Ab dem Jahr 2030

Die Aarauer wollen eine Piazza auf dem Kasernenareal

Wenn die Armee auszieht, soll auf dem Kasernenareal ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Das Volk darf mitreden. Und es hat schon recht klare Vorstellungen, was mit dem Areal geschehen soll – und was nicht.

Es kommt nicht oft vor, dass Einwohner an der Entwicklung eines neuen Stadtteils so aktiv mitarbeiten dürfen wie in Aarau. Hier wird das Volk in mehreren öffentlichen Forumsdiskussionen in die künftige Gestaltung des Kasernenareals mit einbezogen. Ab 2030 steht die militärische Nutzung dort nicht mehr im Vordergrund, Stadt und Kanton planen die Zukunft schon heute gemeinsam. Nach dem ersten Forum vor einigen Monaten wurden Leitbildsätze entworfen, die 90 Teilnehmende am vergangenen Mittwochabend noch einmal eingehend diskutierten.

Das Areal gehört dem Kanton, dem Bund und Privaten, die Stadt Aarau selber besitzt nichts. Sollen die Grundstücke verkauft oder im Baurecht abgegeben werden? Eher letzteres, befand das Plenum. So oder so – bezüglich Finanzierung und potenziellen Investoren bestehen noch einige offene Fragen.

Bleibt die alte Reithalle?

Das Areal soll einen eigenen Charakter erhalten, sich deutlich vom Bahnhof, der Igelweid und der Altstadt unterscheiden. Alte und neue Bauten würden sich ergänzen, auch Hochhäuser sind denkbar. Im Vordergrund steht eine gemischte Nutzung mit Wohnen, Gewerbe und Freizeitmöglichkeiten. Wichtig war den Teilnehmern, dass auch nicht-kommerzielle Nutzungen fest eingeplant werden. Die Nutzflächen werden gegenüber heute durch Neubauten und Umnutzung mindestens verdoppelt – oder vervierfacht, wenn es nach einigen Forumsteilnehmern ginge. Die Existenzberechtigung der alten Reithalle wurde zwar kontrovers diskutiert, aber der Grossteil der Teilnehmenden stellte sich klar hinter das Projekt, das auch als «Motor für die Quartierentwicklung» bezeichnet wurde.

Wohin mit den Autos?

Weiterhin verfolgt wird die schrittweise Öffnung des Areals – beginnend baldmöglichst. Zwischennutzungen sind sehr erwünscht. Viele offene Fragen bestehen bezüglich der Erschliessung. Angestrebt wird ein verkehrsberuhigtes Areal – aber wohin mit den Autos der Bewohner, Besucher und Arbeitnehmer? Baut man eine riesige unterirdische Tiefgarage oder setzt man auf ein komplett autofreies Quartier?

Einigkeit besteht darin, dass das Areal eine zentrale Piazza haben soll. Sie wird im Leitbild als «Genius Loci» bezeichnet, als «Geist des Ortes». «Der Platz ist belebt und kann vielfältig bespielt werden», heisst es im Leitbildentwurf. «Es können Veranstaltungen und Feste stattfinden, und es darf auch einmal laut sein».

Die Workshopteilnehmer nahmen dies zwar wohlwollend auf, wünschten sich aber konkretere Ideen - soll die Piazza urban gestaltet werden, oder auch noch Lebensraum für Fauna bieten? Wird es rundherum Arkaden geben, damit man auch bei schlechtem Wetter draussen sitzen und flanieren kann? Und wie belebt man eigentlich einen Platz?

Mehrfach wurde als Negativbeispiel das ehemalige ABB-Areal in Oerlikon oder der Trafo-Platz in Baden genannt. «So etwas wollen wir hier nicht», hiess es. Aber: «Einen Platz kann man nicht lebendig planen – der muss lebendig werden», sagte ein pensionierter Architekt.
Das Leitbild wird nun überarbeitet und dann dem Regierungsrat vorgelegt. Dann geht es in die Testplanung, die 2017 an einem nächsten Forum diskutiert wird.

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