Energieplan
Die Aarauer sollen sich für nachhaltiges Heizen erwärmen

Im Entwurf hat die «Energiestadt» Aarau ihre Wärmeversorgung bereits auf erneuerbare Quellen umgestellt. Das Mitwirkungsverfahren am Energieplan ist eröffnet.

Thomas Röthlin
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Das erweiterte «Schössli» und das Torfeld Süd (im BIld) sollen mit Grundwasser beheizt werden.

Das erweiterte «Schössli» und das Torfeld Süd (im BIld) sollen mit Grundwasser beheizt werden.

zvg

In acht Jahren muss Aarau seinen Öl- und Gasanteil an der gesamten Wärmeversorgung von heute 85 auf unter 60 Prozent gesenkt haben. Dieses ambitiöse Ziel steckten sich die Aarauer am 11. März, indem sie an der Urne den Gegenentwurf zur Initiative «Energiestadt Aarau konkret» (Esak) mehrheitlich bejahten.

Jetzt folgt in der «Energiestadt» – Aarau trägt das Label seit 2005 – die erste Konkretisierung. Ab heute bis Mitte August können die Aarauerinnen und Aarauer am kommunalen Energieplan mitwirken. Im Entwurf steht der Schlüsselsatz: «In Aarau bestehen grosse, teilweise ungenutzte, quasi CO2-neutrale Energiepotenziale.» Die Treibhausgasemissionen müssen gemäss Esak-Gegenentwurf bis 2020 von heute 5,1 auf 3,5 Tonnen pro Kopf und Jahr sinken.

Anschluss an Verbund freiwillig

Das Kernstück des Energieplans ist eine Karte des Stadtgebiets. Sie zeigt, wo künftig nicht mehr individuell, sondern im Verbund geheizt werden soll – ziemlich überall. Und dass als Energiequellen Ab- und Umweltwärme im Fokus sind. «Der Energieplan koordiniert Wärmeversorgung und Siedlungsentwicklung», sagt Stadträtin Jolanda Urech.

Abwärme kommt zum Beispiel von der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs. 2009 ergab einer Energiepotenzialstudie, dass damit – zusätzlich zur bestehenden Fernwärmenutzung – 2400 Wohneinheiten beheizt werden könnten. Weitere Abwärmequellen sind die Abwasserreinigungsanlage, die Kunsteisbahn, die Aarekraftwerke und das Krematorium.

Aber: «Potenzial heisst noch nicht, dass ein Projekt technisch machbar, wirtschaftlich tragbar und ökologisch sinnvoll ist», sagt Barbara Horlacher von der Umweltfachstelle Aarau. Und: Der Energieplan kann keinen Hauseigentümer zwingen, seine Heizung an einen Verbund anzuschliessen. Solche Verbindlichkeiten müssten in der allgemeinen Nutzungsplanung festgeschrieben werden, die in Aarau gerade revidiert wird.

Wärme für «Schlössli» und Torfeld

Dennoch realisiert die IBAarau bis 2014 zwei Nahwärmeverbünde, bei denen Umweltwärme angezapft wird. Für 30 Mio. Franken baut die IBA im Zivilschutzbunker des Parkhauses Kasinopark und für das Torfeld Süd zwei Heizzentralen mit Grundwasser-Wärmepumpen. An den ersten Verbund soll das erweiterte Stadtmuseum Schlössli angeschlossen werden. Weil die Anlage auch Kälte liefert, könnte der City-Märt mit seinen Kühlanlagen interessiert sein. «Ein Anschlusszwang besteht nicht», sagt IBA-CEO Hans-Kaspar Scherrer. Im Torfeld Süd stellen Sondernutzungsvorschriften sicher, dass alle Neubauten mit Grundwasserwärme versorgt werden.

Die beiden Verbünde stellen 7 Prozent der Aarauer Wärmeversorgung auf erneuerbar um. Um das Klimaziel 2020 zu erreichen, sind weitere Projekte im Torfeld Nord und in der Telli in der Pipeline. Die Preise für Grundwasserwärme und -kälte sind laut Scherrer konkurrenzfähig.

Die grössere Herausforderung ist das Esak-Zwischenziel, den Wärmebedarf um 20 Prozent zu reduzieren. Dafür müsste der im Schnitt 80-jährige Gebäudepark Aaraus im Eiltempo renoviert werden.

Link zur Mitwirkung Energieplan Aarau: www.aarau.ch/energieplan

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