Aarau
Die Aarauer Stadtmusik begeisterte mit einer Gala hoch drei

Am Jubiläumskonzert musizierten das Ensemble und die Solisten auf einem hohen Niveau. Der Abend war ein Genuss und vermochte selbst jene zu begeistern, die mitunter ein traditionelles Marschmusikprogramm vermissen.

Jürg Nyffenegger
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Die Stadtmusik Aarau mit Dirigent André Wey am Jubiläumskonzert.

Die Stadtmusik Aarau mit Dirigent André Wey am Jubiläumskonzert.

Christoph Voellmy

Veranstalter bezeichnen ihren Event gerne mal mit «Gala», aber nicht immer trifft der Begriff zu. Wer allerdings das Galakonzert der Stadtmusik Aarau besucht hat, konnte gleich in dreierlei Hinsicht erleben, was «Gala» bedeuten kann. Auf jeden Fall war dieser Abend ein Genuss und vermochte selbst jene zu begeistern, die mitunter ein traditionelles Marschmusikprogramm vermissen.

Das Gala-Programm

Der Dirigent André Wey hatte ein Programm zusammengestellt, das den 67 aktiven Musikantinnen und Musikanten ziemlich alles abforderte. Unter den Komponistennamen gab es einige wohlbekannte, aber auch ein paar besondere.

Interessant, dass die Schöpfer der ersten drei Stücke allesamt Posaunisten waren: Jan Van der Roost, Don Gillis und Johan de Meij. Spannend gestaltete sich zum Beispiel die Begegnung mit der «Sinfonie Nummer 5 1⁄2» des 1978 verstorbenen Don Gillis.

Er wollte auf keinen Fall seine jüngste Sinfonie mit der Nummer 6 bezeichnen, und so entstand der aufsehenerregende Titel. Überhaupt war Gillis ein vielseitiger Musiker, widmete er doch sein wohl letztes Werk Arturo Toscanini. Die vierteilige Sinfonie ist brillante Musik, durchwegs unglaublich farbig instrumentiert und virtuos.

Aber auch de Meijs «Klezmer-Adaptionen» waren eine Entdeckung. Im zweiten Konzertteil gab es Stücke voller Kolorit von Komponisten, die man aus Film oder Fernsehserien kennt, darunter John Williams, Leroy Andersen und Eric Clapton.

Die Gala-Interpretation

Sowohl das grosse Ensemble als auch die Solisten zeigten durchwegs professionelles Niveau. Da wurde differenziert und werkgerecht musiziert, die Intonation stimmte, die Rhythmen auch. Das merkte man zum Beispiel deutlich an der zweiten Zugabe.

Während ein traditioneller Marsch oft einfach «heruntergerasselt» wird, gestaltete der Dirigent den «Florentiner-Marsch» von Julius Fuçik zu einem Kunstwerk, das auch Blasmusikkenner aufhorchen liess. Zu erwähnen sind zudem die Solisten an der Trompete (Yannick Wey, René Erne und Rolf Elsasser in Andersons «Bugler's Holiday»), der Klarinettist Yannick Berner, die Saxofonistin Silvia Trebo (die auch Querflöte spielte), um nur einige zu nennen.

Das Gala-Ambiente

Diese Soli - ein purer Genuss, wie das Ganze auch! Nicht zu vergessen der rhythmisch stupend sichere Beitrag der fünf Tambouren (Leitung Bruno Bolliger), der einen weiteren Gala-Farbtupfer setzte.

Wer das Konzert besuchte, war von Anfang bis Ende gut aufgehoben, wurde freundlich begrüsst, Getränke und Häppchen standen bereit, in der Pause boten freundliche Damen und Herren Tombolalose an - und: Durch das Programm führte witzig und klug Thomas Meyenberg.

Präsidentin Lotty Fehlmann Stark freute sich zu Recht über den grossen Publikumsaufmarsch und durfte zu dessen grossen Freude Rolf Häusler (Baritonsax), der seit 60 (!) Jahren aktiv mitmacht und keine Probe auslässt, auszeichnen.

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