Aarau
Die Armee will auch das Zeughaus in Aarau weiterbetreiben

Bis Ende Jahr muss der Kanton zum Stationierungskonzept der Armee Stellung nehmen. Ein wichtiger Punkt ist, wie stark der Kanton in Liegenschaften investieren will. Das gilt auch für das Zeughaus.

Sabine Kuster
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Rekruten machen Rumpfbeugen auf dem Dachboden im Zeughaus südlich der Rohrerstrasse.

Rekruten machen Rumpfbeugen auf dem Dachboden im Zeughaus südlich der Rohrerstrasse.

Jiri Vurma

Die Armee will nicht nur die Kaserne, sondern auch das Zeughaus in Aarau weiterbetreiben. So steht es im neuen Stationierungskonzept. Bedeutet das das Aus für die Idee des Kantons, der das Departement Gesundheit und Soziales ins Zeughaus nördlich der Rohrerstrasse umsiedeln will?

Und bedeutet es auch das Aus für den Gestaltungsplan Torfeld Nord südlich der Rohrerstrasse, wo Kanton und Stadt eine Umnutzung planen?

Wenn die Durchdiener nicht mehr in Aarau stationiert sind, ist eigentlich davon auszugehen, dass der Militärfahrzeugpark nicht mehr dort stehen würde und viel Platz frei wird.

Aarauer Pub-Wirte: «Rekruten sind Anständige Gäste»

Nicht überall in den Aarauer Restaurants sind die Rekruten gern gesehene Gäste. Doch in den beiden Pubs «Penny Farthing» an der Bahnhofstrasse und im «Mr. Pickwick» am Graben wird man die Rekruten vermissen, wenn in drei Jahren die 500 Durchdiener der Infanterie wegbleiben werden und nur noch 60 bis 80 Militärmusiker in Aarau in den Ausgang gehen.

Im «Penny» veranstaltet Wirt Ian Nicol jeweils am Donnerstag, wenn die Rekruten Ausgang haben, eine «Burger-Night» mit Quiz. «Die Rekruten machen oft mit beim Quiz, sie integrieren sich und sind anständige Leute.» Wie stark sich der Wegfall der Infanterie auf sein Geschäft auswirken wird, sei schwer zu sagen. Weil die Region Bahnhof Aarau in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebte, dürfte der Wegfall nicht gravierend sein.

Genau ausgerechnet hatte es gestern schon der Wirt des «Pickwick», Roland Gubler. Wenn die Rekruten Ausgang hätten, trügen sie jeweils rund 20 % zum Tagesumsatz bei, sagt Gubler. Da das aber an bloss 50 Tagen im Jahr der Fall sei, sei die Auswirkung nicht sehr schlimm - schätzungsweise 3% seines Jahresumsatzes macht er mit den Militär-Gästen. Die Auswirkungen des Nichtrauchergesetzes schätzt er mit minus 15 % viel gravierender ein. Dennoch bedauert er den Wegfall der Infanterie-Rekruten: «Es sind nette Leute und ich kann mit ihnen meine Dialekt-Kenntnisse ausweiten.» (kus)

«Wir wissen nichts Neues», sagt François Chapuis, Leiter der Immobilien Aargau, einmal mehr. Beim Verteidigungsdepartement des Bundes (VBS) sagt Kommunikationschef Peter Minder jedoch: «Wir sind mit Regierungsrätin Hochuli schon länger am Verhandeln, sie ist informiert.»

Nachdem das Stationierungskonzept bekannt ist, gehen die Verhandlungen eine Runde weiter. Wie gestern klar wurde, geht es vor allem darum, wie stark sich der Kanton finanziell engagieren und in die Liegenschaften investieren will. Bis Ende Jahr muss der Kanton zum Stationierungskonzept der Armee Stellung nehmen.

Kanton kann noch verhandeln

Das gilt auch für das Zeughaus. Deshalb sei noch nichts entschieden, sagt Minder. «Es ist weiter ein Thema.» Er rechnet damit, dass bis März die Entscheide gefallen sind.

Oliver Bachmann (SP), der im Sommer die Motion für ein neues Kasernen-Nutzungskonzept eingereicht hatte, sagt auch zum Kasernenareal: «Viele Gemeinden wollen und brauchen die Armee. Aarau nicht. Deshalb wäre auch das Zeughausareal an dieser guten Lage für Besseres zu nutzen als für Lagerhallen.»