Aarau
Die Bevölkerung von Aarau schreibt Zeitgeschichte an die Rohbauwände

Der Neujahrsempfang der Stadt Aarau stand unter dem Motto «Aarau geht fremd». Sechzehn Gastgeber öffneten Tür und Tor und gewährten den Besucherinnen und Besuchern einen Blick in fremde Welten.

Markus Christen
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Die Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech wünscht den Anwesenden im Kultur- und Kongresshaus ein gutes neues Jahr
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Die Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech während ihrer Ansprache im Kultur- und Kongresshaus
Der Neujahrsempfang der Stadt Aarau fand an 16 verschiedenen Orten statt.
Blick in das Kultur- und Kongresshaus
Moody Tunes sorgten für das musikalische Ambiente im Kultur- und Kongresshaus
Wortschatztruhe bei der Sprachschule von Birgit von Brueckner
Beach-Party in der Garage von Familie Maurer
Unter dem Motto Aarau meets Lateinamerika meets Eritrea konnte man sich eritreisch verpflegen bei der Reformierte Kirchgemeinde Aarau
Hans Hochuli, Präsident des Vereins für Briefmarkenkunde Aarau, präsentiert die Ausstellung an der Bachstrasse
Rundgang im Rohbau des Erweiterungsbaus des Stadtmuseums Schlössli
Rundgang im Rohbau des Erweiterungsbaus des Stadtmuseums Schlössli
Nadia Bacchetta (Orgel) und Judith Simon (Sax) in der Stadtkirche Aarau
Michael Ganz, Leiter der Neujahrskommission, übergibt der Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech eine Feder im KUK
Im Dutch Living von Ellen Brandsma
Gemütliche Momente im Traum-Theater Valentino
Gemütliche Momente im Traum-Theater Valentino
Im Figurentheater konnte man selber Puppen bauen.
Die Künstlerin Iris Sidler (Mitte) hat die schönsten Eindrücke ihrer exotischen Reise zwischen 0 und 8848 m in Fotos festgehalten.
Bandoneonist Jonatan Blaty beim Verein TangoAarau
Ausstellung zur Inflation in Deutschland im Forum Schlossplatz

Die Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech wünscht den Anwesenden im Kultur- und Kongresshaus ein gutes neues Jahr

André Albrecht

Einkaufen in den Zeiten des Staatenbundes: Im Frühjahr 1832 bestellte der Coiffeursalon Baer aus Aarau per Briefpost bei Madame Poneet in Lyon unter anderem ein Pfund Kurzhaare für Perücken und Toupets. Der Verein für Briefmarkenkunde Aarau, in dessen Besitz sich der haarige Brief befindet, hat im Rahmen des Neujahrsempfangs die Vereinswohnung an der Bachstrasse geöffnet, um der Aarauer Bevölkerung eine kleine, aber äusserst spannende Ausstellung zu präsentieren.

«Spannend wird die Philatelie, wenn man den Geschichten nachspürt, die sich hinter einer Briefmarke oder einem Brief befinden», sagt Vereinspräsident Hans Hochuli. Fremde Zeiten werden wieder lebendig, fremde kulturelle Umstände werden begreifbar gemacht.

Kalorienvergessen zubeissen

Aarau ist am Neujahrsempfang 2014 unter dem Motto «Aarau geht fremd» für viele Geschichten gut. Insgesamt 16 Gastgeber luden die Bevölkerung zwischen 16 und 18.45 Uhr ein, den Blick und das Interesse fernwärts zu richten, sich auszutauschen und das neue Jahr zu begrüssen.

Im Dutch Living, dem Fachgeschäft für Lifestyle von Ellen Brandsma, durften die Besucher herzhaft in einen traditionellen holländischen Oliebollen beissen.

In der Sprachschule Bvoice von Bergen von Brückner wurde fremden Sprachen gelauscht. Die Kinder konnten sich im Fabrikpalast von den skurrilen Protagonisten des Figurentheaters bezaubern lassen.

Erste Ansprache von Jolanda Urech

Eine schöne Idee setzten auch die Verantwortlichen des Stadtmuseums um. Am Ende des beeindruckenden Rundgangs durch die Baustelle zur Erweiterung und Sanierung des Schlösslis wurde in der entstehenden grossen Ausstellungshalle bereits auf die erste geplante Wechselausstellung nach dem Umbau aufmerksam gemacht. «Sollen alle Menschen die gleichen Rechte haben?», wurden die Besucher gefragt, und sie konnten ihre Gedanken mit Kreide festhalten.

«Es freut uns, dass wir ein Thema für unsere erste Ausstellung gefunden haben, das die Menschen beschäftigt», sagt Kurator Marc Griesshammer. Zudem werden die Kreidebeiträge auf der Mauer konserviert und vielleicht in einem kommenden Jahrzehnt oder Jahrhundert wieder freigelegt. «Das ist ein schöner Nebeneffekt. Am Neujahrstag entsteht ein Zeitdokument aus historischen Zitaten», so Griesshammer.

Ab 19 Uhr wurde der Neujahrsempfang im Kultur- und Kongresshaus mit Musik, Tanz, Speise und Trank fortgesetzt. In ihrer ersten Ansprache als Stadtpräsidentin dankte Jolanda Urech für das grosse Vertrauen und die Ehre, die ihr zuteilwurden. Im Sinne des Abends deutete sie das Fremdgehen positiv. Es lade ein, , Vertrautes zu verlassen und Neues kennenzulernen. Das zahlreiche Publikum im Saal unterstützte sie: «Wagen Sie eine Reise in die Fremde und bringen Sie ihre Erfahrungen in der Stadt ein.»