Patrick Müller (31) braucht Sägemehl in der Nase und Spriessen in den Fingern. Aber er braucht auch Freiheit. Die Freiheit, seine Ideen, seine Visionen umzusetzen, und nicht bloss einen Fensterrahmen nach dem anderen zu bauen, millimetergenau nach Plan. «Dafür bin ich zu funktional veranlagt», sagt Müller und grinst.

«Mir kamen ständig Ideen, wie man dies und jenes besser machen könnte.» Seine Optimierungsvorschläge hat der gelernte Schreiner damals wohlwissentlich für sich behalten. Aber er schaute sich nach einer Herausforderung um und entschied sich für das dreijährige Studium in Industrial Design.

Ein guter Entscheid. Nach dem Studium arbeitete er bei Daniel Hunziker Design Works in Zürich und da unter anderem für die Möbelfabrik Horgenglarus, das Museum Casa Daros in Rio de Janeiro oder das Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon. Seit einem Jahr ist Müller nun selbstständig.

Unter dem Namen PAMU konzipiert, entwirft und entwickelt er im Gemeinschaftsatelier «Zur heiteren Forelle» im «Im Rüetschi Haus» in Suhr Objekte und Raumlösungen. Daneben arbeitet er am Institut Industrial Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel.

Warum kein Blutdruckmessgerät?

Eigentlich könnte Müller mit seinem Studium alles Mögliche designen. Blutdruckmessgeräte zum Beispiel, Blumenvasen, Telefonhöhrer oder Bauchmuskeltrainingsgeräte. Müller lacht und winkt ab, das sei sicher spannend, aber die Schreinerlehre habe Spuren hinterlassen.

«Ich mag Holz und das Schreinerhandwerk.» Und er mag Möbel, die nicht nur eine Funktion, sondern zu denen die Besitzer auch eine emotionale Bindung haben. Deshalb hat er sich für Möbeldesign entschieden, das Haifischbecken der Szene.

«In diesem Bereich tut man keinem weh, der Spielraum ist gross.» Aber das hat auch seine Schattenseiten: «Du bist eben auch einer von Hunderten, auf dich wartet keiner. Es ist wahnsinnig schwierig, Erfolg zu haben.» Türklinken-Putzen gehöre zu seinen Hauptaufgaben.

Unverschämtes Glück

Irgendwie hatte Müller bisher unverschämtes Glück: Nach zwei Bewerbungen hatte er seine erste Stelle als Produkt-Designer im Sack. Und mit seinem für die Bachelorarbeit entworfenen Stück, dem «Lean on Desk», hat er den Vogel abgeschossen und den Deutschen Design-Preis «Iconic Awards 2017» in der Rubrik «Interior Innovation» gewonnen.

Damit darf Müller seinen Tisch – ein kompakter Arbeitsplatz, der ohne Bohren und Schrauben einfach an die Wand gelehnt werden kann – an der Einrichtungsmesse in Köln ausstellen, der grössten Möbelmesse Deutschlands.

«Eine Wahnsinnsfreude habe ich», sagt er. Dabei habe er sich keine grosse Chance ausgerechnet, als er seine Bewerbung einreichte. «Ich hatte im Oktober den ersten Prototypen erhalten und das Werbematerial angefertigt und gedacht, wenn es schon vorhanden ist, reiche ich es doch gleich ein.»

Auch mit diesem Preis kann Müller trotzdem nicht die Hände in den Schoss legen, denn verkauft ist damit kein einziger Tisch. «Jetzt fängt die Arbeit erst an», sagt er und lacht, jetzt reise er von Möbelhaus zu Möbelhaus und bitte darum, den Tisch ins Sortiment aufzunehmen. Keine einfache Angelegenheit als Branchenneuling.

Trotzdem, Müller ist optimistisch: Im Januar geht der Tisch in Produktion, zwei Schweizer Produzenten arbeiten daran. Ab März wird der Tisch dann zu haben sein, in den Möbelläden oder direkt beim Designer. Müller freut sich auf die Lieferung: «Das wird ein schöner Moment.»