Aarau
Die Fremden kennenlernen – zum Beispiel mit Kunst im Wald

Das Netzwerk Asyl bietet Asylsuchenden jeden Samstag ein Erlebnis – als Kontrast zum eintönigen Alltag und um in Kontakt mit der Bevölkerung zu kommen. Am Samstag machten zwei Dutzen Personen Kunst im Schachenwald in Aarau.

Peter Weingartner
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Asylbewerber machen Landart im Aarauer Schachenwald
8 Bilder
Steine stapeln macht Spass
Ein labiles Gleichgewicht
Ein hübsches interkulturelles Gemeinschaftswerk
Landart in den Zwischenräumen
Auch die Kinder haben Material gesammelt
Das Gemeinschaftswerk entsteht
Die Mädchen machen eine Spirale

Asylbewerber machen Landart im Aarauer Schachenwald

Peter Weingartner

Wer im Schachenwald Gebilde aus Blättern, Steinen, Ästen, Schneckenhäusern und die Steintürme am Aareufer entdeckte, wird geschmunzelt haben ob diesen Objekten, dem natürlichen Zerfall anheimgestellt. Das ist «Landart», Kunst in der Natur.

Am Samstag führten Claudia Gerber vom Netzwerk Asyl und Jugendarbeiter Jan Götschi eine bunt gemischte Schar in den Aarauer Schachenwald: gut zwei Dutzend Personen, darunter Familien, Asylsuchende und Einheimische.

Auf dem Weg in den Wald versuchen Einheimische und Asylsuchende, sich verständlich zu machen. Nicht immer einfach, wenn man, wie ein junger Mann aus Liberia, erst seit vier Wochen in der Schweiz ist. Es ist eine Gelegenheit zu anschaulicher Wortschatzarbeit: Blatt, Gras, Baum, Wald, Rinde. Es sind Menschen aus Somalia, Liberia, Elfenbeinküste, Afghanistan und Tibet dabei.

Beim ersten Zwischenhalt entsteht ein Gemeinschaftswerk mit Naturmaterialien, aber auch mit herumliegendem Müll: Bierflaschendeckel, Aludosen. Götschi nimmt den Güsel mit: So sollte mans machen. Und die Kinder, für die Nadja Lehmann von der Müheler Waldspielgruppe verantwortlich ist? Luana und Zahra legen mit Schachtelhalmteilen eine Spirale; die Buben schmeissen lieber Steine ins Wasser. An der Aare stellt Götschi den Erwachsenen die Aufgabe, Steine möglichst hoch zu stapeln.

Helferin Anouk Holzhuizen nimmt die Efeuverästelungen an einem Baum als Einladung, die Gabelungen mit verschiedenen Materialien zu füllen.

Es gebe wenige Stamm-Teilnehmer, sagt Claudia Gerber. «Beim Stadtrundgang, es herrschte Hundewetter, waren nur vier Personen dabei; beim Besuch eines Bauernhofs auf dem Herzberg 40.» Vor allem für jene Asylsuchenden, die nicht in Aarau lebten, seien die Anfahrtskosten wohl ein Hinderungsgrund. Am Landarttag sind trotzdem Leute aus Brugg und Villmergen dabei.

Am nächsten Samstag gehts auf den Kirchberg zu einem Sinnesweg durch den Wald. In zwei Wochen lädt das Jugendrotkreuz Aarau zu Fussball und Volleyball. «Wir würden es schätzen, wenn verschiedene Vereine eine Aktivität anbieten würden», sagt Claudia Gerber. Getreu dem Motto des Projekts: Bildung, Begegnung, Beschäftigung (vgl. Text links). So könnten gegenseitige Vorurteile abgebaut werden.