Sie wohnt erst seit vier Jahren in der Stadt und war nie Mitglied des Einwohnerrates. Dennoch will der Vorstand der FDP Aarau Suzanne Marclay-Merz (43) als Stadtratskandidatin nominieren lassen. Sie ist im letzten Herbst, als es um den Grossrat ging, als besonders engagierte und talentierte (Strassen-)Wahlkämpferin aufgefallen. Entsprechend gut schnitt sie bei den Wahlen am 23. Oktober ab: Marclay-Merz schaffte es auf Anhieb auf den ersten Ersatzplatz. Im Januar wurde sie zur Präsidentin der Stadtpartei gewählt. Und jetzt soll sie am 22. März für den Stadtrat nominiert werden. Die FDP hofft, mit ihr den Sitz von Lukas Pfisterer (43) zu verteidigen, der im Herbst nicht mehr zu den Wahlen antritt (die az berichtete).

Mit Microsoft-Erfahrung

Die Rechtsanwältin Marclay-Merz ist verheiratet und Mutter dreier Kinder. Sie bringe dank ihrer langjährigen Berufserfahrung als Wirtschaftsanwältin, Geschäftsleitungsmitglied von Microsoft Schweiz und Gerichtspräsidentin in Kulm Führungserfahrung mit, schreibt die FDP. Marclay-Merz ist in Möriken-Wildegg aufgewachsen, ging an die Alte Kantonsschule in Aarau und studierte an der Uni Zürich.

Dass sie nie dem Einwohnerrat angehörte, ist in den Augen von Marclay-Merz kein Nachteil: «Ich sehe das nicht als Handicap, sondern als Chance. Mit meiner breiten Berufserfahrung aus Privatwirtschaft und Verwaltung bringe ich optimale Qualifikationen für das Amt mit. Es ist bereichernd, wenn nicht alle Stadträte den gleichen Hintergrund haben.»

Es gab in der Vergangenheit auch schon Stadträte, die vorher nicht Einwohnerrat waren. Zuletzt war dies bei Michael Ganz (damals 30) der Fall, der 2001 auf Anhieb für die eben erst gegründete Gruppierung «Pro Aarau» in den Stadtrat gewählt wurde.

Hanspeter Hilfiker for President

Die Freisinnigen wollen nicht nur den Sitz von Lukas Pfisterer verteidigen, sondern auch das vor vier Jahren verlorene Stadtpräsidium zurückerobern. Seit gestern ist offiziell bekannt, dass der bisherige FDP-Stadtrat Hanspeter Hilfiker (51) Nachfolger von Jolanda Urech (63, SP) werden soll. Hilfiker gehört dem Stadtrat seit 2014 an. Davor war er zehn Jahre lang Einwohnerrat. Im Herbst 2009 hatte er ein erstes Mal versucht, in die Stadtexekutive gewählt zu werden.

Der HSG-Ökonom mit Doktortitel arbeitet seit Oktober an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er ist dort Studienleiter «CAS Reinsurance Management», einer neuen, ganzheitlichen Ausbildung für die Rückversicherungsindustrie. Für den FDP-Vorstand ist klar: «Nach zwanzig Jahren in Fach- und Führungsfunktionen in der Rückversicherungs-Branche verfügt er über die politischen, fachlichen und persönlichen Voraussetzungen für das Amt des Stadtpräsidenten.»

Unsicherheitsfaktor Keba

Im Stadtrat ist Hilfiker Vorsteher des Ressorts Kultur und Sport. Unter seiner Führung wird das Kulturprojekt Alte Reithalle vorangetrieben. Und er ist in den letzten Wochen wegen des Keba-Debakels in einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. «Er hat im Fall Keba bisher ein gutes Krisenmanagement bewiesen. «Wir sind zuversichtlich, dass der gesamte Stadtrat eine gute Lösung finden wird», erklärt Suzanne Marclay-Merz in ihrer Funktion als Stadtparteipräsidentin. Doch wie sich das Keba-Debakel in den nächsten Wochen weiterentwickelt, ist unklar. Und ebenso, was die Abklärungen des Stadtrates über die politische Verantwortung ergeben wird. Resultate sollen im Frühsommer vorliegen.