte, dass mit der alten Holzbank auch die frühere Erinnerungstafel verschwunden sei. Der Oberentfelder und seine Frau waren vor 70 Jahren selber dabei, als die grösseren Schüler des Pestalozzischulhauses mithalfen, die Friedenslinde zu pflanzen.

Das Bäumchen stammte aus der Rombacher Baumschule Hauenstein und war gemäss kürzlich wieder aufgefundenen privaten Aufzeichnungen etwa drei Meter hoch. Spenglermeister Kull soll eine Kupferbüchse mit Dokumenten zugelötet haben, die dann unter den Wurzeln des Baumes vergraben wurde. Für die feierliche Umrahmung des Weiheaktes sorgte damals die Kadettenmusik.

Gestern waren es Peter Roschi und Thomas Bosshard von den Aarauer Turmbläsern, die dem Akt mit ihren Trompetenklängen die feierliche Note verliehen. Eine Schulklasse aus dem Gönhardschulhaus sang Lieder – von «Alle Vögel sind schon da» bis zur ersten Strophe des Schweizerpsalms. Und dann durften die Kinder mithelfen, die Stele mit der Plakette zu setzen. Fünf Schaufeln standen zur Verfügung – für 20 Kinder, welche das Loch zuschütten wollten. Der Eifer drohte gelegentlich fast zu überborden: Da war zum Beispiel eine kleine Rothaarige, welche die einmal ergatterte Schaufel partout nicht mehr aus der Hand geben wollte und sie trotzig gegen alle Angreifer verteidigte.

Kampf um die Schaufeln

Friedenslinde hin oder her – der Kampf um die raren Schaufeln artete beinahe in Handgreiflichkeiten aus. Sollte die Tafel wieder einmal abhandenkommen, erinnert sich vielleicht in 70 Jahren eines dieser Kinder an den 1. April 2016 und insistiert beim Stadtforstamt, man möge doch bitte dafür sorgen, dass nicht in Vergessenheit gerate, was der Anlass war, die Linde bei diesem Aussichtspunkt zu pflanzen.

Stadtpräsidentin Jolanda Urech erteilte den Kindern eine Lektion in Geschichte. Sie würdigte die Linde sinngemäss als Ausdruck der Freude über den 1945 wiedergewonnenen Frieden und in letzter Konsequenz als Mahnmal für die Schrecken des Krieges mit seinen Millionen von Toten und Vertriebenen.

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