66 Prozent Zustimmung im solothurnischen Erlinsbach, 58 Prozent in aargauischen Erlinsbach: Die Bevölkerung der zwei Gemeinden, die durch die Kantonsgrenze getrennt sind, wünscht sich eine Fusion. «Die Deutlichkeit des Ergebnisses hat mich überrascht und sehr gefreut. Vor allem auch in Erlinsbach SO», erklärt Markus Lüthy, Gemeindeammann in Erlinsbach AG und SVP-Grossrat.

Ähnliches sagt Markus von Arx, Gemeindepräsident von Erlinsbach SO: Dass die Zustimmung so gross sei, habe ihn überrascht. Einer der Gründe für die hohe Zustimmung könnte sein, dass von den zahlreichen Neuzuzügern der letzten Jahre viele aus dem Aargau gekommen seien.

An der Umfrage hat sich in beiden Gemeinden etwa ein Drittel der Angeschriebenen (alle Schweizer über 16 Jahre) beteiligt. Die Umfrage gilt deshalb als repräsentativ.

Beide nach Aarau orientiert

In der Regel scheitern Gemeindefusionen daran, dass sich ein Teil der Bevölkerung querstellt. In den beiden Erlinsbach ist der Souverän dafür – aber trotzdem nicht alles in Butter. Denn die Solothurner Regierung hat bisher konsequent verhindert, dass Gemeinden abspringen. Zuletzt 2004 im Fall von Eppenberg-Wöschnau (sondierte den Anschluss an Aarau).

Warum wollen die Bewohner von Erlinsbach SO in den Aargau wechseln? Wegen der Steuern? Markus Lüthy verneint: «Der kommunale Steuerfuss ist in beiden Gemeinden gleich. Beim kantonalen gibt es Unterschiede, doch sind diese nicht so gross, dass sie in Erlinsbach SO den Ausschlag gegeben haben dürften.» Was ist dann die Motivation? «In beiden Orten ist man nach Aarau orientiert», erklärt Lüthy. Und: «Wir sind derart zusammengewachsen, dass wir zusammen ein Dorf bilden.» Früher habe es noch den konfessionellen Graben gegeben. Erlinsbach SO sei katholisch, Erlinsbach AG reformiert gewesen. «Dieser Graben ist heute nicht mehr spürbar», erklärt Lüthy.

Eine gemeinsame Schule

Eigentlich sind die beiden Erlinsbach bereits jetzt mehr als verlobt. Sie leben in einem stabilen Konkubinat. Das Aufeinaderzugehen begann in den Siebzigerjahren mit der Fusion der Feuerwehren. «Die beiden Gemeinden haben alles zusammengelegt, was möglich war», erklärt von Arx. Zivilschutz, Altersheim, Technische Betriebe und insbesondere auch die Schulen. Sie werden nach Aargauer Recht geführt. Und die Kinder aus Erlinsbach SO gehen in Aarau in die Bezirksschule.

Ein langer, steiniger Weg

Wie geht es jetzt mit dem Fusionswunsch weiter? «Als Erstes werden die Gemeinderäte von Erlinsbach SO und AG das Thema besprechen», erklärt Lüthy. Zufälligerweise ist für Donnerstag bereits eine der regelmässigen Sitzungen geplant. «Dann werden wir wohl in Solothurn vorstellig.» Lüthy macht sich keine Illusionen: «Es ist zu befürchten, dass sich die Solothurner Regierung querstellen wird.» Ähnlich schätzt Amtskollege von Arx die Solothurner Bereitschaft, Gemeinden ziehen zu lassen ein: «Solothurn ist dermassen mit seinen Nachbarkantonen verzahnt, da gäbe es noch viele Fälle, etwa im Bucheggberg oder im Schwarzbubenland.»

Bis zur Fusion werde es ein langer, steiniger Weg, sagt Lüthy. Aber bei den Zusammenlegungen in den letzten Jahren habe es anfänglich auch stets geheissen, das sei nicht möglich. «Und immer hat man es fertig gebracht», so Lüthy. Er ist kampfbereit: «Sollte die Regierung Nein sagen, dürfen wir die Flinte deswegen nicht einfach ins Korn werfen.»

Etwas weniger entschlossen ist Gemeindepräsident von Arx, der nach den Sommerferien aus dem Amt scheiden wird. Er glaubt, in der kommenden Amtsperiode werde sich kaum etwas in Richtung Fusion bewegen.

Aber die Erlinsbacher sind immer für eine Überraschung gut.