Aarau
Die Aeschbach AG als Perle der Industriegeschichte

Das Torfeld Süd ist eng mit der einstigen Fabrik für Teigknetmaschinen und Backöfen verbunden – bis vor gut zwanzig Jahren Schweizer Exportschlager erster Güte.

Kurt Badertscher
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Die Fabrik von innen. Staub und Schutt liegen am Boden.

Die Fabrik von innen. Staub und Schutt liegen am Boden.

Chris Iseli

Wenn dereinst die Bagger im Torfeld Süd auffahren, wird ein Stück Aarauer Industriegeschichte verschwinden. Es geht dabei um die Maschinenfabrik F. Aeschbach AG, die allerdings mit dem Warenzeichen Artofex weiterleben wird.

Wer mit dem Zug von Osten her vorbei an der ehemaligen Firma Sprecher + Schuhin den Bahnhof Aarau einfährt, erblickt linker Hand ein grau-schwarzes, dreigeschossiges Gebäude.

Auffällig ist die rund 45 Meter lange Fassade mit der angeschnittenen Durchfahrt für Eisenbahnwagen auf der rechten Seite der Gebäudefront. Der Industriebau aus dem Jahr 1920 wirkt heute verkommen, eine typische Brache, die für eine andere Nutzung unbrauchbar ist und mit der Neugestaltung des gesamten Torfeld Süd nur noch abgebrochen werden kann. In dieser heute unansehnlichen Fabrik aber sind einmal Bäckereimaschinen für die ganze Welt produziert worden.

Mit einem Bahnanschluss

Die Anfänge waren bescheiden. 1888 mietete Fritz (Friederich) Aeschbach I. (1856›1936), der aus Reinach stammte, im Aarauer Hammerquartier eine mechanische Werkstatt. Entstanden sind dort Brot- und Buttermaschinen oder Fruchtpressen.

1895 kaufte Aeschbach eine Liegenschaft mit zwei Gebäuden im Torfeld Süd. Es war die Urzelle der Fabrik, die sich in den nächsten Jahren Richtung Norden, zu den Bahngleisen hin, entwickeln sollte.

Mit Markennamen Artofex

Um 1905 konstruierte und baute der Unternehmer eine Knet- und Mischmaschine. Der Bewegungsablauf der beiden geschmiedeten Arme war dem des knetenden Bäckers, der den Brotteig bearbeitete, nachgebildet.

Das erste Patent wurde 1906 erteilt, ab 1912 standen der Markenname Artofex und die Firma F. Aeschbach SA in der Schweiz, Europa und Amerika unter urheberrechtlichem Schutz.

Bereits 1910 gründete Aeschbach eine Tochterfirma in Patin bei Paris, 1920 fasste der Aarauer Betrieb Fuss in London und Mailand. 1916 wandelte Aeschbach die bisherige Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft um.

Der Betrieb konnte auch während der schwierigen Zeit des Ersten Weltkriegs Maschinen in ganz Europa liefern. Nach 1920 wurde an der Industriestrasse im Torfeld wieder eifrig gebaut, entstand doch unter anderem die heute noch markante Halle mit der erweiterten Schlosserei.

1936 starb der Firmengründer, die von Bruder Emil übernommen wurde. Die Belegschaft zählte mittlerweile 350 Köpfe, zur Komplettierung des Verkaufsprogramms kam die Fabrikation von Backöfen.

1947 löste der Sohn des Gründers, Fritz Aeschbach II. (1919-2005), den Onkel an der Unternehmensspitze ab. Als Ingenieur engagierte er sich bei der Modernisierung einzelner Maschinentypen und brachte seine konstruktiven Fähigkeiten ein.

Aeschbachhalle
8 Bilder
Die Fabrik von innen. Staub und Schutt liegen am Boden.
Ein altes Brünneli
Ein umgefallener, alter Plastikstuhl
Ein Grafitti an einem Häuschen in der Firma
Eines der zahlreich vorhandenen Grafitti-Kunstwerken
Ein verwaister Stuhl
Zerbrochene Scheiben in den grossen Fabrikfenstern

Aeschbachhalle

Sabine Kuster

Exporte in die ganze Welt

Vor allem das Schweizer Qualitätslabel Artofex war eine Erfolgsgeschichte. Diese Knet- und Mischmaschine wurde weltweit bis 1988 in verschiedenen Grössen mehr als 50 000-mal verkauft.

Hinzu kamen rund 10 000 Backöfen der gleichen Marke, die Aarau in alle Welt hinaus verliessen und namentlich in Hotels in Asien, Amerika und Afrika zum Einsatz kamen. Allerdings machte sich eine gewisse Sättigung bemerkbar.

Es fehlte an neuen Ideen, an modernen Fertigungsanlagen und an baulichen Investitionen. Zudem fehlte es in den 80er-Jahren an Perspektiven, konnte doch Fritz Aeschbach keine Regelung der Nachfolge treffen. Es kam zum Verkauf der Firma , und zwar am 5. Januar 1988, der Unternehmer zog sich nach Monte Carlo zurück.

Das Hauptinteresse des Käufers galt aber nicht der Weiterführung des Betriebs, sondern lediglich der Liegenschaft. Deshalb musste die eigentliche Fabrikation nach Gränichen verlegt und mit der Maschinenfabrik Gränichen AG zusammengelegt werden.

Das Areal an der Industriestrasse wurde neu aufgeteilt, einzelne Parzellen an die Sprecher + Schuh verkauft. Die einstigen Fabrikations- und Lagerhallen fanden neue Mieter in unterschiedlichsten Bereichen.

Im ehemaligen Ofenbau zum Beispiel restaurierte die Aargauer Sektion des Vereins Furka Bergstrecke bis vor kurzem historische Bahnwaggons. Die einstige Artofex AG in Gränichen ging unter, der Markenname musste gar nach Amerika verkauft werden. Es war ein letzter Schritt, aus den Resten der Firma F. Aeschbach AG in Aarau noch etwas Geld herauszuholen.

Fortsetzung in Gränichen

Immerhin tröstlich: Heute setzt die im Jahre 2002 von ehemaligen Aeschbach -Mitarbeitern aufgebaute Firma Artech GmbH in Gränichen die Arbeit an Bäckereimaschinen fort. Mit viel Engagement und Herzblut, so, wie diese Fachleute schon zwanzig Jahre vorher im Torfeld Süd in Aarau gewirkt haben.

Kurt Badertscher ist Fachlehrer an der Technischen Fachschule Winterthur und wohnt in Lenzburg.