Bei der Regionalpolizei Suret ging am Montag eine etwas unübliche Meldung ein: Ein Zwergkänguru sei aus seinem Gehege in Schafisheim entflohen. Erst am Mittwoch morgen wurde es auf einer Baustelle in Gränichen gesichtet. Die Polizei rückte sogleich mit einer Streife aus und entdeckte das Tier in der Nähe eines Bauernhofs, unweit der Baustelle.

«Wir trieben das Zwergkänguru dann in einer Scheune in die Ecke und warteten auf die Ankunft des Besitzers und des Tierarztes», informiert Andreas Schumacher von der Regionalpolizei Suret auf Anfrage der AZ. «Es war keine Hetze, wir musste kein einziges Mal rennen. Das Ganze war ein regelrechter Spaziergang, für uns wie auch für das Känguru», fügt Schumacher an. 

Das ausgebüxte Känguru hüpft in Gränichen über eine Baustelle.

Eine Elektroinstallateurin filmte das Känguru, als es in Gränichen über eine Baustelle hüpfte.

Nicht nur die Polizei hatte ein einfaches Spiel. Auch für den hinzugezogenen Tierarzt Hans-Jakob Leuenberger verlief der Einsatz ohne Probleme: «Bei einem für uns relativ unbekannten Tier wie dem Wallaby muss man das Gewicht schätzen, was die Chance einer Über- oder Unterdosierung des Medikaments erhöht», sagt der Staffelbacher Tierarzt. Glücklicherweise traf Leuenberger auf Anhieb die richtige Dosierung. Weder zappelte das Tier, noch schlief es so fest ein, dass man Angst um das Ausbleiben der Atmung haben musste, erklärt Leuenberger. 

Wie die südamerikanischen Eingeborenen 

Das Einzige, was dem Veterinärmediziner nicht auf den ersten Versuch gelingen wollte, war das genaue Treffen mit dem Betäubungspfeil. «Man kann den Pfeil nicht irgendwohin schiessen. Bei einem Wallaby muss man entweder das Gesäss oder die Hintergliedmassen treffen. Alles andere führt höchstens zu einer Verletzung», so Leuenberger.

Zuerst versuchte er das Tier durch den Einsatz der Hochdruckpistole zu betäuben. Da er eine Verletzung durch den Betäubungspfeil verhindern wollte, wählte er nur eine geringe Schusskraft, wodurch allerdings die Treffgenauigkeit vermindert wurde. Der erste Pfeil konnte dann auch die Haut des Zwergkängurus nicht durchdringen. Anstatt die Schusstärke zu erhöhen, griff Leuenberger zu einer etwas unorthodoxen Methode: Er wechselte von der Hochdruckpistole aufs Blasrohr. «Das Blasrohr funktioniert genau gleich wie jenes der Eingeborenen aus Südamerika», sagt er. Es habe zwar weniger Durchschlagskraft, sei aber wesentlich genauer. Und es scheint als sei dies auch die richtige Entscheidung gewesen: Der zweite Pfeil traf und setzte das exotische Tier ruhig. 

Das Wallaby wurde dann gleich vor Ort vom Besitzer Raphael Urech (22) aus Schafisheim mitgenommen. Das exotische Wallaby ist nicht das einzige aufsehenerregende Tier Urechs: Nebst dem Wallaby besitzt er auch Affen, Riesenschildkröten, Alpakas und weitere Tiere.

Wie das Wallaby fliehen konnte, ist noch unklar. «Wir haben einen hohen Doppelzaun, das Wallaby hätte also gleich zwei Zäune überspringen müssen», sagt der Vater von Raphael Urech im Gespräch mit 20 Minuten

Schon 2006 entflohen zwei Wallabys

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Zwergkänguru im Aargau seinem Besitzer entwischt: 2006 flohen gleich zwei illegal gehaltene Wallabys aus ihrem Gehege. Auch damals rückte Hans-Jakob Leuenberger zum Einsatz aus. Doch die Umstände waren nicht so günstig wie am Mittwoch. Eines kehrte zwar von sich aus zum Gehege zurück, doch zum Einfangen des anderen Wallaby entwickelte sich eine regelrechte Jagd. In einem Maisfeld wurde es gestellt, doch aufgrund der hohen Distanz und ungünstigen Schussbahn traf der im Militär als Schütze ausgezeichnete Leuenberger nicht den Muskel: Das Wallaby ergriff die Flucht und konnte nicht mehr gefunden werden. Später kehrte es, wie schon das erste, von alleine zum Gehege zurück. 

Hier sehen sie die Bilder der Kängurujagd von 2006: