Erlinsbach
Die Fasnacht beginnt – aus normalen Bürgern werden Nonnen und Hasen

Morgen beginnt in Erlinsbach die Fasnacht. Zu einem fröhlichen Fest gehört auch ein lustiges Kostüm. Im Kostümverleih von Beatrice Wittwer findet jeder sein passendes Fasnachtskleid, denn man kann aus über 4000 Verkleidungen auswählen.

Josua Bieler
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Die Vierergruppe ist für die kommende Fasnacht ausgerüstet.

Die Vierergruppe ist für die kommende Fasnacht ausgerüstet.

Josua Bieler

«Guten Tag, was möchten Sie sein?» Mit diesen Worten empfängt Beatrice Wittwer jeden ihrer Kunden. Sie ist Geschäftsleiterin im Kostümverleih Erlinsbach und hat viel zu tun. Kurz vor dem Schmutzigen Donnerstag strömen Fasnächtler aus der Region in ihren kleinen aber prall gefüllten Laden. Geht man auf eigene Faust auf die Suche nach einem passenden Kostüm, besteht die Gefahr, im engen Raum vor lauter Kleidungsstücken den Überblick zu verlieren. Besser schaut man zuerst in den Katalog oder beantwortet eben die Frage der Verkäuferin: «Was möchten Sie sein?»

Beim Verkauf helfen gleich drei Generationen der Familie Wittwer: Beatrice Wittwer, ihre Mutter Brigitte und ihre Tochter Daniela. Drei Mitarbeiter sind durchaus nötig, denn der Laden verteilt sich auf insgesamt vier Stockwerke.

Suche nach passendem Kostüm

In der oberen Etage hilft Daniela Wittwer in der Kinderabteilung. Ein Knabe springt in einem Hasenkostüm umher. «Und, gefällt es dir?», fragt Daniela: «Ja, ich bin jetzt der hüpfende Hase», antwortet der Knabe und hopst lachend davon. Im Kellergeschoss wird ebenfalls gelacht: Eine junge Frau hat sich als Nonne verkleidet und sich soeben im Spiegel gesehen. Jetzt verschwinden ihre drei Kameraden in der Umkleidekabine und erscheinen nach kurzer Zeit ebenfalls in Nonnengewänder. Nach einigen Diskussionen und Dutzenden Blicken in den Spiegel sind sich die vier Erlinsbacher einig: Das ist das ideale Kostüm für die Fasnacht.

In der Regel zahlt ein Erwachsener für ein Kostüm 50 Franken, Kinder 25 Franken. Die Einnahmen braucht Beatrice Wittwer, um neue Kleider zu bestellen, die Miete zu zahlen und gebrauchte Verkleidungen zu waschen. «Wir kaufen Kostüme von guter Qualität ein und leihen sie dann so häufig wie möglich aus.» Je länger sie die Kleider brauchen kann, desto grösser ist die Rendite.

Im Laden befinden sich über 4000 Kostüme. Vor 24 Jahren, als sie den Laden eröffnete, bot sie lediglich dreissig Kleidungsstücke in einem kleinen Raum an. «Seither kaufen wir immer wieder neue Kostüme ein, werfen aber praktisch keine weg», so Beatrice Wittwer. Dadurch ist der Bestand von Jahr zu Jahr in die Höhe geschnellt.

Selber trägt sie kein Kostüm

Es ist 18.30 Uhr, Ladenschluss. Doch mit den offiziellen Öffnungszeiten nimmt es Beatrice Wittwer nicht so genau. Sie sagt: «Die Kunden können kommen, solange wir im Laden arbeiten. Das kann zur Fasnachtszeit auch einmal bis 21 Uhr dauern.» Sie führt das Geschäft seit 24 Jahren mit Leidenschaft. Selber ist sie jedoch keine «Fasnächtlerin». Sie erklärt: «Bei meiner Arbeit dreht sich schon alles um Kostüme, da will ich nicht in ein Kostüm schlüpfen.» Lieber schaut sie dem Umzug zu. Dort werden ihr einige Kostüme bekannt vorkommen.