Kolumne

Die Alte Stadtgärtnerei neu gedacht

Die Alte Stadtgärtnerei in Aarau.

Autorin Martina Suter lanciert die Idee eines «Gartensitters». Sie ist Unternehmerin, Vizepräsidentin der FDP Aarau und des Kreisschulrats Aarau-Buchs.

Jede und jeder in Aarau kennt wohl die schmucke Alte Stadtgärtnerei. Die beiden langjährigen Pächterinnen haben mit viel Herzblut und Kreativität eine wunderschöne Oase an der Aare geschaffen. Mit luftig, duftig, bunt und handfest umschreiben sie ihr engagiertes, erfolgreiches Tun treffend. Sei es für meinen eigenen Garten, sei es für ein Geschenk, immer habe ich in der grossen Auswahl etwas Passendes gefunden.

Nun wird eine Nachfolge gesucht. Die Geschichte soll mit Begeisterung weitergeschrieben, ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Grossverteiler und Gartencenter teilen den Pflanzenhandelskuchen so ziemlich unter sich auf. Für einen kleinen, privaten Betreiber gibt es in diesem Segment nur wenig zu gewinnen. Die Stadtgärtnerei muss neu gedacht werden. Für einmal bedauere ich, dass ich weder Gärtnerin noch Handwerkerin bin. Eine Bewerbung kommt damit nicht infrage. Als Gartenliebhaberin hätte ich aber eine Idee, wie es mit unserem Schmuckstück an der Aare weitergehen könnte. Ob sich’s rechnet, weiss ich noch nicht. Das folgende Gedankenspiel könnte mal der Anfang von Neuem sein: Die Gartenstadt Aarau wird mit «gemanagten Kleingärten der besonderen Art» ergänzt!

Schrebergärten sind beliebt und Bestandteil jeder Schweizer Stadt. Nicht nur für Familien, sondern auch für Alte und Junge, Einheimische und Fremde sind sie oft eine begehrte und sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie bieten das persönliche Erlebnis vom Säen, Wachsen, Gedeihen, Ernten und sind oftmals ein willkommener Ort der Begegnung. Für alle, die beruflich oder privat viel unterwegs sind, war die regelmässige Pflege eines Gartens bislang keine Option. Aber vielleicht gibt es noch andere Gartenfans wie mich, die Freude an der eigenen Rüebliernte hätten.

Wie stelle ich mir also diesen gemanagten Schrebergarten vor? Interessierte könnten auf dem Areal der Alten Stadtgärtnerei ihr eigenes kleines Gartenbeet mieten. Eine Grundausstattung an Hacken und Schaufeln, Giesskannen und Setzhölzern steht zum allgemeinen Gebrauch zur Verfügung. Wird fachkundige Beratung fürs Eintauchen in die eigene Gartenwelt benötigt, so steht eine Expertin oder ein Experte – eine Art Gartenmanager – vor Ort zur Seite.

Nun kann man verschiedene Service-Abos lösen. Das Einstiegsabo richtet sich an die Anfänger. Wer noch nicht viel vom Gärtnern versteht, kann den Gartenmanager einmal pro Woche eine Stunde als Lehrmeister beiziehen. Das Unterhaltsabo Mini deckt Ferien und Geschäftsreisen ab. Der «Gartensitter» kümmert sich liebevoll um die verschiedenen Salate, Gemüse- oder Blumenpflanzen, wenn ich geschäftlich unterwegs bin oder einige Ferientage ausserorts verbringen möchte. Und dann gäbe es noch das Unterhaltsabo Maxi für die ganz Vielbeschäftigten. Der Gartenmanager ermöglicht ihnen mit diesem Abo so die Freude an selbst Angebautem – auch wenn nicht täglich selbst zum Beet geschaut werden kann.

Und die Digitalisierung macht natürlich vor der Stadtgärtnerei nicht halt. Zur Grundausstattung gehört das Angebot von Push-Nachrichten auf mein Handy, die mich auf Wunsch zeitnah ans Wässern oder an die anstehende Ernte erinnern. Gern kann ich diese Arbeiten aber auch punktuell und je nach Abo an den Gartenmanager delegieren und muss so nicht auf mein eigenes Biogemüse oder den eigenen, besten aller Salate verzichten.

Die Idee ist multiplizierbar und kann auch in andere Quartiere ausgedehnt werden: Mithilfe von mietbaren, gemanagten Hochbeeten. Immer mal wieder wird das viele Grau und das wenige Grün im Aeschbachquartier, auf dem Kirchplatz, vor dem Schlossmuseum bemängelt. Auf den asphaltierten oder gepflästerten Plätzen könnten künftig trendige Hochbeet-Inseln mit unterschiedlichster, individueller Bepflanzung grünes Leben einhauchen, die Attraktivität steigern und den Austausch unter den Anwohnenden fördern. Es wäre doch wunderbar, wenn mit neuen Ideen und Technologien die Gartenstadt Aarau viele Mitbewohnerinnen und -bewohner zu leidenschaftlichen Hobby-Stadtgärtnern machen könnte!

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