Bezweifelt hatte die Notwendigkeit des neuen Schulhauses im Zentrum Dorf eigentlich niemand. Und doch war die Anspannung an der Gemeindeversammlung am Donnerstagabend förmlich greifbar. So viele Suhrer und auswärtige Besucher waren gekommen, dass sogar zusätzliche Stühle in den Saal gefahren werden mussten. Und hatte es während der Voten noch teils heftiges Gemurmel gegeben, so war es bei der Abstimmung zum 21,2-Millionen-Kredit auffallend still. Der Entscheid fiel eindeutig: Mit nur fünf Gegenstimmen sagten die 297 anwesenden Stimmbürger Ja zum neuen Schulhaus.

Verlegung, sonst Referendum

Die meisten Diskussionen löste die FDP aus, die die riesige Kröte nicht einfach so schlucken wollte. Wie angekündigt, stellte sie für den Baukredit einen Zusatzantrag: Das Schulhaus sei zu gross geraten, weshalb auf den im Erdgeschoss geplanten Mehrzweckraum zu verzichten sei. An dessen Stelle solle die Gemeindebibliothek, die sich heute im Dachstock des Gemeindehauses befindet, kommen. Der frei werdende Dachstock wiederum könnte von der Verwaltung genutzt werden. Diese braucht in den nächsten Jahren dringend mehr Platz; der Betrag von 6,6 Millionen für einen Erweiterungsbau ist bereits im Finanzplan aufgeführt. «Mit dieser Verlegung kann die Erweiterung der Verwaltung um viele Jahre hinausgeschoben werden«, sagte Präsident Urs Zimmermann und fügte an, bei Ablehnung des Antrags sehe sich die FDP gezwungen, das Referendum zu ergreifen.

Dem Ansinnen der FDP stimmten auch die SVP und Zukunft Suhr zu. «Das Schulhaus kostet viel. Wir müssen an unsere Grenze gehen und uns verschulden», sagte Jürg Lienhard von Zukunft Suhr. Es dürfe deshalb nicht verboten sein, nach Sparmöglichkeiten zu suchen. Es tue zwar weh, die Bibliothek zu verlegen. Der Verlust der heimeligen Bibliothek wiege aber die Möglichkeit auf, die Gemeindeverwaltung ohne weitere grosse Investitionen erweitern zu können.

Gemeindepräsident Beat Rüetschi sagte im Namen des Gemeinderates, man habe die Machbarkeit der Verlegung geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass diese möglich sei. «Die Bibliothek käme mehr ins Zentrum und wäre für alle gut erreichbar.» Die Verantwortlichen der Bibliothek habe man bereits orientiert, auch sei abgemacht, dass diese ab der ersten Sitzung mit dabei sein und bei der Gestaltung mitreden werden.

Noch ein Zusatzantrag

Mit Parteien und Gemeinderat einig waren dann aber doch nicht alle. Lehrerin Sigrid Kilchsperger wehrte sich für den Mehrzweckraum, man brauche diesen unbedingt. Auch würde die Bibliothek nach der Verlegung keinen so schönen Raum mehr bekommen, wie dies heute der Fall sei. «Diese Idee der Verlegung ist im letzten Moment aufgekommen und ist noch nicht wirklich durchdacht», sagte sie. Ihr Mann Heiner Kilchsperger stellte schliesslich den Zusatzantrag, der Gemeinderat solle die Verlegung erst prüfen und die finanziellen Folgen abschätzen, bevor er sich entscheide. Vor so einem Entscheid müsse man doch erst wissen, was der Zusatzantrag der FDP für finanziell Einsparungen bringe. Der Zusatzantrag Kilchsperger hatte aber keine Chance, mit 74 zu 177 Stimmen wurde er abgelehnt. Der Zusatzantrag der FDP hingegen wurde knapp mit 146 Ja- zu 138 Nein-Stimmen angenommen.

Damit war die FDP aber noch nicht zufrieden: Beim Baukredit für die Tiefgarage für Schule und Gemeindeverwaltung von 1,49 Millionen stellte sie einen Rückweisungsantrag: So seien zusätzliche Garagenplätze zu prüfen und die Zu- und Ausfahrt sauber zu regeln. Diese soll über eine einzige Rampe mit Ampelsystem geregelt werden. Das werde bei dieser Grössenordnung nicht funktionieren und ausserdem sei die Garage mit 42 500 Franken pro Parkplatz viel zu teuer, sagte Präsident Zimmermann. Das Projekt mache den Eindruck, als sei es unter grossem Zeitdruck entstanden. Gemeindepräsident Rüetschi widersprach und rechnete vor, dass die Garage nahezu 600 000 Franken teurer zu stehen käme, würde eine zusätzliche Rampe gebaut und könne der Aushub nicht zeitgleich mit demjenigen für das Schulhaus gemacht werden. Der Rückweisungsantrag wurde denn auch mit 232 zu 29 Stimmen abgelehnt.

«Kein Geld für solche Wünsche»

Überhaupt nichts wissen wollte die FDP schliesslich vom Projektierungskredit von 65 000 Franken für die Umgebungsgestaltung des Schulhauses. Schliesslich würde nach der Projektierung auch eine Million für die Ausführung fällig. «Für solche Wünsche haben wir keine Finanzen», sagte Zimmermann. Man solle erst den Schulhausbau abwarten und dann schauen, ob an der Umgebung noch etwas getan werden muss. Doch auch damit fand die FDP kein Gehör bei den Suhrern; auch dem letzten der vier Kreditsplitter zum Schulhaus stimmten sie grossmehrheitlich zu.