Aarau
Die Alte Kanti Aarau entwickelt sich zur Frauenschule

Der Anteil der männlichen Maturanden ist auf knapp 41 Prozent gesunken. Die Ansprache an der Maturfeier hielt mit Staatsschreiberin Vincenza Trivigno eine Frau, die sich für den Besuch der Kanti noch gegen ihre Eltern durchsetzen musste.

Urs Helbling
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Staatsschreiberin Vincenza Trivigno sprach an der Maturafeier.

Staatsschreiberin Vincenza Trivigno sprach an der Maturafeier.

Alex Spichale

Geschafft! 258 Absolventen der Alten Kantonsschule Aarau haben die Abschlussprüfungen bestanden. Im Samstag erhielten sie im Saal der Freien Christengemeinde ihre Maturitätszeugnisse. «Die Geschlechterverteilung des diesjährigen Maturjahrgangs ist bemerkenswert und bestätigt sowohl das Geschlechterverhältnis des letzten Jahrgangs als auch den Trend der letzten Jahre erstaunlich präzis», erklärte Rektor Martin Burkard. Der Frauenanteil beträgt gut 59 Prozent (153 Schülerinnen). Die Männer brachten es noch auf knapp 41 Prozent (105 Schüler). Die Alte Kanti ist laut Burkard eine der grössten Mittelschulen der Schweiz. Im nächsten Schuljahr wird sie 60 Abteilungen mit ca. 1300 Schülern haben – zwei Abteilungen weniger als 2016/17.

Keine Selbstverständlichkeit

Die Ansprache an der Schlussfeier hielt Vincenza Trivigno, die Staatsschreiberin des Kantons Aargau. In einer bemerkenswert persönlichen Rede schilderte sie ihren Werdegang. Vincenza Trivigno erhielt am 22. September 1989 in Olten das Maturitätszeugnis – was keine Selbstverständlichkeit war. Der Bruder habe ihr geholfen, sich gegen ihre Eltern durchzusetzen. «Denn als zur Debatte stand, dass ich ins Gymi gehe, sagte meine Mutter: ‹Wieso willst Du ins Gymi, dann wirst du so gescheit, dass du keinen Mann mehr findest›.» So habe nicht nur ihre Mutter, sondern die ganze italienische Comunità gedacht. Trivigno sagt, sie sei eine Schülerin mit süditalienischen Wurzeln und sehr bildungsfernen Eltern: «Tatsächlich verkörpere ich Swissness pur. Das Rohmaterial stammt aus dem Ausland und die Veredelung hat in der Schweiz stattgefunden.»

Verantwortung wahrnehmen

Trivigno erklärte an die Adresse der Maturanden, sie stünden in der Verantwortung, unser System weiterzuentwickeln, zu modernisieren und an die zukünftigen Gegebenheiten heranzuführen beziehungsweise anzupassen. «Es reicht nicht, wenn alles gut ist, wie es ist, es muss weiterentwickelt werden.» Trivigno weiter: «Nehmen Sie die Verantwortung wahr und gestalten Sie unsere Schweiz weiter. Beschränken Sie sich nicht aufs Bewahren, Konservieren oder gar Verwalten. Denn nur wenn die Zukunft besser wird, kann die Gegenwart gut bleiben.»

Für tolle Arbeiten geehrt

Für besonders gute Maturaarbeiten ausgezeichnet wurden am Samstag Dominic Espinoza, Phoebe Jewitt, Benjamin Meier und Nina Kathe. Über die Gewinner der besten Arbeiten im Bereich Wirtschaft und Rechte hat die az am 17. Juni berichtet.

Bereits am Freitagabend hatte die Berufsmaturitäts- und Prüfungsfeier der Wirtschafts- und Informatikmittelschule stattgefunden. Dort wurden für herausragende interdisziplinäre Projektarbeiten ausgezeichnet: Manuel Dublanc, Sofie Kamber, Nicolas Richner, Laura Goetschi, Julie Strasser, Nathalie Quenot und Caroline Dornbierer, Vjosentina Arslani, David Huber und Alex Mäusli, Danial Yacoub.