Es sei schon ganz aussergewöhnlich, dass sie in Aarau eine Begrüssung machen dürfe, sagte Monika Schenker, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach AG. Der Anlass, zu dem sich einige Dutzend Personen im Aarauer Feuerwehrmagazin versammelt hatten, betraf eben auch Schenkers Gemeinde. Und Erlinsbach SO, Küttigen sowie den Kanton. Letzterer hatte zu einer Veranstaltung geladen, die man so bisher noch nicht kannte: Die Bevölkerung soll schon bei der Erarbeitung der Vorstudie für eine umfassende Sanierung der Kantonsstrasse eingebunden werden.

Betroffen ist der Perimeter Kettenbrücke (respektive Pont Neuf), Weinbergkreisel, Rombacherhof, Erlinsbacherstrasse, Aarauerstrasse, Löwenkreisel. Der Anlass hatte Pilotcharakter. So betonte Vizestadtpräsident Werner Schib: «Normalerweise werden Gemeinden und Anwohner erst sehr viel später in die Planung einbezogen.»

«Breites Meinungsspektrum»

Die Vorstudie solle nicht nur die Strasse umfassen, sondern «auch die Seitenräume mitnehmen», erklärte Dominik Kramer, Leiter Infrastruktur/Netze bei der Abteilung Verkehr im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Und Moderator Ruedi Häfliger vom Planungsbüro Metron AG betonte, man wolle das Publikum an diesem Abend «nicht mit Ideen bedienen», sondern dessen Bedürfnisse abholen. Sprich: Die Bevölkerung, welche die Strassen jeden Tag nutzt, soll ihre Erfahrung und Ortskenntnisse den Planern zur Verfügung stellen. Was eine Mutter gleich demonstrierte, die sagte, die von den Planern präsentierten Unfallzahlen seien nicht korrekt, sie wisse von weiteren Vorkommnissen, die wohl nicht gemeldet wurden.

In drei Diskussionsgruppen wurden die einzelnen Strassenabschnitte diskutiert und am Ende die Erkenntnisse zusammengetragen. Wird die Unterführung in Erlinsbach überhaupt benutzt? Sind die Fussgängerstreifen gut platziert? Fühlt man sich als Velofahrer sicher? Um es vorweg zu nehmen: Das «breite Meinungsspektrum», das der Moderator erkannte, zog sich durch fast alle Themen.

Zunehmend Lastwagenverkehr

Einig war man sich vor allem darin, dass der Schwerverkehr in den letzten vier bis fünf Jahren massiv zugenommen habe. «Ich meine nicht die Lastwagen, die auf die Barmelweid-Baustelle fahren», sagte eine Dame, «sondern die ausländischen Schwertransporte, die hier schon ab dem frühen Morgen durchfahren.»Die Besucher bestätigten auch das vom Kanton verortete Rückstauproblem: Zu Stosszeiten beträgt der Stau vor dem Weinbergkreisel von Erlinsbach her bis zu 400 Meter, von Küttigen her bis zu 100 Meter. Davon betroffen ist auch der Bus, der lediglich eine ganz kurze eigene Spur hat. Entsprechend viel Verspätung hat dieser jeden Tag. «Wenn man den Anschluss am Bahnhof erwischen will, muss man einen Bus früher nehmen», konstatierte ein Herr.

Bei der Strasse handelt es sich um eine kantonale Hauptverkehrsachse. Die Verkehrszahlen belegen das eindrücklich: Die Aarauerstrasse (respektive Erlinsbacherstrasse) wird täglich von 11'000 Fahrzeugen genutzt, der Abschnitt Weinberg-Kreisel bis Rombacherhof von 12'000 Fahrzeugen und der Abschnitt Kreisel bis Kettenbrücke von 16'500 Fahrzeugen. «Man muss den Verkehr verflüssigen, aber verlangsamen – selbst wenn das paradox klingt», sagte ein Besucher. Wobei über die Frage, ob auf der Strasse generell zu schnell gefahren werde oder nicht (es gilt durchgehend Tempo 50), Uneinigkeit bestand. Bemängelt wurden von mehreren Personen teilweise schlechte Sichtverhältnisse für Einbieger.

Konsens herrschte über alle Diskussionsgruppen hinweg in der Komfort-Frage: «Die Aufenthaltsqualität ist sehr gering», fasst etwa David Fiore, Leiter Bau/Planung der Gemeinde Erlinsbach AG, die Diskussion in seiner Gruppe zusammen. Eine Aufwertung, namentlich auch auf Gemeindegebiet Erlinsbach, werde als notwendig empfunden.

Seitenhieb gegen Hündeler

Punkto Veloverkehr hiess es in vielen Voten, die Strasse sei gefährlich und die Ausweichroute via Aarekanalweg attraktiver, aber nicht genug beleuchtet. Ausserdem werde dieser Weg mittlerweile so stark genutzt, dass es zu Konflikten mit Fussgängern komme. Und apropos Fussgänger: «Die Leute sollen von daheim aus mit dem Hund spazieren gehen und nicht 500 Meter mit dem Auto ans Aareufer fahren», sagte ein Herr, der die Zustände auf den beiden öffentlichen Parkplätzen bemängelte.

Aus dem Plenum, dem unter anderem auch Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer (die Eniwa ist ein wichtiger Grundeigentümer), die Gemeindepräsidentin des Solothurner Erlinsbach, Madeleine Neumann, sowie der Küttiger Tiefbau-Gemeinderat Raymond Hunziker angehörten, wurden auch eine zusätzlich Bushaltestelle an der Gemeindegrenze Aarau-Erlinsbach sowie weitere respektive bessere Zugänge zum Grünraum der Aare gewünscht. Sowieso: «In den letzten Jahren hat man jedes Bäumchen weggenommen», beklagte eine Frau den Verlust. Man solle bei der Planung der deshalb auch auf eine gute Vernetzung der Wege für die Tierwelt achten, verlange ein Besucher.

Die Planer arbeiten nun an der Vorstudie. Sie soll Ende 2019, Anfang 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt und dann in die Mitwirkung gegeben werden. Der Start der Projektierungsarbeiten ist für etwa 2020/21 vorgesehen. Kanton und Gemeinden bearbeiten die Projekte in ihren Zuständigkeiten ab dann separat.