Aarau

Die Aarauer Stadtsänger feiern ihr 100-jähriges Bestehen

Seit 1985 einheitlich gekleidet, haben die Stadtsänger das kulturelle Leben immer wieder mit unvergesslichen Konzerten bereichert. ZVG

Seit 1985 einheitlich gekleidet, haben die Stadtsänger das kulturelle Leben immer wieder mit unvergesslichen Konzerten bereichert. ZVG

1912 fusionierte der Männerchor des Cäcilienvereins und der Sängerbund zum Stadtsängerverin Aarau. Gemeinsames Musizieren hat in Aarau Tradition, und reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Der Musikgeschmack änderte sich mit den Jahren stetig.

Auf ein ganzes Jahrhundert zurückschauen dürfen heuer die Stadtsänger Aarau. Keine Selbstverständlichkeit, hat doch das Chorwesen eine wechselhafte Geschichte hinter sich. «Der Musikgeschmack hat sich stetig verändert», stellt Landammann Urs Hofmann in seiner Gratulationsadresse fest, das heisst, die Stadtsänger haben «ihr Programm laufend angepasst». Mit Erfolg, kann doch der Verein mit rund 60 aktiven Sängern nicht nur stolz auf die Vergangenheit, sondern auch getrost und freudig in die Zukunft blicken.

Vereinsfreudiges 19.Jahrhundert

Das gemeinsame Musizieren ist in Aarau bereits vor der Zeit um 1750 bezeugt. Einen Aufschwung nahm es in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts, einer ausgesprochen vereinsfreudigen Epoche. Dass in der Aargauer Kantonshauptstadt innert kurzer Zeit gleich drei nationale Zusammenschlüsse, jener der Schützen, Turner und Sänger, erfolgten, verpflichtete auch das lokale Leben.

Zu einer kurzen, aber heftigen Blüte brachte es der Männerchor Aarau, der 1842 an der Wiege des Eidgenössischen Sängervereins stand. Nach der Auflösung des städtischen Chors 1857 entstand nach einem Unterbruch von zehn Jahren der Sängerbund Aarau. Gleichzeitig existierte seit 1850 ein Männerchor innerhalb des Cäcilienvereins. Dieser fusionierte schliesslich anno 1912, also vor genau 100 Jahren, mit dem Sängerbund zum Stadtsängerverein Aarau.

Keine staubige Chronologie

Gewürdigt wird das runde Jubiläum mit einer Festschrift, die sich keineswegs in staubiger Chronologie erschöpft. Dem Redaktionsteam mit Urs Widmer, Aldo Botta und Erich Zuber ist es gelungen, zahlreiche Mitsänger zu einem Beitrag zu animieren. Daraus ist ein bunter Strauss oder ein Potpourri entstanden, das sämtliche Facetten eines Vereinslebens im Dienste von Frau Musica aufdeckt. Die Autoren von A (Max Arnet) bis Z (Karl Zünd) zeigen, dass gemeinsames Singen weit über Proben und Auftritte hinaus verbindet. Zum Vereinsleben der Stadtsänger gehörten und zählen heute noch die Pflege der Geselligkeit und anderer Gemeinsamkeiten.

Der Bogen reicht von Stammtischen (früher einst im «Affenkasten» bei Wirt Fritz Plüss) über Sängerreisen (diejenige von 1965 führte bis nach Mainz) bis zu den Wandersängern und dem Kreis der Stadtsängerfrauen mit ihrem «Höckli», das bis in die vergangenen 60er-Jahre zurückgeht.

Mit weinroter Fliege

Die Stadtsänger Aarau, seit 1985 einheitlich gekleidet im dunkelblauen Anzug mit weinroter Fliege, sind nicht nur von manchem kantonalen oder eidgenössischen Fest mit Bestnoten in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, sie haben auch zahlreiche Gemeinschaftsaufführungen mit befreundeten Vereinen (von der Stadtmusik über den Orchesterverein bis zum Jodlerklub) in Aarau bereichert.

Unvergessen sind in Aarau auch die Konzerte der Stadtsänger mit den Bucher-Chören oder mit Ivan Rebroff (1981 und 1987 im Saalbau). Legendär waren immer auch die Auftritte an zünftigen Festen, sei es zum Jubiläum «700 Jahre Stadtrecht» 1983, beim Aargrandissimo 1998 oder am Eidgenössischen Schützenfest 2010, bei denen die Stadtsänger auch im kulinarischen Beizen-Sektor zu glänzen wussten.

«Singen verbindet»

«Singen verbindet, darüber hinaus macht es auch glücklich und gesund», stellt Stadtammann Marcel Guignard im Vorwort zur Festschrift in den Raum. Diese These bestätigt Chorleiter Christian Dillig, der seit 2003 unter anderem mit grossem Erfolg in Aarau wirkt. Er fragt sich (mit einem Augenzwinkern), «warum die Mitgliederbeiträge der Chorsänger nicht von den Krankenkassen übernommen werden», im Interesse einer «Gesundheitsprophylaxe».

Die Stadtsänger wollen ihren Wurzeln und Zielen treu bleiben. «Obwohl sich die Freizeitangebote in der Zwischenzeit multiplizierten, hat das Singen seinen Stellenwert behalten», hält Vereinspräsident Willi Müller in der Jubiläumsschrift fest. Auch ein Männerchor komme aber nicht darum herum, «sich den veränderten Randbedingungen immer wieder neu zu stellen».

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