Aarau Rohr
Die FDP möchte potente Steuerzahler ins Hinterfeld locken

Dem Freisinn passt die Arealentwicklung – sie möchte, dass vor allem gute Steuerzahler auf das letzte unüberbaute Bauland der Stadt ziehen. Die Grünen haben grosse Vorbehalte gegeüber dem Projekt.

Nadja Rohner
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Nach dem Willen der Stadt soll die Wiese Hinterfeld überbaut werden.

Nach dem Willen der Stadt soll die Wiese Hinterfeld überbaut werden.

Sabine Kuster

Diese Woche hat der Stadtrat über die Vernehmlassungs-Ergebnisse für die Entwicklung des Rohrer Hinterfelds informiert. Die SP meldete umgehend ihre Bedenken bezüglich des Projekts an, bei dem das letzte unüberbaute Bauland der Stadt genutzt werden soll.

Auch die Grünen sind gegenüber der Arealentwicklung Hinterfeld «sehr, sehr kritisch eingestellt», sagt Einwohnerrat Markus Hutmacher auf Anfrage. «Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass das Land für kommende Generationen freigehalten werden soll.» Unter anderem deshalb hatten die Grünen während der Budgetdebatte beantragt, die für die Planung der Neuerschliessung vorgesehenen 200000 Franken aus dem Investitionsbudget zu streichen.

Damit wollte man laut Hutmacher verhindern, dass «am politischen Willen vorbei geplant wird». Sprich: Der Einwohnerrat solle zuerst über das Hinterfeld diskutieren. Die Grünen zogen ihren Antrag dann zugunsten eines ähnlichen Begehrens der SVP zurück.

Besonders bezüglich Erschliessung des Hinterfelds gebe es viele ungelöste Probleme, sagt Hutmacher. «So, wie das Projekt in der Vernehmlassung präsentiert wurde, können wir nicht dahinter stehen.» Die Grünen möchten erreichen, dass sie einen Delegierten für die Begleitgruppe stellen können. So könnten sie ihre Vorbehalte laufend anmelden.

FDP will gute Steuerzahler

Auch die FDP hat sich zum Hinterfeld geäussert. Im Gegensatz zur SP und den Grünen, die eine Forcierung der Arealentwicklung zum heutigen Zeitpunkt grundsätzlich infrage stellen, halten es die Freisinnigen für «richtig, die Entwicklungsabsichten weiter zu treiben, damit das Hinterfeld mit Qualität entwickelt werden kann».

Die Freisinnigen fordern, im Hinterfeld solle «eine durchmischte, qualitativ gute Bebauung entstehen». Sozialen Wohnungsbau will man dort nicht. «In Aarau gibt es bereits viel günstigen Wohnraum», erklärt FDP-Einwohnerrätin Martina Suter. Zudem entstünden im Laufe der Jahre automatisch günstigere Wohnungen, wenn die Wohnblöcke alterten.

Vielmehr will die FDP mit hochwertigem Wohnraum zahlungskräftige Steuerzahler ins Hinterfeld locken. Oder, wie es Suter ausdrückt: «Uns ist besonders wichtig, dass auf das Generieren von gutem Steuersubstrat geachtet wird.»

Das sei auch im Sinne des Stadtrates, sagt die Einwohnerrätin, er habe dies in der Beantwortung einer Anfrage zur Aarauer Steuerstruktur explizit hervorgehoben: Aarau habe im Vergleich mit Baden oder Wettingen eine eher kleine Anzahl von Steuerpflichtigen im höchsten Einkommenssegment. Für Aarau werde es deshalb auch künftig von Bedeutung sein, so der Stadtrat, bei Bauvorhaben «den Aspekt des Erhalts der Steuerstruktur weiterhin mit einzubeziehen». Martina Suter: «Die Stadt hat nur bei Bauvorhaben wie jenem im Hinterfeld die Möglichkeit, auf diesen Aspekt Einfluss zu nehmen. Erfreulicherweise hat der Stadtrat eingesehen, dass eine Steuerstruktur auf mittlerem bis hohem Niveau nicht nur wünschbar, sondern notwendig ist.»

Die FDP hat sich auch konkret zu den drei Bebauungsvorschlägen des Stadtrats geäussert. Sie beurteilt die Gebäudelängen und -höhen teilweise als zu gross. Dies hatten auch andere Parteien und Privatpersonen in der Vernehmlassung so gesehen.

Die Dichte ist für die FDP weniger ein Problem, sofern sie «gut gestaltet» werde. Bebauung und Freiräume müssten sich ergänzen.

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