Prozessbeginn
Die brutalen Folterpläne des Amokschützen von Buchs

Ein Waffenfanatiker aus Buchs wollte 26 Menschen töten. Er war bei den Vorbereitungen für seine geplanten, blutrünstigen Taten bereits weit fortgeschritten, Ab heute steht in der Zurzach vor Gericht. Die Anklage fordert 11 Jahre Gefängnis.

Michael Spillmann
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Erster Tag im Gerichtsverfahren gegen den Amokschützen, der sich im November 2008 in Buchs einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert hatte. Vor dem Bezirksgericht Zurzach werden heute prozessuale Vorfragen geklärt.

Zudem soll es eine Kurzbefragung jener Person geben, die geplant haben soll, 26 Menschen umzubringen. Offen ist insbesondere der Gerichtsstand. Das Bezirksgericht Aarau hatte wegen Befangenheit erfolgreich ein Ausstandsbegehren gestellt, der Angeklagte hätte ein Ostschweizer oder ein Walliser Gericht vorgezogen.

Todesliste gefunden

Die Anklage fordert elf Jahre Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung. Der 52-jährige Schweizer muss sich unter anderem wegen strafbaren Vorbereitungshandlungen zu mehrfachem Mord vor den Richtern verantworten. Denn: Die Polizei fand beim Waffenfanatiker eine Todesliste inklusive Folterpläne für insgesamt 26 Personen aus Justiz, Verwaltung und Polizei.

Die Taten, die ihm der Staatsanwalt vorwirft, werden erst 2011 behandelt. Klar ist: Ziele waren Personen, die in juristischen Belangen mit dem Buchser in Kontakt gekommen sind.

Ziele: Bezirks- und Oberrichter

Rückblick: 2006 wurde der heute 52-jährige Mann vom Bezirksgericht Aarau wegen sexueller Nötigung und Pornografie zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Da er sich als Opfer von Justiz- und Beamtenwillkür sah, richtete sich seine Aggression unter anderen gegen mehrere Untersuchungs- und Bezirksrichter. Der Buchser informierte sich detailliert über die Zielpersonen und legte Unterlagen über sie an.

Damit nicht genug: Nach dem für ihn erfolglos verlaufenen Revisionsprozess nahm er offenbar auch den zuständigen Oberrichter in sein (Todes-)Visier sowie jene Amtspersonen, die ihm seine umfangreiche Waffensammlung weggenommen hatten. Bekannt ist unter anderem, dass der Aarauer Bezirksamtmann Dieter Gautschi zu den Zielpersonen gehört hatte. Gautschi gab nach Bekanntwerden dieser Fakten die laufende Untersuchung an das Bezirksamt Baden weiter.

Foltergegenstände sichergestellt

Die az weiss: Der Angeklagte war bei den Vorbereitungen für seine geplanten, blutrünstigen Taten weit fortgeschritten. So fanden die Ermittler im Haus des Amokschützen nicht nur ein riesiges Waffenlager und die dazugehörige Munition, sondern ebenso schriftliche Unterlagen zum geplanten Tatablauf und den nötigen Vorbereitungshandlungen sowie zahlreiche Gegenstände, die offenbar für die geplanten Folterungen der Zielpersonen bestimmt waren.

Dazu gehörten etwa Elektroschockgeräte, eine Peitsche, Spritzen, Spiesse und Nägel und diverses Material wie Handschellen oder Kabelbinder, mit dem er die Opfer zu knebeln und fesseln gedachte.

Wie die az in Erfahrung bringen konnte, fand die Polizei in seinem Haus zudem gefälschte Ausweise, mit denen sich der Angeklagte mutmasslich Eintritt in die Wohnungen der Zielpersonen verschaffen wollte. Dazu sollen auch ein Polizeiausweis und ein Ausweis der Industriellen Betriebe Aarau gehört haben.