Peter Kotz kennt die Aarauer Verhältnisse, hat er doch im Auftrag des Vereins Zentrum eine Analyse zum Detailhandel in der Alt- und Neustadt verfasst.

Das Zentrum, so der Fachmann für urbane Nutzungen, wolle gezielt Einfluss nehmen «auf eine höhere Attraktivität der Altstadt», die laut der Studie «ein grosses Potenzial» aufweist. So könnten «Umsatz und Frequenz der Detailhandelsgeschäfte innert fünf Jahren voraussichtlich verdoppelt werden».

Neue Geschäftsmodell erforderlich

Involviert auf dem Weg zum Erfolg sind allerdings mehrere Akteure, von der öffentlichen Hand über Handel und Gewerbe, von den Eigentümern bis zu den Bewohnern. Im kommerziellen Bereich brauche es nach wie vor eine «bessere Anbindung der Altstadt an die Neu- oder Innenstadt».

Erforderlich seien «neue Geschäftsmodelle beim Detailhandel und zeitgemässe Gastronomiekonzepte», ergänzt mit «innovativen Hotelformaten». Schliesslich gelte es, «neue Ansätze bei der Gestaltung der Eventpolitik» zu finden und zu realisieren.

Bei allem Lob verweist Peter Kotz auch auf unveränderte Schwachstellen. Gemäss einer Umfrage wollen «rund 20 Filialisten zwar einen Standort in der Innenstadt von Aarau, keiner zieht jedoch ausdrücklich ein Geschäft in der Altstadt in Erwägung».

Der Mangel an Frequenzen

Im weiteren spiegelten «Standortwechsel von Geschäften oder gar Schliessungen dieses Frequenzmanko wieder». Beispiele aus jüngster Zeit: Das Maison Bambou zügelt von der Pelzgasse an die Kasinostrasse, Eva Kuhn verlegt ihren Laden «purpur & weinrot» per Ende Juni nach Schönenwerd.

Auch positive Signale

Doch es gibt auch positive Signale. Per Ende Monat schliesst das Modegeschäft von Däniken seine Filiale an der Badenerstrasse in Brugg, nach 70 Jahren notabene. Markus von Däniken begründet diesen Schritt zur Konzentration mit «strategischen Gründen».

Der Standort Aarau habe ein «starkes Entwicklungspotenzial», im Gegensatz zum Detailhandel in Brugg, dessen Zukunft von Däniken «im mittleren und oberen Segment» als «zurückhaltend» einschätzt.

Däniken glaubt nicht an eine «belebende Altstadt» in Brugg. Das gilt wohl auch für Zofingen, das im Gegensatz zu Aarau in Sachen «Standortmarketing» noch ganz am Anfang steht (az vom 14. Juni). Bei der Belebung der Altstadt fehlten «klare Visionen», hiess es im Rahmen eines Gedankenaustausches zwischen dem Stadtrat und dem Gewerbe in der Thutstadt.

Aarau um Meilen weiter

In Aarau ist man auf diesem Weg um Meilen weiter, auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist. Trotzdem ist Marcel Suter mit dem bisher Erreichten zufrieden.

Der Präsident der Aarauer Detailhandels-Vereinigung Zentrum erinnert sich an den 4. März 2006, als bei der offiziellen Befreiung des Stadtkerns vom Durchgangsverkehr viele den kommerziellen Untergang der Altstadt voraussagten.

«Wenn ich in der Rückblende auf die letzten sieben Jahre ein Fazit ziehen darf, so kann ich festhalten, dass Aarau sich gegen dieses Schicksal erfolgreich gewehrt hat». Den Tod in der Altstadt, so Suter, überlasse man gerne und ausschliesslich der TV-Krimiserie «Der Bestatter».

Es war auch der Aarauer Zentrums-Präsident, der beim Kanton das «brachliegende Potenzial der Aargauer Altstädte» monierte und damit bei der Aargauer Standortförderung auf offene Ohren stiess.

Eine Zusammenkunft aller Beteiligten unter dem Titel «Ungenutzte Marke Aargauer Altstädte» hätte am 21. Juni stattfinden sollen, ist aber wegen Terminkollisionen verschoben worden.