«Bitte keine Sprühereien» steht auf einem roten Schild. Es ist das jüngste Objekt auf dem ganzen Areal der Aeschbachhalle. Es trägt keinen Kratzer, die Farbe glänzt.

Der Glanz der Aeschbachhalle ist längst gewichen – oder war gar nie da. Denn gebaut worden ist die Halle 1910 zum Arbeiten. Der Unternehmer Friedrich Aeschbach* zog 1895 ins Industriequartier Torfeld Süd, nachdem er im Aarauer Hammerquartier erste Brot-, Buttermaschinen und Fruchtpressen entwickelt hatte.

Zum Erfolg verhalf Aeschbach eine Knet- und Mischmaschine, für die er 1906 unter dem Markennamen «Artofex» das Patent erhielt. Aeschbach gründete darauf eine Tochterfirma in Patin bei Paris, 1920 fasste der Aarauer Betrieb Fuss in London und Mailand.

Als Friedrich Aeschbach 1936 starb, zählte die Belegschaft 350 Köpfe. Inzwischen wurden auch Backöfen hergestellt. Bis 1988 wurde die Maschine weltweit in verschiedenen Grössen mehr als 50 000-mal verkauft.

Sein Sohn Fritz konnte aber die Nachfolge nicht regeln, worauf die Firma verkauft wurde. Das Gelände wurde verschiedentlich anders genutzt: von Sprecher+Schuh oder dem Verein Furka Bergstrecke zur Sanierung von Bahnwagen. Die Fabrikation wurde nach Gränichen ausgelagert, der Markenname Artofex nach Amerika verkauft.

Halle ist denkmalgeschützt

Überlebt hat nur der Familienname. Und die Halle. Aber an der Aeschbachhalle ist abgesehen vom roten Schild mit dem Spray-Verbot fast nichts mehr intakt. Vereinzelt ist eine Scheibe zu sehen, die noch von keinem Stein getroffen wurde. Sprayereien hat es überall.

Obwohl doch unten auf dem Schild steht: «In diesen denkmalgeschützten Räumlichkeiten entsteht in naher Zukunft eine Markthalle mit Gastronomiebetrieben.» Es klingt wie ein Hirngespinst.

Wie soll man dieses Hallengerippe je wieder nutzbar machen? Wie soll man hier je einen Latte macchiato trinken wollen? Die Firma Mobimo, welcher das Gelände und das angrenzende Aeschbach-Quartier gehört, hat es fest vor.

Die Aeschbachhalle soll das Herzstück des Quartiers werden. Die Genehmigung für den Teilabbruch – geplant Ende Jahr – liegt vor. Denn wer genug Geld hat, kann heute aus Industriegebäuden schicke Treffpunkte machen. Der herbe Industriecharme kombiniert mit moderner Infrastruktur, Glas und Stahl, wurde schon andernorts für einen neuen «Place to be» genutzt.

Hinzu wird ein neuer Saal für Events, einem Foyer und zwei Ladenlokalen gebaut. 1350 Arbeitsplätze sollen im ganzen Quartier entstehen. Gestalter ist der Holländer Kees Christiaanse mit dem Architekturbüro KCAP. Begonnen wird Anfang 2016.

Abriss für Industriestrasse

Bereits jetzt am Laufen ist nebenan der Rückbau auf dem Gelände der HRS Real Estate AG, wo auch einst das Stadion entstehen soll. Die Rückbauten geschehen aber nicht fürs Stadion, sondern für die Industriestrasse, welche das Stadion und das Quartier erschliessen und den Gaiskreisel direkter mit dem Autobahnzubringer T5 verbinden soll. Bauherr der Industriestrasse ist der Kanton.

Dazu wurden verschiedene Gebäude der ehemaligen Oma Maschinenfabrik und der Firma Oehler abgerissen. Als erhaltenswert war in einem Fachgutachten von 2008 nur eines bezeichnet worden: das Garderobengebäude der Firma Oehler, ein schlichtes, zweistöckiges Gebäude.

Der Architekturhistoriker argumentierte, es sei das einzige Gebäude im Industriequartier, das zum Wohl der Arbeiter gebaut wurde. Einige der typischen runden Waschtische seien im Gebäude noch erhalten. Doch auch dieser Zeuge des Fabriklebens wurde abgerissen.

Lesen Sie den ganzen Artikel über die Geschichte der Firma Aeschbach von Kurt Badertscher (vom 4.10.2008)