Aarau
Die Ersparniskasse von 1811 war eine gute Idee

Heute feiert die Neue Aargauer Bank die Gründung der Vorgängerbank vor 200 Jahren. Es war die 1811 ins Leben gerufene Gesellschaft für vaterländische Kultur, die als eine ihrer ersten Taten eine zinstragende Ersparniskasse einrichtete.

Hermann Rauber
Merken
Drucken
Teilen
Zschokkes Leben wird neu und umfassend erzählt. asp

Zschokkes Leben wird neu und umfassend erzählt. asp

Zu den Mitbegründern gehörte auch Heinrich Zschokke. In einer von Armut und Not geprägten Zeit sollte die Bank jedem Bürger, ob Bauer, Handwerker oder Dienstbote, die Möglichkeit geben, seine hart verdienten Batzen oder gar Franken sicher anzulegen.

Eine Idee, die Bestand hatte

Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden: Bereits zwei Jahre nach dem Start verzeichnete die Kasse ein Sparkapital von knapp 14 000 Franken, 1830 stieg die Summe auf 183 000 Franken. Das Ziel war erreicht, die Bank erhielt 1818 eine eigene Verwaltung, löste sich aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganz von der Kulturgesellschaft und hiess nun Allgemeine Aargauische Ersparnisgesellschaft, später «Die Allgemeine», ehe man sich unter das Dach des Grosskonzerns der CS flüchtete. Im Jubiläumsjahr gedenkt die NAB ihrer lokalen und kantonalen Wurzeln. Sie ermöglicht einen Nachdruck und damit eine Neuauflage der Erzählung «Das Goldmacherdorf», die Heinrich Zschokke im Jahre 1817 erstmals publizierte.

Die Lehrgeschichte von Zschokke

Die Dorfgeschichte aus dem ländlichen «Goldenthal», das dank einem innovativen Schulmeister aus bitterster Armut und trostloser Verwahrlosung herausfindet, ist geprägt vom sozialen und genossenschaftlichen Geist, wie er auch der Gründung der Ersparniskasse Pate stand. Die Parabel müsse im Umfeld der damaligen Zeit angesiedelt werden, schreibt Thomas Pfisterer, Präsident der Heinrich-Zschokke-Gesellschaft, im Vorwort der Neuauflage. Es ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts «um die Anleitung zu Reformen im wirtschaftlichen Leben, um die Unterstützung zur Selbsthilfe in der Bevölkerung sowie durch die Verbesserung der Volksbildung um mehr Selbstständigkeit und Demokratie».

Zschokke selbst wollte nach eigenem Bekunden praktische Aufbauarbeit leisten und «nicht neue Verfassungen erfinden». Er setzte auf den liberalen Gemeinsinn führender Köpfe, auf private Bürgerinitiative und nicht auf die Allmacht des Staates.

Als Herausgeber und Kommentator für das neu zum Leben erweckte Lehrstück «Goldmacherdorf» konnte der Zschokke-Kenner Holger Böning, Professor an der Universität Bremen, gewonnen werden. Er referiert heute an der Feier und Buchvernissage vor den geladenen Gästen in Aarau zum Thema «Heinrich Zschokke – praktischer Aufklärer und Sozialreformer».