Zwölftausend Hühner, ein Skilift und ein bisschen mehr Sonne auf Gemeindegebiet. Das könnte für Aarau herausschauen, wenn man sich auf eine Fusion mit der 700-Seelen-Gemeinde Densbüren einlässt. Dies ist das – nicht ganz ernst gemeinte – Fazit, welches die rund 50 Interessierten am dritten und letzten Aarauer Zukunftsraumforum im Zelgli zogen.

Aber der Reihe nach: Wie an den ersten beiden Zukunftsraumforen im Scheibenschachen und in Rohr verteilten sich die Anwesenden nach einem kurzen Einstiegsreferat auf mehrere Diskussionstische, die je einem bestimmten Thema gewidmet waren. Stadt- und Einwohnerräte moderierten die Gesprächsrunden.

«Zu stolz für eine Fusion»

Neben den bisherigen Schwerpunkten (pragmatischer Ausbau der Gemeindezusammenarbeit, Ausbau der Zusammenarbeit in einem verbindlichen und einheitlichen Perimeter, Fusion mit beiden Entfelden, Fusion mit Buchs und Suhr, Fusion mit Densbüren, Fusion im Gesamtperimeter) wurde an diesem Zukunftsraumforum erneut auch explizit über Küttigen geredet. Denn: An den vergangenen Zukunftsraumforen hatte sich gezeigt, dass die Aarauer auch in diese Richtung ihre Fühler ausstrecken wollen. Nicht zuletzt, um Densbüren nicht eine Exklave werden zu lassen.

Die Stadt- und Einwohnerräte fassen die Erkenntnisse aus dem Zukunftsraum-Forum zusammen.

Die Stadt- und Einwohnerräte fassen die Erkenntnisse aus dem Zukunftsraum-Forum zusammen.

«Die Küttiger sind zu stolz für eine Fusion», sagte eine Frau. «Wovor haben die eigentlich Angst?», fragten andere. «Und was wäre der Mehrwert für Aarau? Können die Skaleneffekte den geringeren Steuerertrag pro Kopf aufwiegen?» Diskussionsleiterin Danièle Zatti Kuhn fasste die Voten zusammen: Aarau müsse offen sein für eine Zusammenarbeit mit Küttigen, das sei aber «nicht gerade die äusserste Zwiebelschale». Will heissen: nicht die vordringlichste Fusion.

«Das ist ein Rückschritt»

Ein pragmatischer Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit – also nur dort, wo es gerade nötig ist, sei «absolut nicht das, was die Leute wollen», schloss Einwohnerrätin Susanne Knörr (SVP) aus den Gesprächen an ihrem Tisch. «Es ist kein Schritt vorwärts, nicht mal ein Stillstand. Es ist ein Rückschritt.»

Einen Ausbau der Gemeindezusammenarbeit im verbindlichen Perimeter – im Sinne von Regionalkonferenzen – sehen die Aarauer kontrovers. Vize-Stadtpräsidentin Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau): «Die einen halten es für einen Zwischenschritt zur Fusion. Andere finden es zu kompliziert, weil viele Fragen offen sind: Wer hat welche Kompetenzen, welche Aufgaben?» Generell sei das «ein unruhiges Gebilde». Ein Diskussionsteilnehmer brachte den Vorschlag, statt einer Grossfusion mit zentralistischer Struktur könne man sich doch den Schweizer Staat zum Vorbild nehmen, aus den einzelnen Gemeinden das Äquivalent von Kantonen machen und so ein föderalistisches Instrument beibehalten. Bei Entscheiden bräuchte es dann sowohl die Volks- als auch die Gemeindemehrheit.

«Eine Fusion von Aarau mit Buchs und Suhr ist fast ein Muss», sagte Stadträtin und Diskussionsleiterin Regina Jäggi (SVP). Stadtbaumeister Jan Hlavica hatte es so formuliert: «Die Gemeinden leben längst in einer wilden Ehe zusammen.» Man müsse sie jetzt nur noch zusammenführen, so Jäggi. Generell bildeten die drei Gemeinden «das Herz der Region».

