Aarau
Die Autonomen fordern ein eigenes Zentrum für Partys und Gratis-Laden

In den letzten zwei Jahren besetzten sie ab und zu den öffentlichen Raum – nun wirds konkret. Sie wollen ein «autonomes, selbstgestaltetes Zentrum» in Aarau. Das Kiff, das früher noch alternativ gewesen sei, sei nun eine gestandene Kulturinstitution.

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Autonome machen am Kutur-Workshop vor einer Woche auf ihre Forderung nach einem autonomen Zentrum aufmerksam. Christoph Voellmy

Autonome machen am Kutur-Workshop vor einer Woche auf ihre Forderung nach einem autonomen Zentrum aufmerksam. Christoph Voellmy

Christoph Voellmy

Es war letzte Woche am Workshop für ein Aarauer Kulturkonzept, als ein paar Vermummte den Saal im KuK stürmten und nach einem autonomen Zentrum riefen. Auf den Zettelchen, die sie flattern liessen, stand «destruktiver Beitrag» und als solcher wurde die Aktion auch wahrgenommen: Einmal fordern junge Autonome Freiräume, aber was genau sie wollen, wird nicht klar. Ab und zu besetzten sie für eine Nacht ein leerstehendes Haus und veranstalteten «nächtliche Tanzvergnügen» – zuletzt im September als nachträglich bewilligter Umzug, der friedlich verlief, aber viel Abfall hinterliess.

In den angeregten Diskussionen um die Aarauer Kultur an diesem Abend ging unter, dass die Aktivisten diesmal eine Forderung dabei hatten, ausformuliert auf vier A4-Seiten: «Konstruktiver Beitrag» lautet der Titel. Und darunter: «Heute starten wir die Kampagne für ein autonomes, selbstgestaltetes Zentrum in Aarau».

Die heutigen Jugendlichen der linksautonomen Szene sehen Aarau wie ihre Vorgänger: ruhig und angepasst. Sie schreiben: «Wir mögen Ruhe, Theater und Ordnung. Aber genau so lieben wir Lärm, Party und Chaos.» Wenn für ein neues Stadttheater Millionen ausgegeben werde, dann solle es in Aarau auch Platz für unkonventionelle Kulturprojekte haben.

Die Initianten schätzen zwar die in den letzten Jahren entstandenen kulturellen und Nischen wie das Atelier Bleifrei, der Jugendraum Wenk oder der Club Zoo (alle in der Region Gais angesiedelt), doch deren Zukunft sei ungewiss. Man anerkenne auch das KiFF, das vor 20 Jahren, als es entstand, noch ein Ort gewesen sei, wo alternative Kultur habe stattfinden können. Inzwischen sei das KiFF aber eine gestandene Kulturinstitution.

«Es ist uns klar, dass es wohl bei fast jedem Kulturprojekt möglich ist, mitzuwirken», heisst es im «Konstruktiven Beitrag». Jedoch bleibe es stehts ein Mitwirken. «Platz zum Austoben, Ausprobieren und Ausreizen gibt es nicht.»

Deshalb will die Gruppe Raum für ein alternatives Zentrum. Man wolle dort Konzerte, Kinoabende, Theater, Partys veranstalten und eine Volksküche, einen Bandraum, eine Bibliothek, eine Werkstatt oder einen «Gratis-Laden» einrichten. Es solle ein Ort sein für nonkonforme Kultur «ohne Rassismus, Sexismus, Homophobie, Kommerz, Religion und städtische Einflüsse».

Als Beispiel wird das Kulturzentrum Bremgarten (KuZeB) genannt, das seit über 20 Jahren ohne Unterstützungsgelder existiere. Auch das LaKuZ in Langenthal, der autonome Beauty Salon Zürich, das Rümpeltum in St. Gallen und der Espace Autogéré in Lausanne würden als selbstverwaltete Kulturzentren funktionieren.

Wie geht es aber weiter? Unterschrieben ist das Papier von «KAZ, Kampagne für eine autonomes Zentrum». Ohne Vor- und Nachname hat die Stadt noch immer keinen Ansprechpartner. Darauf wartet man aber im Rathaus auch nicht. Stadtrat Carlo Mettauer sagt: «Ein autonomes Zentrum ist, wie der Begriff ausdrückt, autonom, will unabhängig sein. Darum mischt sich auch die Stadt nicht ein, solange sich ein solches im gesetzlichen Rahmen bewegt.» Im Kulturkonzept für Aarau, das nun erarbeitet wird, würden Freiräume thematisiert, nicht aber ein autonomes Zentrum.

Aktuelle Nachrichten