Aarau
Die Aarauer Güselwehr griff wieder zum Besen

Ein Dutzend Stadtbewohner trat am Samstagmorgen früh zur Stadtputzete an. Einer tat es aus langjähriger Verbundenheit mit dem Initianten der Aktion, andere um schon frühmorgens etwas Gutes zu tun.

Hubert Keller
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Mit Krallen, Besen und Abfallsäcken ausgerüstet, traf sich das «saubere Dutzend» vor der Putzaktion zum Fototermin beim Soldatendenkmal. Patricia Schoch

Mit Krallen, Besen und Abfallsäcken ausgerüstet, traf sich das «saubere Dutzend» vor der Putzaktion zum Fototermin beim Soldatendenkmal. Patricia Schoch

Zwölf Stadtbewohnerinnen und -bewohner folgten dem Aufruf von Andres Brändli zur freiwilligen Stadtputzete am Samstagmorgen. Unter ihnen auch Stadtrat Beat Blattner: «Ich bin als normaler Bürger hier.» Anders Regina Jäggi, sie fühlte sich als Stadträtin herausgefordert und wollte sich von Amtes wegen, ein Bild von der selbst ernannten Güselwehr machen. Die Leute vom Werkhof seien schon etwas verunsichert worden, meinte sie: Machen sie keinen guten Job? Sind die Stadtbewohner mit ihrer Arbeit unzufrieden, dass sie selber zum Besen greifen?

Roland Stücheli «Auf meinen Spaziergängen hielt ich mich nicht dafür, Güsel aufzuheben, obwohl er mich stört. Warum also sollte nicht jeder und jede dazu beitragen, dass die Stadt etwas sauberer wird.»
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Walter Schmid «Mit Andres Brändli besuchte ich die Bezirksschule. Hin und wieder mussten wir den Schulhof putzen – als Strafe, weil wir es zu bunt getrieben hatten. Nun helfe ich ihm auch bei der Stadtputzete.»
Stadtrat Beat Blattner «Es sind nicht nur die Jungen, die ihren Dreck der Allgemeinheit überlassen. Es gibt auch Erwachsene, die Hauskehricht auf Kosten der Stadt in den öffentlichen Abfallbehältern entsorgen.»
Dora Frei «Ich denke nicht, dass es meine Sache ist, die Stadt sauber zu machen. Aber es gefällt mir, an diesem frühen Morgen, mit anderen Leuten zusammen etwas Gutes zu unternehmen.»
Alfred Bauhofer «Auf meinen Spaziergängen hielt ich mich nicht dafür, Güsel aufzuheben, obwohl er mich stört. Warum also sollte nicht jeder und jede dazu beitragen, dass die Stadt etwas sauberer wird.»

Roland Stücheli «Auf meinen Spaziergängen hielt ich mich nicht dafür, Güsel aufzuheben, obwohl er mich stört. Warum also sollte nicht jeder und jede dazu beitragen, dass die Stadt etwas sauberer wird.»

Patricia Schoch

Marcel Suter, Präsident der Zentrum-Vereinigung, beruhigte: «Wir möchten mit der Putzaktion an den Gemeinsinn der Stadtbewohner appellieren. Wir sind selber dafür verantwortlich, ob die Stadt sauber ist oder nicht.» Die Idee ausgeheckt hat Andres Brändli, der nicht an einer weggeworfenen Flasche vorbeigehen kann, ohne sie aufzuheben. Und Suter hat ihn darin bestärkt, es nicht bei der Idee zu belassen.

Regina Jäggi griff selber zur Kralle und brachte nach ihrer stündigen Kehrichttour nicht nur einen gefüllten Sack, sondern auch einen eindrücklichen Bericht mit ins Restaurant «Rendez-vous», wo man sich nach getaner Arbeit zum Meinungsaustausch traf. «Ich bin richtig stolz auf mich», meinte etwa Marianne Bolliger. Sie führt in der Marktgasse die Boutique «Zauberhaft». Nicht nur sie ist aber enttäuscht von jenen Wirten, die es nicht für nötig finden, Leergut und Abfall vor ihren Lokalen recht-, das heisst frühzeitig wegzuräumen. Regina Jäggi zog aus der Putzaktion auch folgenden Schluss: «Statt immer nur auszurufen, greift man besser zum Besen.»

Andres Brändli macht weiter: «Samstag für Samstag soll ein kleiner Trupp mit Kralle, Besen und Abfallsack in der Stadt unterwegs sein, nicht um die Mitarbeiter vom Werkhof schlecht zu machen, sondern um die Stadtbewohner zu sensibilisieren.

Nächste Putzaktion: Samstag, 19. Januar, Treffpunkt um 7 Uhr im City-Märt bei den Rolltreppen.