Aarau
Die Beschwerde gegen Aarauer «Bed and Breakfast» ist abgewiesen

Weil er nicht genug nah wohnt, scheitert ein Quartierbewohner mit seiner Beschwerde gegen das «Bed and Breakfast» im Zelgliquartier.

Sabine Kuster
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Das Gästehaus im Zelgli.

Das Gästehaus im Zelgli.

Sabine Kuster

Zwei Jahre dauert das Seilziehen zwischen den zwei Nachbarn schon. Es geht um ein Haus im Zelgli, das die Familie Leitner-Cavegn gemietet hat. Die Familie, zu der auch die Stadträtin Angelica Cavegn Leitner gehört, quartiert im Haus mit den 18 Zimmern an der Zelglistrasse bislang Langzeitgäste ein. Um zusätzlich ein B&B einzurichten, reichte der Liegenschaftsbesitzer im Juni 2013 ein Umnutzungsgesuch für sechs B&B-Zimmer ein. Im Juni 2014 bewilligte die Stadt das Gesuch mit der Begründung, ein B&B sei im Zelgli zonenkonform, da es sich um eine stille Nutzung handle.

Dagegen prozessierte Anwohner Martin Ammann bis vor Verwaltungsgericht. Doch auch das Verwaltungsgericht kommt nun zum Schluss: Der Quartierbewohner wohnt nicht genug nah, um beschwerdeberechtigt zu sein. Bei einer Distanz von ca. 140 Metern bestehe keine besondere Beziehungsnähe.

Nur sechs Zimmer für B&B

Ammann zieht die Beschwerde nicht vor Bundesgericht. Doch er ärgert sich weiter: «Nur weil ich etwas zu weit weg wohne, wird nun die Frage nicht geklärt, ab wie vielen Zimmer ein B&B ein Hotel ist.» In Aarau gibt es inzwischen verschiedene B&Bs, denn die Nachfrage ist gross, die meisten bieten ein oder zwei Zimmer oder Wohnungen an, zwei haben fünf im Angebot, die Leitners sechs.

Der Anwohner befürchtet, dass im Zelgli doch mehr als sechs Zimmer an B&B-Gäste vermietet werden, und fragt: «Wer kontrolliert das? Nachweisbar ist es nicht. Ich behaupte, dass das alles keine Langzeitmieter sind, denn die ausländischen Nummernschilder wechseln ständig.» Daniel Leitner, der das Gästehaus betreibt, widerspricht: «Hier wohnen nur Langzeitgäste, bis die definitive Bewilligung da ist.» Anfragen von Kurzzeitgästen während des Gigathlon oder des Volksmusikfestes habe er deshalb ablehnen müssen. «Seit zwei Jahren bieten wir für Langzeitgäste Zimmer während zwei Wochen bis neun Monate an und alle haben einen Mietvertrag», so Leitner.

Quartier-Parkplätze belegt

Martin Ammann stört sich auch daran, dass die «B&B»-Betreiber keine Hotel-Standards einhalten müssen. Daniel Leitner sagt dazu: «Wir haben bei weitem kein Hotel-Standard.» Für die Langzeitgäste gebe es weder Zimmerservice noch Frühstück.

Ammann geht es vor allem um die Parkplätze. «Ein Hotel muss eine gewisse Anzahl Parkplätze haben oder eine Ablösesumme bezahlen. Das Haus an der Zelglistrasse 26 hat nur fünf.» Das seien zu wenige. Er findet es nicht richtig, dass Gäste die öffentlichen Parkplätze im Quartier belegen und sagt: «Ich stelle fest, dass die Autos mit fremden Nummernschilder um das Gästehaus herum nie Vignetten haben.»

Ausserdem könnten in einem B&B die Registrierung der Gäste und die Zahlungsflüsse umgangen werden, wie sie in Hotels üblich sind und worauf die Polizei zurückgreifen kann. «Da könnte irgendwer hausen», sagt Ammann, «das wird nicht überprüft.»

Leitner widerspricht auch hier: «Ich habe von jedem Mieter Unterlagen und werde das auch von künftigen B&B-Gästen haben.» Zudem zahle der Liegenschaftseigentümer sehr wohl eine Ablösesumme für drei Parkplätze. «Unsere Bewohner haben die selben Rechte und Pflichten wie die Quartierbewohner», findet er bezüglich der Belegung öffentlicher Parkplätze. Die Hälfte komme ohnehin ohne Auto. «Wir haben unter den Langzeitgästen vor allem Praktikanten, Leute, die neu in Aarau eine Stelle haben, oder auch Aarauer, deren Haus renoviert wird.» Viele B&B-Gäste werden Kursbesucher sein und Velo-Touristen, schätzt Leitner.

Schweizweit ungeklärte Frage

Daniel Roth, Fachspezialist für Baubewilligungen bei der Stadt Aarau, hatte 2013 gesagt: «Von uns aus gesehen ist ein ‹Bed and Breakfast› eine Art Hotelbetrieb.» Doch die Stadt hat nur über die Zonenkonformität entschieden. Die Frage, ob oder wann ein B&B gewerbegesetzlich wie ein Hotel behandelt werden müsste, ist schweizweit umstritten und bleibt vorerst ungeklärt.