Die Experten der Universität Bern hatten in ihrem «Zukunftsraum Aarau»-Bericht eine Fusion der Stadt mit den beiden Entfelden besonders empfohlen. Bei den Aarauern war, so schien es, die Euphorie verhalten. Jemand sagte, es gebe ja schon Firmen wie die Bauschule Aarau, die sich so stark mit Aarau identifizierten, dass man erst an der Postleitzahl sehe, dass sie eigentlich in Entfelden zu Hause sind. Einwohnerratspräsidentin Lelia Hunziker (SP) berichtete, in der Diskussion habe jemand Entfelden als «Aschenputtel» bezeichnet – «Aber vielleicht wird das Aschenputtel am Ende der Katalysator für eine Grossfusion.»

«Nicht die Türe zuschlagen»

Densbüren, da war man sich einig, wird nicht der Katalysator und auch «nicht der Schlüssel zur Gesamtfusion», wie sich Stadtrat Hanspeter Hilfiker (FDP) ausdrückte. Sicher, die Sonne und der Skilift seien ein Vorteil. Und da Aarau laut Statistik null Hühner habe und Densbüren – so will Stadtbaumeister Hlavica herausgefunden haben – deren 12 000, würde eine Fusion mit der Agrargemeinde Aaraus Biodiversität guttun. Man sei sich an seinem Diskussionstisch einig gewesen, dass man «sicher nicht die Türe zuschlagen» solle, wenn eine Gemeinde wie Densbüren anklopfe. Nicht, weil Aarau grosse Vorteile aus dieser Fusion ziehen kann, sondern weil, so ein Diskussionsteilnehmer, man doch als Kantonshauptstadt auch eine gewisse moralische Verpflichtung habe, sich dieser finanziell schwachen kleinen Gemeinde anzunehmen. «Densbüren», so Stadtrat Hilfiker weiter, «könnte ein gutes Beispiel werden für eine kleine Gemeinde, die ihre Identität wahren kann in einem grösseren Konstrukt.»

Und dann wäre da noch die Gesamtfusion, für die sich die Aarauer schon an den ersten beiden Zukunftsraumforen begeistern konnten – was sogar Stadträtin Jolanda Urech überraschte, wie sie am Rande der Veranstaltung sagte. Auch an diesem dritten Zukunftsraumforum sprachen sich die Aarauer deutlich dafür aus, dieses Vorhaben weiter zu verfolgen – selbst wenn sogar die Experten der Uni Bern den Vorschlag als «zu früh» deklarieren. «Die Schwierigkeiten sind zwar besonders gross», sagte Einwohnerrat Ulrich Fischer (Pro Aarau), «aber auch der Gewinn.» Es brauche sicher einen besonders schwierigen und langwierigen Prozess, damit sich 11 Gemeinden auf einen gemeinsamen Vertrag einigen können.

Eine Fusion im Gesamtperimeter sei raumplanerisch und wirtschaftlich aber sinnvoll. «So würde im Aargau ein richtiges Zentrum entstehen, das wäre historisch neu.» Nachteile – wie etwa ein drohender Identitätsverlust – seien in der Diskussionsrunde «sehr relativiert» worden, ebenso ein Demokratieverlust durch die Zentralisierung «An der Gemeindeversammlung hat man auch selten die Möglichkeit, detailliert mitzubestimmen», so Fischer.

Was in allen Diskussionen thematisiert wurde, war die Frage, wie man als grösste Gemeinde auf die potenziellen Fusionspartner zugehen könnte, ohne diese gleich zu verschrecken. Zurücklehnen und abwarten sei keine Lösung, sagte hierzu Jan Hlavica: «Für einen erfolgreichen Flirt müssen beide Seiten flirten.»

Die Zukunftsraumforen sind zwar nun vorbei. Die Einwohner und Einwohnerinnen von Aarau können sich aber noch schriftlich zum Thema äussern. Die Vernehmlassung läuft noch bis 31. Januar. Stadtpräsidentin Jolanda Urech: «Es ist sehr erwünscht, dass uns die Aarauer und Aarauerinnen ihre Meinung zum Zukunftsraum mitteilen.»

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