Grüne Daumen
Die alte Stadtgärtnerei wird selbstständig

Die Stiftung Schloss Biberstein überlässt den Betrieb den zwei längjährigen Betreuerinnen Franziska Koller und Sabina Neukom. Für die beiden Frauen ist es der Schritt in die Selbständigkeit.

Sabine Kuster
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Die alte Stadtgärtnerei

Die alte Stadtgärtnerei

Seit zehn Jahren betreibt die Stiftung Schloss Biberstein die alte Stadtgärtnerei am Aareufer in Aarau. Franziska Koller und Sabina Neukom betreuten hier Arbeitsplätze für sechs bis sieben Menschen mit geistiger Behinderung. Nun werden die beiden Frauen mit ihrer Gärtnerei selbstständig.

Aaraus alte Stadtgärtnerei verdient die Bezeichnung «alt»: Die Luken in den sanierungsbedürftigen Gewächshäusern müssen von Hand geöffnet und geschlossen werden, wenn das Wetter wechselt, also rund um die Uhr. Eine automatische Belüftungs- und Schattierungsanlage gibt es nicht. Ausserdem verfügt die Gärtnerei nur über einen einzigen geschlossenen Raum, der winters sowohl zum Arbeiten wie auch für Pausen genutzt wird. Die Heizung unterscheidet nicht zwischen Arbeitsraum und den Gewächshäusern und wärmt alles gleichermassen.

Sanierung wäre schwierig

Als Pächterin will die Stiftung keine neue Gärtnerei bauen, zudem liegt diese in der Grünzone; eine Baubewilligung wäre schwierig geworden. Die Stiftung entschloss sich, deshalb den Betrieb Ende Jahr aufzugeben. Die sechs geistig behinderten Arbeiter werden in verschiedenen Gruppen in Biberstein eingegliedert. Am naheliegendsten sind der Weinbau und die Gartenservice-Gruppe, die bei Kunden Sträucher schneidet oder Rasen mäht. «Die Betreuten haben es erstaunlich gut aufgenommen», sagt Sabina Neukom.

Die Leiterinnen selbst mussten den Entscheid erst einmal verdauen. Beide hatten während zehn bzw. neun Jahren viel Herzblut in die Gärtnerei gesteckt. Sie schufen einen originellen Selbstbedienungsladen, der heute weitherum bekannt ist. Dort verkauften die beiden Frauen mit den Betreuten nicht nur Setzlinge, Blumen, Gemüse, Früchte und Eingemachtes – sondern auch Duftpflanzen, Nester für Wildbienen und Werke wie den «Gartenstuhl» mit spriessenden Blumen auf der Sitzfläche oder den «Lebensbaum», eine dekorative Stele.

Dies soll so bleiben. Franziska Koller und Sabina Neukom haben sich entschlossen, die Gärtnerei allein weiterzuführen und kündigten bei der Stiftung Schloss Biberstein. «Wir werden mit der Gärtnerei weiter zusammenarbeiten», sagt Emanuel Duso, Geschäftsführer der Stiftung, «in welcher Form, ist noch nicht klar.»

Stadt begrüsst Gärtnerei – vorläufig

Der alte Pachtvertrag läuft Ende Oktober 2011 aus. Die Stiftung will ihn nun schon Anfang Jahr kündigen, damit Franziska Koller und Sabina Neukom einen neuen beantragen können. Gemäss Stadtrat Beat Blattner will Aarau das Gelände vorläufig nicht für die Gestaltung des Aareraums Ost (az Aargauer Zeitung vom 15.10.). «Solange nichts anderes geplant ist, ist die Stadt froh, wenn es dort weiterhin schön aussieht», sagt Beat Wittwer von der Liegenschaftsverwaltung.

Die beiden Frauen sind zuversichtlich, dass der Betrieb auch zu zweit funktionieren wird – mit weniger Händen zum Arbeiten, aber auch
weniger Betreuungsaufwand. «Jetzt steht zuerst einmal ein guter Abschluss mit den Betreuten im Vordergrund», sagt Franziska Koller. Sabina Neukom fügt an: «Wir werden sie vermissen.» Einige von ihnen hatten seit der Entstehung der Schlossgärtnerei hier gearbeitet.