Aarau

Die «Brunchgöttin»: Sie bringt das Essen nach Hause oder an den Lieblingsplatz

«Brunchgöttin» Regina Maurer zeigt, wie man aus einem Apfel einen Schwan schnitzt.

«Brunchgöttin» Regina Maurer zeigt, wie man aus einem Apfel einen Schwan schnitzt.

Die Aarauerin Regina Maurer bringt als «Brunchgöttin» das Essen den Kunden nach Hause oder an deren Lieblingsplatz. Seit etwas mehr als einem halben Jahr bietet Regina Maurer ihren Catering-Service an – für zwei bis acht Personen, es können aber auch mal ein paar mehr sein.

Sie sieht ein bisschen aus wie die perfekte Hausfrau der 50er-Jahre. Die roten Haare hochgesteckt, schwarzes Kleid mit Bleistiftrock und Puffärmelchen, darüber eine Stoffschürze mit Blümchen und Tupfen, auf der Brust prangt ein Schild, das mit goldenen Lettern verkündet: Brunchgöttin. Regina Maurer steht in ihrer Wohnung am Rande der Aarauer Altstadt und strahlt. Der kurzfristig angesagte Besuch der az scheint sie nicht im Geringsten aus dem Konzept zu bringen: An einem hundskommunen Montagnachmittag hat sie spontan in ihrer Stube einen Tisch mit allerlei Köstlichkeiten aufgebaut. Sie will nicht nur über ihren Brunch-Catering-Service «Brunchgöttin» reden, sondern auch direkt zeigen, was sie kann.

Wie Regina Maurer selber versprüht ihr Werk einen Hauch von Vintage und Landhaus: Die feinen Porzellanteller haben lila Blümchenmuster und einen Goldrand, die Eierbecher sind gleich ganz golden, die Serviette ist mit einem Spitzen-Band gebunden, darunter klemmt eine Blüte. Auf der Etagère liegen Trauben, mit Goldstaub verziert, daneben thront ein Schwan, geschnitzt aus einem Apfel. Frische Blumen, goldener Eierbecher. Verschiedene Käsesorten, schön drapiert. Daneben ein Brotkorb und ein Tablett mit Blätterteig-Frucht-Gebäck, noch warm. «Apfelrosen frisch aus dem Ofen», erklärt Regina Maurer. «Sie sehen so romantisch aus.» Flugs streut sie noch Puderzucker drüber, «es muss perfekt aussehen». Sie setzt sich erst an den Tisch, als der Besuch tipptopp versorgt ist. Schnell wird klar: Hier ist eine geborene Gastgeberin am Werk.

Ein lange gehegter Wunsch

Seit etwas mehr als einem halben Jahr bietet Regina Maurer ihren Catering-Service an – für zwei bis acht Personen, es können aber auch mal ein paar mehr sein. Sie geht bei den Kunden vorbei, arrangiert den Brunch und dekoriert den Tisch. Dann verschwindet sie wieder, bis alle satt sind und sie den Anruf zum Abholen des – hoffentlich leer gegessenen – Geschirrs erhält. Dieser Service ist in der Schweiz praktisch einzigartig.

Die «Brunchgöttin» war Regina Maurers «ganz lang gehegter Wunsch». Schon als Kind hat sie gerne gekocht und gebacken. Sie wurde dann doch Hebamme – aber der Traum von der Gastronomie liess sie nicht los. Maurer begann, nebenberuflich in kleinen Restaurants zu arbeiten; erst in der «Herzbaracke» in Zürich, später etwa auch bei «Frau Meise» in Baden. Dann keimte die Idee auf, einen Brunchservice anzubieten. Sie nahm sich einen Monat Ferien, um die «Brunchgöttin» aufzubauen. Im April letzten Jahres war sie startklar. Seither richtet sie etwa zwei Brunches pro Monat aus. Entweder wird sie für Anlässe gebucht oder ihre Dienstleistung wird in Form von Gutscheinen verschenkt. «Ich wurde auch schon angefragt, um für ein frischgebackenes Ehepaar am Morgen nach der Hochzeit einen Brunch bereitzustellen», erzählt sie.

Das Angebot ist, verglichen mit einem Brunch im Restaurant, nicht ganz günstig. Etwas über 60 Franken pro Person kostet ein «Brunchgöttinnen»-Zmorge. Supplements wie frisch zubereitetes Rührei oder Kaffeespezialitäten aus der Baristamaschine sind mit Aufpreis möglich, ebenso vegane Varianten oder Brunches für Weizenallergiker. Fast alles ist regional und vor allem nachhaltig produziert. Höchstens die eine oder andere exotische Frucht auf dem Tisch stammt nicht aus der Schweiz. Das Brot kommt zum Beispiel von der Bäuerin in Erlinsbach, die Blumen vom Aarauer Markt, das Fleisch von der Metzg ein paar Häuser weiter. Einiges bereitet Maurer auch selber zu, zum Beispiel das Granola fürs Müesli oder die Cantuccini zum Kaffee. «Alles sehr bodenständig, aber in guter Qualität», erklärt Maurer.

Brunchen drinnen oder draussen

Die Individualität und die Liebe zum Detail machen die «Brunchgöttin» aus: «Ich frage die Leute vorher, was sie mögen. Geisskäse? Roastbeef? Oder lieber etwas ganz anderes?» Sie vergisst auch nicht, dem Geburtstagskind eine kleine Aufmerksamkeit hinzulegen oder etwas Besonderes für den Fünfjährigen am Tisch.

Maurer richtet den Brunch nicht nur in den Wohnungen ihrer Kunden aus, sondern auch im Freien. Dort etwa, wo der Hochzeitsantrag stattgefunden hat, oder am Lieblingsplatz des Geburtstagskindes. «Ich finde beim Joggen oft schöne Plätze, an denen ich gerne mal einen Brunch ausrichten würde», sagt Maurer. «Dann sehe ich schon meinen Leuchter in den Bäumen hängen und den schön gedeckten Tisch mit dem weissen Tischtuch darunter stehen.»

Regina Maurer arbeitet weiter als Hebamme in einer Aarauer Klinik. Sie sieht durchaus Parallelen zwischen den beiden Berufen: «Es schaut jemand zu einem, tut einem etwas Gutes. Das schätzen die Leute sehr.» Die «Brunchgöttin» sei mehr als ein Hobby: «Ich meine das sehr ernst, die Idee hat Potenzial», sagt sie. «Die Menschen haben heute alles, ausser Zeit. Durch den Brunch bekommen sie in ihren eigenen vier Wänden Zeit für sich selber. Zum Geniessen, Runterfahren, ohne Stress.»

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